Wale und Kängurus Down Under. Eine Geschichte von zwei Heuchlereien.

Original: http://www.seashepherd.org/editorials/editorial_080317_1.html

17.03.2008

Wale und Kängurus Down Under. Eine Geschichte von zwei Heuchlereien.

Kommentar von Kapitän Paul Watson

Gründer und Präsident der Sea Shepherd Conservation Society

Am Tag bevor wir Melbourne erreichten, fragte mich ein Reporter aus Japan auf meinem Schiff Steve Irwin, warum wir uns so sehr darum kümmern Wale zu retten, wenn wir jeden Tag Kängurus verspeisen.

Offensichtlich berichten die japanischen Medien, dass alle Leute, die versuchen Wale zu retten, Kängurus essen.

Natürlich ist das lächerlich und ganz besonders in Bezug auf die Sea-Shepherd-Crew. Schließlich werden an Bord der Sea-Shepherd-Schiffe weder Fleisch, Fisch noch andere tierische Produkte serviert. Aus prinzipiellen Gründen sind die Sea-Shepherd-Schiffe vegane Fahrzeuge.

Für mich ist aber nachvollziehbar, welches Netz die Japaner in ihrem Bemühen ihre illegalen Waltötungs-Aktivitäten zu verteidigen zu spinnen versuchen
Zur gleichen Zeit in der Australien Kängurus abschlachtet, verurteilt Umweltminister Peter Garrett die Japaner dafür, Wale zu töten.

Ungeachtet der Tatsache, das Kängurus eine geschützte Tierart im Sinne des Artenschutzgesetzes von 1975 sind, unterstützt der Minister das Abschlachten und sagt, das Töten erfolge auf „humane“ und „angemessene Weise“.

“Es gibt einen Riesenunterschied zwischen dem kommerziellen, angeblich “wissenschaftlichen” Walfang und Australiens wissenschaftlichem, nachhaltigem und humanen Management nichtbedrohter Kängurus, die sich in einem Gebiet zu stark vermehrt haben, damit wir seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten schützen können,“ sagte der Minister.

Es hört sich fast so an, als hätten die japanischen Walfänger und Mr. Garrett dieselbe Public-Relations-Firma engagiert. Die Japaner sagen genau dasselbe über ihr Walschlachten – das es human sei und auf angemessene Weise durchgeführt werde.

Peter Garrett handelt nicht wie ein verantwortungsbewusster Umweltminister, wenn er sagt, dass eine indigene Spezies wie das Känguru eine Bedrohung für einheimische Pflanzen und Tiere sei. Einheimische Pflanzen und Tiere werden von exotischen Arten beeinträchtigt und die Beseitigung oder Bestandsreduzierung einer indigenen Spezies kann weitreichende ökologische Konsequenzen haben.

Der wahre Grund für das Abschlachten der Kängurus liegt nach Meinung vieler Kritiker darin, dass sie Entwicklungsplänen im Wege stehen.

Es war vorherzusehen, dass das Abschlachten der Kängurus in den japanischen Medien ein großes Thema ist und sich die japanische Öffentlichkeit über das Töten empört.
Natürlich sind die Japaner Heuchler, wenn sie das australische Abschlachten der Kängurus verdammen und gleichzeitig das illegale und inhumane Abschlachten der Wale unterstützen.

Die Scheinheiligkeit der Situation wird durch die Zustimmung zum Töten von Kängurus durch Greenpeace Australien noch verschärft. Letztes Jahr hat Greenpeace Australien tatsächlich das jährliche Abschlachten von drei Millionen Kängurus an Stelle der Rinderzucht empfohlen und dabei argumentiert, Kängurus seien umweltverträglicher als Rinder. Offensichtlich ist bei Greenpeace niemand auf die Idee gekommen, dass man vielleicht weder Rind noch Känguru essen sollte. Die Greenpeace Foundation ist weiterhin gegen die vegetarische Lebensweise als einer Lösung von Umweltproblemen eingestellt, ungeachtet der Tatsache, dass die Fleischindustrie mehr klimaschädliche Gase produziert als die Autoindustrie.

Die Befürworter einer Umsiedelung der Kängurus wurden von der Regierung mit der Begründung zurückgewiesen, es sei „inhuman“ die Tiere umzusiedeln, weil eine tödliche Lösung akzeptabler sei. Mit anderen Worten: eine tödliche Lösung ist billiger.

Was hat das mit der Sea Shepherd Conservation Society zu tun, einer Organisation, die sich der Beendigung des illegalen Abschlachtens von wild lebenden Meerestieren verschrieben hat?

Die Antwort ist, das Australien all unsere Anstrengungen zum Schutz der Wale auf hoher See untergräbt, indem es den Anschein erweckt, alle Walschützer seien Heuchler.
Um es ganz klar zu machen: die Sea Shepherd Conservation Society ist und wird auch in Zukunft aktiv gegen das japanische Walschlachten im südlichen Ozean eingestellt sein.

Das Walschlachten ist gemäß internationalem Recht illegal. Das Abschlachten der Kängurus ist eher mit dem Abschlachten von Delfinen in Japan vergleichbar, wo jedes Jahr über 20.000 zusammengetrieben und abgeschlachtet werden.

Sea Shepherd schreitet gegen Walfang-Schiffe auf hoher See ein und wir sind gegen das Töten von Delfinen an japanischen Stränden eingeschritten, weil wir wild lebende Meerestiere schützen und verteidigen.

Wir nehmen nicht an Kampagnen teil, die dem Schutz von an Land lebenden Tieren dienen, aber wir unterstützen die Bemühungen derjenigen, die sich dafür engagieren, sei es zum Schutz von Bisons in Montana, im afrikanischen Busch bei der Verteidigung von Elefanten oder in Australien, um Kängurus zu schützen.

Im Jahr 1993 stand ich mit Mr. Garrett in den Straßenblockaden auf Vancouver Island um die Wälder zu schützen. Er war dort, um mit seiner Band Midnight Oil ein Gratiskonzert für die Aktivisten zu geben. Nun ganz umsonst hat er nicht gespielt, weil er von einem wohlhabenden Umweltschützer aus Tofino für seinen Auftritt bezahlt wurde, aber er war da und hat den Schutz der Wälder vorbehaltlos unterstützt.

Wer hätte gedacht, dass er mich 15 Jahre später dafür verurteilen würde Wale zu retten und ich ihn dafür kritisiere, Zellstoffwerke zu befürworten, Kängurus umzubringen und Meeresbuchten ausbaggern zu lassen. Ich habe in Mr. Garrett große Hoffnungen gesetzt, wirklich sehr große. Er war der Mann, der dazu ausersehen war, Australiens Umwelt zu retten. Er war einer von uns.

Aber im Unterschied zu ihm war es der vorherige Umweltminister Ian Campbell, der immer für ein Gespräch zur Verfügung stand. Er hat Telefonanrufe beantwortet und ist jetzt im Beraterstab der Sea Shepherd Conservation Society, weil er sich nachweislich für den Schutz der Wale eingesetzt hat. Sogar George Bush hat unsere Anliegen aufgegriffen und nicht nur unsere Briefe beantwortet sondern auch um die Inseln von Hawai herum das größte Meeresschutzgebiet der Welt eingerichtet (Ich würde ihn aber trotzdem nicht wählen, auch wenn er noch mal kandidieren könnte). Ich sage das, um es in seiner Bedeutung einordnen zu können, dass Mr. Garrett nicht ein einziges Mal zurück gerufen oder eine einzige Email bzw. einen Brief beantwortet hat. Offensichtlich betrachtet er die Sea Shepherd Conservation Society als Belästigung und einen Störfaktor.

Und darin hat er natürlich Recht. Für Politiker und Bürokraten sind wir genau das und wir haben vor, genau das zu bleiben.

Ich wünsche mir sehnlich, Mr. Garrett würde sehen, wie heuchlerisch er ist und wie die japanischen Medien seine Unterstützung der Abschlachtung von Kängurus ausnützen, um ihren Walfang zu rechtfertigen. Und als Umweltminister muss er sich daran erinnern, dass es seine Pflicht ist, die Umwelt für alle Australier zu schützen und es gibt nichts was authentischer für Australien steht als ein Känguru.

Alter Freund, lass die Kängurus zufrieden und warum tust Du nicht was Grünes fürs Land, weil in diesem Monat St. Patrick’s Day ist. Sei doch wie früher [siehe Anmerkung] und gib den Hopplern eine Chance. St. Paddy wird dich dafür lieben.

Anmerkung: Im Original: “Put out the fire in your own bed”. Möglicherweise eine Anspielung auf den Patty-Griffin-Song „You are not alone“. Der Refrain des Liedes lautet: “And she says you are not alone, Laying in the light, Put out the fire in your head, And lay with me tonight.“

Übersetzung nach bestem Wissen und Gewissen.

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Eine Antwort auf Wale und Kängurus Down Under. Eine Geschichte von zwei Heuchlereien.

  1. Monique sagt:

    Hallo!

    Es ist doch unglaublich, was für neue Geschichten erfunden werden.
    Wie ein Katz und Maus Spiel!
    Hast Du keine Ausrede, kriegste Dresche!

    Was GP angeht, so bewahrheitet es sich immer mehr, dass man eben doch nur an sich selber glauben sollte.

    LG,Monique