Stellungnahme Islands zum Walfang

Der genaue Grund der Antwort der Isländischen Botschaft in Berlin muss noch geklärt werden, aber auf jeden Fall hat Island offiziell Stellung zum Walfang genommen. Die Mail kam bei Sabrina von Migaloo.de an.

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Von: icemb.berlin@utn.stjr.is [mailto:icemb.berlin@utn.stjr.is]
Gesendet: Freitag, 20. Juni 2008 10:23
An: Wilhelm, Sabrina
Betreff: Re: Protest gegen den Walfang

Vielen Dank für Ihr Interesse an der Walfangpolitik Islands.

Wie Sie vielleicht wissen, ist Island stets für das Prinzip der
nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen eingetreten. Das zeigt sich
auch daran, dass der isländische Walfang nie eine der gefährdeten Walarten
betraf, die früher in großer Zahl durch andere Walfangnationen getötet
wurden.

Mehrere Länder fangen Wale. Die meisten davon tun dieses in wesentlich
größerem Maßstab als Island. Die größten Walfangländer unter den
Mitgliedern der Internationalen Walfangkommission sind die Vereinigten
Staaten, Russland, Norwegen, Japan und Grönland. Der von all diesen Ländern
betriebene Walfang ist ebenso wie derjenige Islands nachhaltig, legal und
in Übereinstimmung mit den IWC-Regeln.

Island ist sich voll und ganz der Notwendigkeit bewusst, die
Meeresressourcen sorgsam zu erhalten. Unsere Wirtschaft hängt von diesen
Ressourcen ab. Island gehörte zu den ersten Ländern der Welt, die 1975 ihre
Fischereigrenzen auf 200 Seemeilen ausdehnten, um den unkontrollierten
Fischfang durch Schiffe anderer Länder in den Gewässern um Island zu
beenden.

Island war auch eines der ersten Länder, die beim Walfang auf den
Artenschutz achteten. Als am Anfang des vorigen Jahrhunderts Anzeichen
einer Übernutzung der Walbestände durch andere Nationen sichtbar wurden,
verbot 1915 Island den Fang großer Wale um Island. Abgesehen von
beschränkten Fängen in den Jahren 1935 ? 1939 wurde der Walfang erst 1948
wieder aufgenommen. Von 1948 bis 1985, als der kommerzielle Walfang gemäß
einem Beschluss der IWC eingestellt wurde, galten in Island für den Walfang
strenge Regeln und Beschränkungen.

Island ist davon überzeugt, dass der Walfang nicht als Ausnahme vom Prinzip
der nachhaltigen Nutzung von Meeresressourcen behandelt werden sollte. 2003
bis 2007 wurde ein Forschungsplan zu Zwergwalen eingeführt, der den Fang
von insgesamt 200 Tieren vorsah, um die Rolle der Zwergwale im Ökosystem
besser zu verstehen. Dabei wurde wichtiges Material gesammelt, das nun von
Wissenschaftlern untersucht wird, um unsere Kenntnisse über die Position
der Zwergwale in der Nahrungskette und darüber zu vermehren, wie sie andere
Arten in ihrem Habitat jagen und sich auf deren Bestand auswirken.

Der kommerzielle Walfang wurde 2006 wieder aufgenommen. 7 Finnwale und 1
Zwergwal wurden für kommerzielle Zwecke in diesem Jahr gefangen. Zusätzlich
wurden 60 Zwergwale in der Übereinstimmung mit dem wissenschaftlichen
Forschungsplan gefangen. Im folgenden Jahr wurden 44 Zwergwale im Rahmen
des kommerziellen Walfangs und des wissenschaftlichen Forschungprogramms
gefangen. Für das Jahr 2008 wurde eine Quote von 40 Zwergwalen für den
kommerziellen Walfang festgelegt. Das wissenschaftliche Forschungsprogramm
wird nicht weiter fortgesetzt. Es wurde keine Fangquote für Finnwale für
dieses Jahr festgelegt.

Der Überschuss von sowohl Zwergwalen als auch von Finnwalen wurde durch die
wissenschaftlichen Ausschüsse der Internationalen Walfangkommission IWC und
der Kommission für Meeressäugetiere im Nordatlantik NAMMCO bestätigt, wie
man den Webseiten www.iwcoffice.org und www.nammco.no entnehmen kann.

Island setzt sich für internationale Zusammenarbeit bei der Sicherung der
nachhaltigen Nutzung lebender Meeresressourcen einschließlich der Wale ein.
Dieses ist die von Island eingenommene Position in der IWC, gestützt auf
die Internationale Konvention für die Regelung des Walfangs von 1946. Nach
ihrer Gründungsvereinbarung hat die IWC ausdrücklich die Aufgabe, ?für den
effektiven Schutz der Walbestände zu sorgen und auf diese Weise die
geordnete Entwicklung der Walfangindustrie zu ermöglichen?.

Ich hoffe, dass diese Informationen Ihnen dabei helfen, Islands Position in
Bezug auf nachhaltigen Walfang zu verstehen. Sie können versichert sein,
dass der Wunsch, den Schutz der Walbestände um Island und anderswo zu
gewährleisten, von der isländischen Regierung voll und ganz geteilt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Botschaft von Island

Informationen über den Umgang mit den lebenden Meeresressourcen Islands
finden Sie im Internet unter: www.fisheries.is
Informationen über verschiedene Forschungsprojekte zu Walen und anderen
Meeressäugetieren im Nordatlantik findet man auf der Website des
isländischen Meeresforschungsinstituts: www.hafro.is sowie auf der Website
der Kommission für Meeressäugetiere im Nordatlantik: www.nammco.no
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7 Antworten auf Stellungnahme Islands zum Walfang

  1. ThomasBuiter sagt:

    Island erdreistet sich wirklich seine Politik in Sachen “Verwertung der Meere” als nachhaltig zu bezeichnen. Denn nicht anderes betreibt Island. Sie versuchen auf Kosten der Natur einen möglichst hohen Nutzen aus den Meeren zu ziehen. Minkwale (Zwergwale) und Finnwale als “überschüssig” zu bezeichnen ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Kämpfers für die Meere. Wie kann man bitte versuchen zu vermitteln, dass die ohnehin überfischten Meere nun einen Überschuss an Walen haben? Wie kann Island es wagen, Lebewesen als “überschüssig” zu betiteln. Wenn ich etwas als überschüssig ansehe, dann Politiker, die den Walfang weiterhin als angemessen betrachten.

    Liebe Grüsse

    Thomas

  2. Sabrina:-) sagt:

    Hallo zusammen,

    ich möchte zu der Antwort der isländischen Botschaft kurz mitteilen, dass mir nicht genau bekannt ist, ob die Antwort auf Grund der über 900 gesammelten und übersandten Unterschriften zzgl. Protestbrief an die Botschaft oder auf Grund einer Online-Aktion erfolgte.

    Gruß
    Sabrina:-)

  3. ThomasBuiter sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich nehme Bezug auf eine eMail, die mit dem Einverständnis der Botschaft von Island veröffentlicht wurde (http://blog.migaloo.de/2008/06/20/stellungnahme-islands-zum-walfang/).

    Ich bin wirklich entrüstet wie leichtfertig Island mit dem Thema Meeresschutz umgeht. Mir ist durchaus bewusst, dass Island auf die Resource Meer angewiesen ist aber unsere Meere werden zu stark ausgebeutet. Auch Island kann sich bemühen sich zu ändern, aber diese Bemühung sehe ich bei einem Kommentar wie von der Botschaft in Berlin nicht.
    Daher nochmal meine konkrete Frage: Warum braucht Island Walfleisch?

    Mit freundlichen Grüssen

    Thomas Buiter
    http://www.migaloo.de
    PS: Ich werde meine Mail und die eventuelle Antwort von Ihnen veröffentlichen, sofern keine explizite Verweigerung von Ihrer Seite dazu kommt.

  4. Manuel sagt:

    Hallo Zusammen,

    Ich habe, unabhängig und als Einzelkämpfer, der isländischen Botschaft eine Protestmail geschickt, in der ich darauf aufmerksam mache, dass ich mit meiner 5-köpfigen Familie NICHT nach Island reisen werde um dort einen 3-wöchigen Urlaub zu verbringen. Der gebuchte Urlaub wurde von mir, nachdem ich die schrecklichen Infos über Islands Walfangpolitik, erhielt, gecancelled. Resultat: 4000 Euro zurück! Machen jetzt woanders Urlaub wo diese grossartigen Tiere mehr geachtet werden.

    Wie dem auch sei: Ich habe auf meine email genau die gleiche Mail erhalten, wie die von Euch eingestellte. Es handelt sich also um eine Massenmail um die Leute klein zu halten.

    Ich habe daraufhin eine weitere mail geschickt mit der Bitte um eine persönliche Stellungnahme, ansonsten sehe ich mich gezwungen diese Ignoranz an der öffentlichen deutschen Meinung über den Walfang den deutschen Medien mitzuteilen.

    Will keep you posted.

    Manuel

  5. Yoshimo sagt:

    @ Manuel:

    Da werden den Verantwortlichen in der “Rauchbucht” jetzt aber die Knie schlottern!

    Kein deutschsprachiges Massenmedium wird sich für deine aus Protest abgesagte Urlaubsreise interessieren. (Wie man für 3 Wochen Island pauschal 4.000 € bezahlen kann, ist mir im Übrigen schleierhaft…)

  6. Sabrina:-) sagt:

    Hallo Manuel,

    ich hatte mir schon gedacht, dass es sich um eine Massenmail handelt, da es ja keine persönliche Anrede gibt. Danke für die Info, dass Du die gleiche Antwortmail bekommen hast; ich werde das in meiner – noch ausstehenden Antwort – entsprechend berücksichtigen.

    Gruß
    Sabrina:-)

  7. Manuel sagt:

    @ Yoshimo:

    Es stellt sich weder die Frage, ob die Verantwortlichen in der Rauchbucht mit den Knien schlottern noch ob 4000 € für einen Island-Urlaub zuviel, zu wenig oder gar unmöglichen sind. Wichtig ist der Effekt, DASS eine solche Nachricht im entsprechenden Konsulat eingeht und dann (wie mir später vom Konsulat bewiesen wurde) auch an die Faeroer Inseln Regierung weitergeleitet wird.

    Dem Abschlachten von Meeressäugern, aber auch Haien und Schildkröten kann nicht mit Vernunft und Bildung entgegnet werden. Dafür ist in diesem Geschäft zuviel Geld zu verdiehnen. Es geht um Dollars und eine ganz einfache Kosten-Nutzen Rechnung:

    Wird es wirtschaftlich zu teuer bzw. zu unattraktiv Wale, Delfine, Haie, Schildkröten oder Robben zu jagen und abzuschlachten, dann wird es auch keiner tun.

    Sprich: Wenn Walfänger und Ihre Schiffe nur noch damit beschäftigt sind zu fliehen, können sie keine Wale jagen. Können sie keine Wale jagen, so verbrennen sie teuren Diesel für nichts. Resultat: Sie kehren mit 50,60,70,150 Millionen Dollar Verlusten in den Hafen zurück. Das machen die 2 oder 3 oder vielleicht auch 4 Saisons und dann fangen die Shareholder an nervös zu werden, denn sie sehen ihre Investitionen davonschwimmen.

    Genauso kann es in Norwegen, Island und Dänemark laufen. Wenn Leute, wie ich, gezielt dort keinen Urlaub machen und dies mit einem Geldwert darlegen, kann sich jeder Skandinavier den individuellen finanziellen Verlust ausrechnen. Und dieser kann immens sein, wenn die Menschen konsequent sind – so wie viele, die ich kenne. Aber einfach aus diesen Ländern fernbleiben und sich in Schweigen zu hüllen offenbart nicht den Grund des rückläufigen Tourismus. Daher die Mail n das Konsulat/die Botschaft.

    Hoffe, die Erklärung reichen Yoshimo aus ;-)

    Beste Grüße,
    Manuel