Kapitän Paul Watson antwortet der australischen Bundespolizei

Kapitän Paul Watson antwortet der australischen Bundespolizei

Auf den Erhalt einer Kopie von „Ein Gerichtsentscheid um einzugreifen” hin erhielt Kapitän Watson eine E-mail des Polizeipräsidenten Jason Byrnes von der australischen Bundespolizei:

From: Byrnes, Jason
Date: Thu, 21 Feb 2008 05:08 -0800 Msg: AMOS-115713675
Subject: AFP message to Captain Watson [SEC=UNCLASSIFIED]
To: Captain – Steve Irwin
To: Peter Garrett
Cc: AOCC-Duty-Coordinators


Kapitän Watson
Herzlichen Dank für Ihre E-mail “Ein Gerichtsentscheid um einzugreifen: Sea Shepherd beabsichtigt, australischen Bundesgerichtsentscheid durchzusetzen” vom heutigen Abend. Der Bundesgerichtshof ist besorgt hinsichtlich der Inhalte Ihrer E-mail, insbesondere in Hinblick auf Ihre geplanten Aktionen gegen japanische Walfangschiffe im Südpolarmeer.

Wie Ihnen bewusst ist, wurde die Stellungnahme der australischen Regierung zu dieser Angelegenheit von dem Ehrenwerten Stephen Smith M(inister of)P(arliament), dem Außenminister, ausgedrückt. Er stellte fest, dass „wenn es zu Aktionen im Südpolarmeer oder auf hoher See kommt, sich jeder in Zurückhaltung üben sollte und jeder sich auf eine Art und Weise zu benehmen hat, die die Sicherheit auf See als die höchste und vorrangige Überlegung voranstellt.”

Das Bundesgericht ersucht sie, die Notwendigkeit zu respektieren, einen hohen Standard der Seefahrtskunst zu praktizieren und sich an die Anforderungen der Bestimmungen der International Maritime Organisation zu halten, die von Schiffskapitänen verlangt, alle notwendigen Vorkehrungen zum Schutze des Lebens auf See* zu treffen.

Um die Position der Bundespolizei für sie und Ihre Crew klarzustellen, es gibt keinerlei Unterstützung für gewalttätige oder ungesetzliche Protestaktionen gegen die japanische Walfangflotte.

Sollten Sie irgendwelche weiteren Anfragen oder Anliegen haben oder weitere Information zur Verfügung stellen wollen, zögern Sie nicht, zu e-mailen oder anzurufen.
Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass, da ich im Schichtdienst arbeite, es vorzuziehen ist, zukünftige E-mails an die Adresse meiner Abteilung zu senden – AOCC-Duty-Coordinators@afp.gov.au Dies garantiert eine schnelle Antwort, da es sich um die Adresse handelt, die auf einer 24/7 Basis überwacht wird. Gleichermaßen ist die Telefonnummer für das Büro des diensthabenden Beamten +61 (0) 2 6126 7299.

Freundliche Grüße,
Polizeipräsident Jason Byrnes
Duty Officer
AFP Operations Coordination Centre
Australian Federal Police

Kapitän Paul Watsons AntwortAn: Polizeipräsident Jason Byrnes,Wir haben absolut keine Absicht, irgendeinen gewalttätigen Protest gegen die japanische Walfangflotte durchzuführen.

Der Bundesgerichtsentscheid war eindeutig. Die japanische Walfangflotte muss davon abgehalten werden, irgendwelche Wale in den australischen Hoheitsgewässern der Antarktis zu töten. Wir protestieren nicht gegen Walfang, wir schreiten ein, um fortgesetzte illegale Waljagdaktivitäten zu stoppen.

Die Sea Shepherd Conservation Society hat niemals einen Akt der Gewalt begangen. Wir waren immer der Durchsetzung internationalen Naturschutzrechts verpflichtet.
Wir beabsichtigen, alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen um die Sicherheit auf See zu wahren. Wir beabsichtigen ebenso, alle notwendigen Aktionen zu unternehmen, um das gesetzlose Töten der Wale zu verhüten.

Die Sea Shepherd Conservation Society appelliert an die australische Bundespolizei, einzuschreiten um den Bundesgerichtsentscheid aufrechtzuerhalten, der die gesetzlose Waljagd im australischen Walschutzgebiet untersagt.

Die Sea Shepherd Conservation Society fühlt sich nicht wohl damit, die Verantwortung für die Durchsetzung internationalen und australischen Gesetzes übernehmen zu müssen, aber das Ausbleiben der Durchsetzung durch nationale Vollzugsbehörden lässt uns keine Alternative als zu tun, was wir können, mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, das illegale Schlachten der Wale zu stoppen.

Meine Crew und ich arbeiten nicht mit irgendwelchen verdeckten Methoden. Wir übernehmen die volle Verantwortung für unsere Handlungen und wir sind bereit unsere Handlungen sowohl juristisch als auch moralisch zu verteidigen.

Gibt es hier eine Diskriminierung hinsichtlich der Durchsetzung von Gesetzen? Macht sich die australische Bundespolizei die Sorgen um die Durchsetzung NUR gegen Aktionen, die die Sea Shepherd Crew gegen die japanische Walfangflotte unternimmt?

Es scheint, dass die australische Bundespolizei unbesorgt ist über die Durchsetzung gegen gesetzlose Taten, die von der japanischen Walfangflotte begangen werden.
Ich stelle ebenso fest, dass die australische Bundespolizei unbesorgt scheint über ungesetzliche Taten der japanischen Walfangflotte im Hinblick auf uns. Japanische Walfangschiffe haben das Sea Shepherd Schiff Robert Hunter gerammt. Zwei Crewmitglieder der Steve Irwin wurden als Geiseln gehalten und es wurden Forderungen aufgestellt als Gegenleistung für ihre Freilassung. Das ist Erpressung.

Es scheint, dass die japanischen Wilderer über dem Gesetz stehen und noch Unterstützung erhalten, innerhalb der australischen Hoheitsgewässer fortgesetzt ungesetzlich zu handeln.

Ich kann der australischen Bundespolizei versichern, dass meine Crew und ich keinerlei Aktionen in Angriff nehmen werden, die einem Crewmitglied der japanischen Flotte körperliche Schmerzen oder Verletzungen zufügt. Wir halten in dieser Hinsicht einen ungebrochenen Rekord und beabsichtigen nicht, irgendetwas zu unternehmen, das einen Schatten auf diesen Rekord werfen könnte.

Wir sehen das “Ausüben von Zurückhaltung”, das vom Ehrenwerten Stephen Smith gefordert wird, so, dass es auch das Zurückhalten vom Töten bedeutet.
Der Bundesgerichtsentscheid hat ausdrücklich dazu aufgerufen, die japanischen Walfänger von weiteren illegalen Walfanghandlungen „zurückzuhalten”.**

Auf der einen Seite haben wir einen Minister der Regierung, der von unserer Seite die Zurückhaltung fordert, nicht gegen die japanische Waljagd einzuschreiten und auf der anderen Seite haben wir einen Bundesgerichtsentscheid, der fordert, die japanische Walfangflotte vom Schlachten der Wale „zurückzuhalten”.

Welche Form des “Zurückhaltens” hat Vorrang vor dem Gesetz? Hat ein Bundesgerichtsentscheid einen untergeordneten Rang gegenüber der Äußerung eines Bundesministers?

Sollte die Risikominderung unser Hauptanliegen sein oder sollte die Durchsetzung internationalen und australischen Rechts unser Hauptanliegen sein? Würde die australische Bundespolizei die Durchsetzung australischen Rechts als nachrangig betrachten gegenüber der „Risikominderung”?

Bezüglich der Anforderungen der International Maritime Organization glaube ich , dass diese unter juristischen Aspekten keine Anwendung finden für Schiffe, die als private Yachten klassifiziert sind. Dennoch ergreift die Steve Irwin sehr wohl alle Maßnahmen um die Sicherheit des Lebens auf See* zu gewährleisten. Tatsächlich gehen wir sogar noch weiter, als die IMO verlangt, weil wir alle Maßnahmen ergreifen um die Sicherheit ALLEN LEBENS auf See zu gewährleisten und das beinhaltet den Schutz des Lebens von Walen, die ungesetzlicher Weise die Ziele japanischer Waljäger sind.

Sollten Sie irgendwelche weiteren Anfragen oder Anliegen haben oder weitere Information zur Verfügung stellen wollen, zögern Sie nicht, zu e-mailen oder anzurufen. Unsere Position ist, zu kooperieren und auf alle Anforderungen der australischen Bundespolizei in Bezug auf diese Situation einzugehen.

Wir setzen uns für die Beendigung der illegalen japanischen Walfangaktivitäten in diesen Gewässern über die nächsten drei bis vier Wochen hinweg ein.

Mit freundlichen Grüßen

Kapitän Paul Watson
Master – The Steve Irwin
Master – The Farley Mowat
Founder and President of the
Sea Shepherd Conservation Society.

* International Convention for the Safety of Life at Sea [Abk.: SOLAS] , Anm.d.Ü.
** Wortspiel im engl.: „restraint”, „restrained”: zurückhalten, abhalten von; Anm.d.Ü.
Übersetzung nach bestem Wissen und Gewissen

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Eine Antwort auf Kapitän Paul Watson antwortet der australischen Bundespolizei

  1. Sabrina:-) sagt:

    Hallo zusammen,

    habe heute von Peta Post bekommen und mit Schrecken gelesen, dass das Blutbad mit den Robben schon im März beginnen soll. Anbei ist auch eine Protestkarte – gerichtet an das Konsulat von Kanada. Ferner ist in der beigefügten Zeitschrift die Adresse der Botschaft von Kanada in Berlin genannt. Thomas hatte die entsprechenden Mailadressen ja (lieben Dank hierfür) schon heute Morgen veröffentlicht.
    Falls jemand Interesse an dem Text der Protestkarte hat, bitte einfach bei mir melden:
    sabrina.wilhelm@verdi.de

    Liebe Grüße
    Sabrina:-)