Kommentar von Gary Stokes, Koordinator Sea Shepherd Hong Kong
„Das Einzige, was das Böse zu seinem Triumph braucht, ist die Untätigkeit guter Menschen.”
– Edmund Burke

Sea Shepherd bei CITES. Photo: Sea Shepherd
Der Saal bricht in Jubel und Applaus aus, als das Ergebnis der Abstimmung verkündet wird, dass der Weißspitzen-Hochseehai nun sicher im Anhang II des CITES gelistet ist. Unmittelbar gefolgt von den drei Hammerhaiarten, dem Heringshai und den beiden Mantaarten. Noch wichtiger, CITES selbst hat etwas an Biß zurückgewonnen, als ein durchschlagendes NEIN von den meisten Delegierten als Antwort auf die von Japan geführte Offensive kam, den Schutz aller Meeresarten zu blockieren. Genug ist genug!
Das waren zwei lange Wochen in Bangkok bei der 16. Vertragsstaatenkonferenz (bekannt als CoP16). Es war außerdem das erste Mal überhaupt, dass Sea Shepherd vertreten war. Wir sind nun offiziell als Internationale NGO-Beobachter von CITES akkreditiert, eine Position, die es uns gestattet, an Debatten teilzunehmen und unsere Meinung kundzutun. Bei dieser CoP waren nur 44 offizielle internationale NGOs anwesend.
Den Großteil meiner Zeit beim Meeting verbrachte ich mit Lobbyarbeit, was neu für mich ist, doch wenn es darum geht, über Haie und was ich persönlich gesehen und dokumentiert habe, zu sprechen, kann ich wohl sagen, werde ich ein bisschen leidenschaftlich bei dem Thema. Also tat ich das, sprach über Haie und verteidigte ihre Sache bei CITES und es gab keinen Ort, an dem ich lieber gewesen wäre. Aber wir stehen einigen Schwergewichten gegenüber. China leistete passiv Lobbyarbeit für die Unterstützung, jeglichen Schutz zu blockieren, was sie, wenn ich so sagen darf, mit einiger Würde taten. Japan jedoch war hektisch. Sie rannten hierhin und dorthin, warben hartnäckig für ihre Sache, luden offen Delegierte zu Dinner und „Unterhaltung“ ein. Eine Nacht bewirteten sie sogar die gesamte chinesische Delegation. Anscheinend war keine Haifischflossensuppe auf der Menükarte!
Es lag ein verfaulter Haut Goût von Korruption und dunklen Geschäften über den Hallen, und er war überall. Man findet Haifischflossenhändler, Trophäenjäger, Elfenbeinhandwerk und Vertreter der Thunfisch-Fischerei und jeden beliebigen anderen, der sein Geld mit dem Tod und der Vernichtung ganzer Arten macht, unter einem Dach. Durchwirkt ist das Ganze mit einigen „guten NGOs“ und einigen „nicht so guten NGOs“. Das waren NGOs, die angesetzt waren, alles in Mißkredit zu bringen, was wir zur Debatte stellten.
Dann gibt es noch das Letzte vom Letzten, die Ex-CITES-Prostituierten. Das sind ehemalige CITES-Leute, die im Ruhestand sind und ihre eigenen Beratungsfirmen aufgemacht haben, wobei sie ihre Seele dem verkaufen, der am meisten bietet. Und die jeden, der Hilfe braucht, durch das verfilzte Netz von CITES navigieren, um sicherzustellen, dass nichts unter Schutz gestellt wird. Eugene Lapointe gründete sein IWMC, das eine massive Präsenz zeigte. Eugene war ein früherer Generalsekretär von CITES, der in Ungnade fiel, aber das ist eine andere Geschichte. Mit den Haifischflossenhändlern aus Hong Kong arbeitete Robert ‘Hank‘ Jenkins zusammen, ein früherer Vorstandsvorsitzender des CITES-Tierausschusses. Wie ihn irgendjemand ernst nehmen kann, wenn er bei der Veranstaltung in Sandalen auftaucht, weiß ich nicht, aber ich weiß wohl, dass, was immer er Charlie Lim und seine Verbündeten kostet, hinausgeworfenes Geld ist. Seine Arroganz war sein Untergang, ein Untergang, den von meinem Tisch aus gerade einmal 3 Metern Entfernung zu beobachten mir großes Vergnügen bereitete. Er machte mir das netteste persönliche Kompliment, als er sich selbst vorstellte mit „Jenkins, der Kerl, den Sie fertig gemacht haben“, und warnte mich „ich vergesse Sie niemals!“ Ich war tief bewegt…

Hank Jenkins und Charlie Lim.
Photo: Sea Shepherd

Hank Jenkins und die chinesische Delegation.
Photo: Sea Shepherd
Die gesamte Kampagne gegen Dr. Giam begann mit einem Brief von Jenkins an die South China Morning Post. Dieser erweckte die Aufmerksamkeit meiner ehemaligen Partner im Gesetzesvollzug aus Hong Kong, was dann eine komplette Untersuchung hervorbrachte, aus der der Giam-Report hervorging, der wiederum den Einfluß Dr. Giam Choo Hoos innerhalb des CITES-Tierausschusses kaltstellte. Außerdem anwesend war Hanks Handlanger Glenn Inwood, die Medien-Marionette der japanischen Waljäger, und dann trat natürlich noch Giam selbst in Erscheinung. Er konnte nicht wegbleiben, der einzige Asiate, den ich kenne, der kein ‘Gesicht‘ oder Schamgefühl hat. Unserer Ansicht nach ist er ein Relikt aus der Vergangenheit; niemand wird ihn je wieder ernst nehmen, also sollte er schlicht seinen Ruhestand genießen. Ich traf eins der aktuellen Mitglieder des Tierausschusses, der zu mir sagte: „Giam geht einem in unseren Meetings so auf den PIIIEEP….” Das sind seine Worte, nicht meine, aber ich weiß, was er meint.

Hank Jenkins. Photo: Sea Shepherd

Dr. Giam. Photo: Sea Shepherd
Somit warteten wir nach dem großartigen Sieg in den Kommittee-Meetings am Montag, in denen all die Haie unter Schutz gestellt worden waren, angespannt auf die Vollversammlung, in der die Abstimmungen noch wiedereröffnet und gekippt werden könnten. Die japanische Delegation war geschäftig .. Berichtigung .. sie war ÄUSSERST geschäftig in dem Versuch, mehr als 1/3 der Stimmen zu sichern, die sie brauchen würden, um die Abstimmung wieder zu eröffnen. Wir hatten einen Tipp von einem afrikanischen Delegierten erhalten, in welches Restaurant Japan die Afrikaner in der Nacht vor der Vollversammlung zum Essen ausgeführt hatte, also folgten wir ihnen, um das zu dokumentieren. Andere NGOs folgten ihnen ebenfalls und einige gingen sogar zum Essen in das Restaurant und filmten drinnen. Nach dem Dinner brachen erstere in von Japanern betriebene Karaokeschuppen/Bordelle auf.
Einer der Haupttrümpfe, die die Japaner im Ärmel haben, ist die “geheime Abstimmung”. Sobald diese einmal beantragt und von zehn Anderen unterstützt wurde, lässt sie zu, dass niemand weiß, wie irgendwer gestimmt hat. Was den Mangel an Transparenz angeht, so eröffnet dieser der Korruption und dem Stimmenkauf alle Möglichkeiten. So müßte es laufen, oder das dachte ich jedenfalls, als ich ankam, doch das änderte sich während eines einzigen Mittagessens.
Ich wurde an einen Tisch in der Cafeteria gesetzt, als ein Delegierter aus einem bestimmten kleinen Inselstaat am Tisch Platz nahm. Wir begannen, uns über den Standpunkt seines Landes zu der Haifisch-Abstimmung zu unterhalten. Er teilte mir mit, dass er sich in einem Zusammenschluss kleiner Inseln befinde, die alle Hilfe von Japan erhalten, d.h. allen wurde gesagt, sie sollten mit NEIN abstimmen. Jedoch, erzählte er mir weiter, er hoffe, dass es zu einer geheimen Abstimmung kommen werde, damit er bei der Abstimmung seinem Herzen folgen könne. Er sagte, andere Nationen sähen das genauso. Interessant, und gewiss ein Blickwinkel, aus dem ich das noch nicht gesehen hatte. Und, wie wir später sehen sollten, etwas, das Japan und China übersehen hatten.

Die japanische und die afrikanische Delegation. Photo: Sea Shepherd

Die Japaner haben die afrikanische Delegation zum Essen ausgeführt. Photo: Sea Shepherd
Die geheime Abstimmung ist etwas, das auch von dem CITES-Sekretariat zur Kenntnis genommen wurde und John Scanlon und sein Team haben ihrer Besorgnis darüber Ausdruck verliehen, dass sie häufig dann eingesetzt wird, wenn es um Arten geht, die von kommerzieller Bedeutung sind, meistens Meerestierarten, aber auch Elfenbein und Rhinozeros-Hörner. John Scanlon und sein Team sollten für ihre Bemühungen gewürdigt werden, CITES wieder in die Spur zu bringen und es wieder zu einer ernstzunehmenden Instanz zu machen. Das ist sicher keine einfache Aufgabe, besonders, wenn einem gewissermaßen die Hände gebunden sind, doch wir hoffen irgendwie, dass wir ein wenig mitgeholfen haben.

Japan trifft sich mit dem Kongo. Photo: Sea Shepherd
Ich traf David Higgins von der Umweltkriminalitäts-Abteilung von Interpol und nahm an einem Treffen der ICCWC (der Internationalen Vereinigung zur Bekämpfung der Umweltkriminalität) teil. Ebenso habe ich wertvolle Kontakte zu Organen des Gesetzesvollzugs geknüpft. Es hatte eine gewisse Ironie, sich mit all diesen Typen von Vollstreckern der Gesetze in dem einen Raum zu treffen, wohl wissend, dass vor den Türen Bestechung und Korruption grassierten! Aber die Zeiten ändern sich und das neu eingesetzte ICCWC hat zum Ziel, die Umweltkriminalität frontal anzugreifen und sie haben mit Sicherheit den Biß dafür.
Ein weiterer großartiger Umstand, der sich aus dieser CoP ergab, waren die geknüpften Beziehungen der NGOs untereinander. Alle waren vereint gegen einen gemeinsamen Feind, und wir hatten alle unterschiedliche Rollen zu spielen. Sea Shepherd hatte, wie immer, die Rolle der Damen der Nacht in der Umweltschutzbewegung. Alle freuten sich, dass wir da waren, aber wollten nicht wirklich mit uns gesehen werden! Wir übernahmen unsere Rolle und ich wurde von den eher blitzsauberen NGOs mit gewissen Informationsfetzen versorgt, „weil das nicht wirklich etwas ist, was wir tun könnten, aber das ist exakt Euer Fall!“

Manta-Rezeption. Photo: Sea Shepherd
Dieses vereinte Vorgehen hat meines Erachtens zu dem Sieg für die Haie geführt, kein Kampf in den eigenen Reihen, alle auf das gemeinsame Ziel konzentriert und Kommunikation untereinander. Wenn wir auf eine Delegation trafen, die noch unentschlossen war, konnten wir den Grund herausfinden und sie Leuten vorstellen, die ihre Fragen beantworten konnten. Im Fall der Manta-Rochen sagten viele Delegierte, es lägen keine ausreichenden wissenschaftlichen Fakten vor, also war es von unschätzbarem Wert zur Sicherung von Stimmen, zwei der weltweiten führenden Manta-Experten, Dr. Andrea Marshall und Guy Stevens, zur Verfügung zu haben.
Jetzt ist der Morgen der Plenarsitzungen. Ich betrete die Haupthalle und genieße einen sehr erfreulichen Anblick: die zwei Kerle von Divers for Sharks (Pinguim Paolo Guilherme und José Truda Palazzo Jr. aus Brasilien) tragen beide die Jolly Roger-Shirts von Sea Shepherd, die ich ihnen gegeben habe und waren genau in der Mitte des Raums vor den Kameras der TV-Medien platziert. Ich schloss mich ihnen an, während wir angespannt auf die Ergebnisse warteten. Es lag eine elektrisierende Spannung in der Luft und als das erste Ergebnis, der Weißspitzen-Hochseehai, durchkam, fruchteten Jahre der Arbeit vieler Menschen und die Unterstützung von allen auf der ganzen weiten Welt.
Danach geschah etwas ganz Gewaltiges. Wie in einer Szene aus einem Hollywoodfilm meldeten sich die U.S.A. zu Wort. Sie verkündeten: „im Interesse der Transparenz, die U.S.A. haben mit NEIN gestimmt (zur Wiedereröffnung der Abstimmung)“. Dem folgte ein Land nach dem andern, die öffentlich erklärten, welche Stimme sie in der geheimen Abstimmung abgegeben hatten. Das ging einige Zeit so weiter, der Vorsitzende musste aus Zeitgründen tatsächlich die Delegationen auffordern, nur ihr Land und ihre Entscheidung durchzusagen.
Japan, China und Singapur hatten ihren Trumpf der geheimen Abstimmung ausgespielt, aber nicht nur ging dieser Schuß nach hinten los und eröffnete Ländern die Möglichkeit “bei der Abstimmung ihren Herzen zu folgen”, sondern auch entwickelt sich die geheime Abstimmung nicht ganz so geheim vor den Augen der Medien der ganzen Welt. Ein afrikanischer Delegierter verkündete: „ich habe bei der geheimen Abstimmung heimlich mit NEIN gestimmt“, was ihm eine Menge Applaus einbrachte. Selbstverständlich war nicht jeder mit dem Ergebnis zufrieden. Im Anschluß sagte Mr. Shingo Ota, der Sprecher des japanischen Verhandlungsteams in einem Interview mit der BBC: „es war nicht sehr erfreulich, das Beifallklatschen und hin und wieder sogar Rufe aus dem Publikum zu hören!“.
Abschließend gesehen war daher 2013 bis jetzt ein gutes Jahr für die Ozeane. Während ich bei der CITES saß und für die Haie kämpfte, machten sich unsere tapferen Crews auf den Heimweg nach Melbourne, wo ihnen ein hochverdienter Heldenempfang bereitet wird, nachdem sie erneut Japans illegalen Walfang stillgelegt und das beste Resultat aller Zeiten sichergestellt haben!
Die nächste CITES-Konferenz CoP17 wird in Südafrika stattfinden, und wir werden wieder da sein, und das in größerer Zahl, das ist sicher – KEIN KOMPROMISS!

Gary und Randall. Photo: Sea Shepherd
Quelle: Sea Shepherd