Die Welt im Jahr 2108

Original: http://www.seashepherd.org/editorials/editorial_080707_2.html

07/07/2008

Die Welt im Jahr 2108

Kommentar von Captain Paul Watson

Gründer und Präsident der Sea Shepherd Conservation Society

Kürzlich bin ich gefragt worden, wie meiner Ansicht nach die Welt im Jahr 2108 aussehen werde. Die Frage sollte herausfinden, ob ich ein Optimist oder ein Pessimist bin.

Tatsächlich bin ich weder Optimist noch Pessimist. Ich bin ein Ökologe und das bedeutet, dass ich die Welt durch die Augen der ökologischen Gesetzmäßigkeiten betrachte und ich versuche, das so objektiv wie möglich zu tun. Ich habe in die ökologischen Gesetzmäßigkeiten Vertrauen und ich glaube, dass diese Gesetze sicherstellen, dass dieser Planet weitere Milliarden Jahre auf sich selber aufpassen wird, so wie er das bereits einige Milliarden Jahre getan hat.

Tatsächlich amüsiert mich die Hysterie von der globalen Erwärmung und dem Klimawandel in gewisser Weise. Als Umweltschützer habe ich über dieses Problem bereits vor 30 Jahren gesprochen und geschrieben. Natürlich sind meine Auffassungen damals genauso abgetan worden wie andere ökologisch realistische und vernünftige Stimmen.

Damals schien es mir einleuchtend zu sein, dass es zu ernsten ökologischen Konsequenzen führen würde, wenn wir weiterhin so viel Kohlenstoff in die Atmosphäre pumpen würden, wie wir es bereits über ein Jahrhundert lang getan hatten.

Gegenwärtig beträgt die Menge an Kohlenstoff, die jährlich durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen in der Form von Kohlendioxid frei gegeben wird, ungefähr 5,6 Milliarden Tonnen. Weitere 2 bis 3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff werden durch Abholzung frei. Und durch die Agrarwirtschaft werden noch mal 1,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben. Im Augenblick enthält die Atmosphäre 750 Milliarden Tonnen Kohlenstoff und weitere 2000 Milliarden Tonnen sind in organischen Materialien auf oder unter der Erdoberfläche und in den Meeren gespeichert.

Durch die Fotosynthese an Land werden jährlich 100 Milliarden Tonnen Kohlenstoff absorbiert. Vor der Industrialisierung war die Menge an Kohlenstoff, die durch lebende Organismen an Land und in den Meeren absorbiert wurde, ziemlich genau gleich der Menge, die durch lebende Organismen frei gesetzt wurde. Die Spezies homo sapiens hat das geändert, indem sie jährlich ungefähr 3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff mehr freisetzt, als zur Zeit absorbiert werden können.

Steigt die Temperatur um lediglich 1 Grad Celsius, steigt die Abgabe von Kohlenstoff um 30% bis 40%. Die Absorption wird dagegen um keinen nennenswerten Prozentsatz verändert. Wenn sich also die Atmosphäre erwärmt, dann wirkt sich das beschleunigend auf die Klimaerwärmung aus und das Schmelzen der Gletscher und der Eiskappen wird diesen Prozess noch einmal zusätzlich ankurbeln.

Hinzu kommt, dass die Erwärmung der Atmosphäre die Dichte von Wasserdampf in der Atmosphäre erhöht. Wasserdampf gehört zu den stärksten Treibhausgasen und die Zunahme der Dichte von Wasserdampf wird den Erwärmungsprozess neben den anderen Faktoren ein weiteres Mal beschleunigen.

Weil die Biota, das sind alle nichtmenschlichen Organismen, abnehmen, vermindert sich die Absorptionsrate ein zusätzliches Mal, was dazu führt, dass eine noch größere Menge von Kohlenstoff frei gesetzt wird.

Die Abnahme der Biomasse ist daher ein wesentlicher Faktor für die globale Erwärmung.

Unsere gegenwärtige Situation ist deshalb so alarmierend, weil wir uns an der Schwelle von einer Periode relativ langsamer Klimaerwärmung zu einer Periode mit beschleunigter Erwärmung befinden. Das Leben kann sich langsamen Veränderungen der Umweltbedingungen anpassen, hat aber größere Schwierigkeiten, sich schnellen Veränderungen anzupassen. Mit anderen Worten, es gibt nur wenig Zeit für Übergänge und was normalerweise in einem Jahrtausend oder mehreren Jahrhunderten geschehen würde, wird nun innerhalb von Jahrzehnten stattfinden.

Die Freisetzung von Kohlenstoff durch die Abnahme von Biomasse aufgrund erhöhter Temperaturen wird schon bald die durch fossile Brennstoffe verursachte Freisetzung übertreffen. Das Verbrennen fossiler Brennstoffe war schlicht und einfach der Auslöser für eine noch weitaus gewaltigere Freisetzung von Kohlenstoff, der in Form von Vegetation oder lebenden Organismen gespeichert war. Erhöhte Temperaturen werden zu mehr Waldbränden, mehr Missernten sowie veränderten Meeresströmungen mit einem dadurch verursachten massiven Planktonrückgang führen. Andere Faktoren sind Ozonabbau und Versauerung der Ozeane.

Die Viehwirtschaft ist für 18 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich und darin sind 9% Kohlenstoffdioxid und 37% allen freigesetzten Methans sowie 65% aller Lachgasemissionen enthalten.

Der Verzehr eines Steaks trägt mehr zur globalen Erwärmung bei als das Fahren mit einem Auto.

Methan und Lachgas sind Anlass für größte Sorge. Methan trägt 23-mal mehr und Lachgas 296-mal mehr zur globalen Erwärmung bei als CO2.

Die meisten Gase, die in Zukunft durch höhere Temperaturen und das Abtauen des Permafrostes freigesetzt werden, bestehen aus Methan und Wasserdampf.

Obwohl die meisten Leute nach wie vor keine Ahnung von Gaias organischer Chemie haben, ist die Welt aufgewacht und hat entdeckt, ja, es gibt ein Problem der globalen Erwärmung, und es ist lustig anzusehen, wie überrascht alle darüber sind.

Inzwischen ist es natürlich zu spät irgendetwas daran ändern zu wollen. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich jedermann auf der Welt entscheiden würde nicht länger Auto zu fahren, nicht länger ein Flugzeug zu benutzen und nicht länger so weiter zu machen wie bisher – die globalen chemischen Reaktionen, die wir vor Jahrzehnten in Bewegung gesetzt haben, lassen sich nicht aufhalten. Der Verbrennungsmotor, das Vieh und das Konsumverhalten haben das Schicksal der Zivilisation, wie wir sie heute kennen, besiegelt.

Trotz der Zeichen an der Wand fahren wir dennoch damit fort mehr und mehr Verbrennungsmotoren herzustellen, noch mehr Vieh aufzuziehen und immer noch mehr materielle Güter zu kaufen. Wie der Dichter Leonard Cohen einst schrieb: „Wir sind in unserem Leiden eingekerkert und unsere Begierden sind das Schloss.”

Als Spezies sind wir Junkies des Materiellen, gefesselt an Öl, Fleisch und Luxuswaren. Seien wir ehrlich: ein einfaches Leben führende, fahrradfahrende Veganer werden immer noch als Sonderlinge betrachtet, wo sie doch ein Vorbild für uns allen sein sollten. [Anm.d.Ü.: Grösste amerikanische Ernährungsorganisation: Veganismus ist gesund. Quelle:  http://www.umweltjournal.de/fp/archiv/AfA_naturkost/8149.php]

Aber zurück zur Frage, wie die Welt im Jahr 2108 aussehen wird.

Eines ist sicher, es wird eine radikal andere Welt sein als heute.

Wir werden die Grenzen der Belastbarkeit seit langem erreicht haben und Ressourcen wie Öl werden selten und andere, einst im Überfluss vorhandene, erschöpft sein.

Die drei grundlegenden Gesetze der Ökologie sind 1) das Gesetz der Vielfalt, Ökosysteme brauchen eine Vielfalt an Spezies um gesund zu sein, 2) das Gesetz der gegenseitigen Abhängigkeit, Spezies sind aufeinander angewiesen, und 3) das Gesetz der begrenzten Ressourcen, der Grenzen der Belastbarkeit und der Wachstumsgrenzen.

Wachstumsgrenzen sind vorhanden, weil es Belastungsgrenzen gibt. Wenn wir Belastbarkeit von anderen Spezies stehlen, tragen wir zur Auslöschung von mehr und mehr Arten bei und das Verschwinden oder die Verminderung von anderen Spezies untergräbt die Vielfalt und zerstört das Abhängigkeitsgeflecht.

Die Naturgeschichte hat seit Jahrmillionen bewiesen, dass eine Spezies, die die Belastungsgrenzen überschreitet, untergehen wird. Wenn eine der Arten von denen wir stark abhängig sind, wie zum Beispiel Bienen, Weizen, Reis, usw. verschwindet, dann werden unsere Kulturen untergehen.

Die Erhaltung der Vielfalt ist eine der wichtigsten Verantwortungen, die wir haben, weitaus wichtiger sogar als die Heilung von Krebs, aber für die Arterhaltung wird lediglich 1% jedes gespendeten Dollars aufgewendet. [Anm. d. Ü.: Die biologische Vielfalt unseres Planeten ist von 1970 bis 2005 um 27 Prozent zurückgegangen. Quelle: Presseportal]

Die menschlichen Völker fahren fort zuzunehmen und die Zahl der Menschen auf der Erde nähert sich sieben Milliarden Vor 50 Jahren waren es lediglich 3 Milliarden. Weil die Mehrheit dieser sieben Milliarden unter 35 Jahre alt und demnach im fortpflanzungsaktiven Alter ist, heißt das, dass sich die weltweite Population im Jahre 2058 auf 14 Milliarden verdoppeln könnte und wiederum auf 28 Milliarden im Jahr 2108.

So weit wird es natürlich nicht kommen, weil wir die globale Belastungsgrenze bereits überschritten haben. Jede einzelne Form der kommerziellen Fischerei steht vor dem Zusammenbruch, wir haben den Gipfel der möglichen Ölförderungsmenge erreicht und ohne Öl für künstliche Düngemittel und den Transport wird die weltweite Nahrungsmittelproduktion sinken.

Seltsamerweise sagt die Bibel die Werkzeuge der ökologischen Apokalypse voraus. Die vier apokalyptischen Reiter stehen für Hungersnöte, Seuchen, Krieg und zivile Auseinandersetzungen und Aufruhr.

Wir, die wir heute leben, haben gerade die Zeit der zwei wohlhabendsten Generationen in der Geschichte der Welt durchlebt. Die materialistische Orgie, die wir von 1945 bis heute erlebt haben, steht kurz vor ihrem Ende.

Mit dem Müll unseres exzessiven Lebensstils haben wir unzählige Mülldeponien angehäuft, wir haben den Ozeanen das Leben entrissen und es durch Plastik und Chemikalien ersetzt. [Anm. d. Ü.: Allein zwischen Kalifornien und Hawaii befindet sich inzwischen ein schwimmender Teppich aus Plastikabfall, der die Größe Westeuropas erreicht hat. Quelle: Spiegel ] Kurz gesagt führt eine Kombination von steigenden Bevölkerungszahlen und abnehmender Belastungsfähigkeit zu einem ökologischen Kollaps.

Was bedeutet das?

Kurz gesagt, nichts erfreuliches. Es bedeutet eine Abfolge von Ereignissen, die zu einem Zusammenbruch der Belastungsfähigkeit führt, d. h. dem Verschwinden von Ressourcen von denen wir abhängig geworden sind.

Wenn wir steigende Meeresspiegel und veränderte Wetterbedingungen sowie die Möglichkeit, oder besser gesagt die Zwangsläufigkeit des Zusammenbruchs des atlantischen Golfstromes hinzuzählen, dann werden die Probleme progressiv ansteigen.

Innerhalb von zwei Jahrzehnten werden wir die Vernichtung der Fische in den Ozeanen abgeschlossen haben. Um die Ressourcen der Antarktis wird es Kriege geben und Kriege um Wasserressourcen werden Kriege um Öl ersetzen.

Kriege mit Völkermorden werden auf dem ganzen Globus losbrechen, einfach deshalb, weil homo sapiens immer noch ein primitiver Hominide und schnell bei der Hand ist, die Schuld an jeder Einschränkung anderen Menschengruppen unterschiedlicher Kultur oder Rasse unterzuschieben. Religionskriege werden um sich greifen, weil versucht werden wird, der ökologischen Realität durch einfallsreiche anthropozentrische Himmelsschloss-Fantasien zu entfliehen. Wenn die Energieressourcen zusammenbrechen, geschieht gleiches mit dem Transportwesen, was das Ende des globalen Dorfes bedeutet und das Aufkommen von Stammesgesellschaften fördert. Stammesgesellschaften werden zu territorialen Konflikten und zahlreichen kleinen Kriegen mit Völkermorden führen.

Irgendwann in den nächsten 50 Jahren kommt es zum Verlust einer oder mehrerer für uns lebenswichtigen Arten – und dadurch wird der Zusammenbruch jeglicher Humanität eskalieren. Wenn die Honigbiene verschwunden ist, wird die Landwirtschaft vernichtet. Wenn einige Weizen- und Reissorten aufgrund von Pflanzenfäule nicht mehr vorhanden sind, hat das eine weltweite Hungersnot zur Folge und die Menschen werden um Kartoffel- und Rübenfelder kämpfen. Viren, die ihren Wirt verloren haben, werden sich nach neuen Wirten umschauen und die Menschheit wird ein verlockendes Ziel für diese Überlebenskünstler sein.

Es wird hässlich werden, sehr hässlich sogar.

Unwahrscheinlich? Unrealistisch?

Gehen wir ins Jahr 1908 zurück. Wenn ich damals gesagt hätte, dass das kommende Jahrhundert zwei abstoßend geisteskranke Weltkriege erleben würde, Konzentrationslager, Killerepidemien, die Atombombe, den Gaskrieg, Selbstmordattentäter, AIDS und George W. Bush, dann hätte mir damals auch niemand geglaubt.

1908 war ein Zeitalter der Unschuld, das 1914 mit dem Ausbruch des “Krieges zur Beendigung aller Kriege” und dem Entfesseln der Dämonen aus der industrialisierten Hölle dank der Hilfe böser Geister von der Sorte der Krupp, Nobel, Mitsubishi, Ford, Hitler, Oppenheimer und Teller zertrümmert wurde.

Ja, es gab auch gute Dinge die geschehen sind. 1908 konnten Frauen in den meisten Ländern nicht wählen und Rassismus wurde als etwas natürliches und akzeptables angesehen. Einige Dinge haben wir inzwischen kapiert aber insgesamt gesehen haben wir eher gelernt, effizienter zu töten, unbarmherziger zu unterdrücken und die Natur raffgieriger auszubeuten.

Es mag seltsam klingen, aber ich sage voraus, dass das Jahr 2108 für die Überlebenden unserer Spezies keine schlechte Zeit sein wird, um auf diesem Planeten zu leben. Mit einer auf weniger als eine Milliarde reduzierten Gesamtpopulation wird es dann nur noch die Möglichkeit geben, sich an eine Welt ohne Verbrennungsmotor, Vieh und Konsumverhalten anzupassen.

Ich sehe eine Welt, die der Welt von 1808 nicht unähnlich ist, mit lokaler Energie, die durch Windmühlen generiert wird, und einem primären Transportwesen, dass von Pferden, Fahrrädern, Fesselballonen und Segeln bereit gestellt wird, sowie mit kleineren Siedlungsgemeinschaften, wobei die meisten Leute aufgrund des gestiegenen Meeresspiegels höchstwahrscheinlich gezwungen sein werden, in höher gelegenen Gegenden und in kühleren, unterirdischen Behausungen zu leben, und es dadurch der Natur möglich machen, sich an der Oberfläche mit Arten zu regenerieren, die sich an wärmere Temperaturen anpassen.

Ohne dieselbetriebene für die industrialisierte Ausbeutung geschaffene Schiffe werden die Reste der überlebenden Fischpopulationen wieder anfangen zu gedeihen. Hoffentlich gibt es dann noch Wale, Delfine, Meeresschildkröten, Haie und Meeresvögel und mit der Zeit werden sie die Meere wieder bevölkern.

Die Menschen werden gezwungen sein, ein einfacheres Leben zu führen – ohne Düsenflugzeuge, Autos oder Traumschiffe. Aber ein Teil unseres heutigen Wissens wird erhalten geblieben sein und wir werden vielleicht immer noch in der Lage sein, mit wind- und solarbetriebenen Computern in einem Internet-System global zu kommunizieren. Wenn wir intelligent genug sind, sind wir vielleicht in der Lage, ein zentrales Lager wertvoller fossiler Treibstoffe einzurichten, das es uns erlaubt, damit fortzufahren, Satelliten für eine globale Kommunikation und Navigation im Weltraum zu stationieren.

Die Menschen werden ungläubig auf die Verschwendung fossiler Brennstoffe für Plastiktüten, Spielsachen und Vergnügungsfahrten in Autos oder Schiffen zurückschauen.

Ich sehe eine grünere Zukunft mit Menschen, die ein einfacheres, weniger stressvolles Leben führen und sich die Künste des Segelns, Schmiedens, Schreinerns und Mauerns erneut aneignen.

Wir werden immer noch Kriege gegeneinander führen weil wir eine gewalttätige Spezies sind, aber die Kriege werden mit einfacheren Waffen auskommen.

Es wird immer noch Depots mit nuklearen Waffen und, dort wo früher Nuklearanlagen standen, unbetretbare Gegenden geben, aber mit der Zeit werden sie sich wie der Müll unseres vergangenen Fehlverhaltens auflösen. Diese Gebiete werden immer noch gefährlich sein und für einige Zeit so bleiben. Aber Tschernobyl hat gezeigt, dass sich das Leben anpasst.

Die Bedrohung der globalen Erwärmung wird bis 2015 für eine starke Zunahme von Atomkraftwerken sorgen, aber wenn die Verknappung fossiler Energieträger den Abbau und die Verarbeitung von Uran nicht länger möglich macht, werden sie ihren Betrieb im Jahr 2025 einstellen. Tatsächlich verbraucht die Uranbereitstellung mehr Energie als ölbetriebene Generatoren. Um eine Unze Uranbrennstoff herzustellen, werden über zweitausend Tonnen Uranerz benötigt.

Wenn wir Glück haben, werden Pferde überlebt haben und Kühe nicht. Hoffentlich wird sich die Welt an einen umweltfreundlicheren vegetarischen Speiseplan anpassen. Die Menschen werden sich an ein einfacheres Leben ohne maßlosen Konsum gewöhnen müssen.

Der Schlüssel zum Erhalt der Zivilisation ist es, das Beste zu bewahren und das Schlechteste aufzugeben. Kunst und Musik werden überleben, auch wenn die Musik eine akustische sein wird und fahrende Musikanten die Rockstars ersetzt haben werden. Das Theater wird überleben, aber Filme und Fernsehen höchstwahrscheinlich nicht. Radio könnte das vorherrschende Medium einer Massenkommunikation sein, die von Wind und Sonne angetrieben wird.

Wind, Sonne und eine solide Naturschutzethik werden alle benötigten Energieressourcen bereit stellen. Unentbehrliche Maschinen wie Pumpen oder kleine elektrische Geräte wird es weiterhin geben.

Die Überlebenden im Jahr 2108 werden auf den Reichtum kollektiven menschlichen Wissens jederzeit zugreifen können. Bibliotheken werden weit verbreitet sein und große Universitäten werden durch kleine Colleges ersetzt sein, die Wissen und praktische Technologien in den Vordergrund stellen.

Ein massiver kopfloser Konsum wird in einer solchen Zukunft keinen Platz haben. Alle Bedürfnisse werden vom lokalen Gemeinschaftsmarkt gedeckt.

Die großen Strukturen der Vergangenheit, die Einkaufszentren und andere Einrichtungen mit massiver Infrastruktur werden verfallen. Sie werden für praktische Bedürfnisse ausgeschlachtet werden. Anschließend werden Zeit und Erosion die Narben der Vergangenheit beseitigen.

Männer und Frauen werden wieder in der Lage sein, den Planeten zu Fuß und mit Segeln, mit Ballonen und Fahrrädern zu erkunden. Fahrrad- und Segeltechnologien werden wachsen und gedeihen. Die Welt wird überdeckt sein mit Millionen kleiner Windmühlen, die Wasser pumpen, Getreide mahlen, kleine Maschinen betreiben und Energie bereit stellen.

Der Planet wird leiser und friedvoller sein und wir werden wieder hören, wie die Vögel singen und der Wind durch die Blätter streift.

Unsere Prominenten werden Schriftsteller und Dichter sein, Musiker und Künstler, Entdecker und Philosophen.

Ich glaube, dass die Zukunft eine positive sein kann, obwohl die Geburtsschmerzen einer solchen Zukunft außerordentlich brutal sein werden und für etwa 50 Jahre wird die Humanität unter den Auswirkungen des Zusammenbruchs leiden, während die Menschen bemüht sein werden, sich anzupassen und zu überleben. Milliarden werden durch Hunger, Krieg, zivile Aufstände und Seuchen sterben.

Nur wenige Prozent der Menschen, die in den nächsten 30 Jahren geboren werden, werden im Jahr 2108 am Leben sein. Die Welt von 2108 wird den Kindern der Überlebenden gehören, die am Ende des 21. Jahrhunderts auf die Welt kommen werden. Hoffentlich wird die Welt auch Überlebenden anderer Arten gehören und mit Glück werden wir nicht mehr als die Hälfte vernichtet haben.

Wir haben bereits in früheren Zeiten überlebt. Die großen Seuchen vor über 800 Jahren haben mehr Menschen getötet als überlebt haben und die Überlebenden gingen daraus stärker hervor und waren fähig, künftigen Seuchen zu widerstehen. Es wird auch Menschen geben, die den Plagen des 21. Jahrhunderts widerstehen werden und sie überleben.

Hoffentlich werden die anthropozentrischen Religionen nicht mehr vorhanden sein. Diese auf perverse Weise ignoranten Ideen sind in erster Linie dafür verantwortlich, wo wir heute stehen – die Ideen, dass wir anderen Lebewesen überlegen sind und wir die absolute Herrschaft über alles ausüben dürfen und dass am Ende alles egal ist, weil wir alle in ein Fantasieland im Himmel eingehen.

Wenn wir als Spezies überleben wollen, dann müssen wir die Vielfalt des Lebens in unsere tägliche Realität einbeziehen und wir müssen in Einklang mit den Gesetzen der Ökologie leben und dass wird heißen, die Vielfalt zu beschützen, die gegenseitige Abhängigkeit anzunehmen und die Begrenztheit der Ressourcen sowie die Grenzen des Wachstums zu akzeptieren.

Vielleicht müssen wir in unserer Zahl zurecht gestutzt werden um diese Lektion lernen zu können und nicht ähnlichen Unsinn wieder zu versuchen.

Es kann natürlich auch sein, dass unsere Spezies das nächste Jahrhundert nicht überleben wird, aber eines ist sicher: die Erde wird fortbestehen. Sie hat schon immer und sie wird es immer und das gegenwärtige gewaltige Artensterben, das sechste in der gesamten Geschichte dieses Planeten, wird im Verlauf der nächsten 10 bis 20 Millionen Jahre durch einen Heilungsprozess der Regeneration abgelöst werden.

Eines weiß ich ganz sicher, auch in vielen zehn Millionen Jahren wird dieser Planet immer noch wie ein blau-weißer Edelstein vor dem Dunkel der Ewigkeit scheinen, und es ist dieses Bild, das mir Zuversicht und meinen Optimismus gibt.

Denn alle von uns werden für immer Teil dieses großartigen kreisenden Felsens sein, diesem sonnenbeschienenen Wunder des Lebens im äußeren Arm dieser herrlichen Galaxie innerhalb des großen Mysteriums des unendlichen Universums.

2108 – ich bedauere, dass ich nicht erleben werde, wie die Welt dann aussehen wird, aber ich beneide diejenigen unserer Art, die überleben werden, und ich hoffe nur, dass diese zweite Chance, die Zivilisation wieder zu errichten, erfolgreicher sein wird als die letzte.

Die anthropozentrische Zivilisation ist fast gestorben – lang lebe die biozentrische Zivilisation von morgen.

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7 Antworten auf Die Welt im Jahr 2108

  1. andreas sagt:

    Bravo Paul!

    Ich habe jedoch die Befürchtung, dass sich das rasante Tempo des Artensterbens und der Verlust der Biodiversität schon viel früher bemerkbar machen wird. Bei dem momentanen Tempo von etwa 150 Tier- und Pflanzenarten, die wir an einem einzigen Tag vernichten, sind das mehr als 50 000 im Jahr. Im Jahre 2108 wären das bis dahin 5,4 Mio. – gleiches Tempo vorausgesetzt. Da es aber viel zu wenige Bemühungen gibt, das Tempo zu verlangsamen (es schadet ja den Arbeitsplätzen, der Wirtschaft und dem Wachstum), wird es sich noch beschleunigen! Was auch kaum Berücksichtigung findet, ist die Abhängigkeit der Arten untereinander! Auch durch die globalisierten Handelswege gerät die jeweils heimische Artenwelt durcheinander. Diese Millionenzahlen an niemals wiederkehrenden Arten können deshalb durchaus multipliziert werden. Niemand weiß, wie viele Arten es heute gibt. Schätzungen reichen von 1,5 Millionen bis zu über 117 Millionen. Man weiß noch nicht einmal genau, wie viele Orchideenarten es weltweit gibt.
    Wer glaubt, was macht es denn schon viel aus, wenn ein paar Arten fehlen werden, der irrt. Nimmt man aus einer Kette ein paar Glieder heraus, dann ist die ganze Kette wertlos.
    Ich fürchte, das Paul in seinem Blick in die Zukunft gar in manchen Punkten sogar zu optimistisch ist.

  2. Sabrina:-) sagt:

    Mein erster Kommentar:

    wow !!!

    Gruß
    Sabrina:-)

  3. Michael Mittelstädt sagt:

    Und nun? Beruhigt warten, bis uns endlich die Welt um die Ohren fliegt, weil danach ein glückliches ländliches Leben mit einem Bruchteil der heutigen Menschen und ohne Technik ausbricht?

    “Ich sehe eine grünere Zukunft mit Menschen, die ein einfacheres, weniger stressvolles Leben führen und sich die Künste des Segelns, Schmiedens, Schreinerns und Mauerns erneut aneignen.”

    “Wir werden immer noch Kriege gegeneinander führen weil wir eine gewalttätige Spezies sind, aber die Kriege werden mit einfacheren Waffen auskommen.”

    “Männer und Frauen werden wieder in der Lage sein, den Planeten zu Fuß und mit Segeln, mit Ballonen und Fahrrädern zu erkunden. Fahrrad- und Segeltechnologien werden wachsen und gedeihen. Die Welt wird überdeckt sein mit Millionen kleiner Windmühlen, die Wasser pumpen, Getreide mahlen, kleine Maschinen betreiben und Energie bereit stellen.”

    Diese “Zukunftsanalysen” von Paul Watson findet man auch in einigen Science Fiction-Romanen.

    Sorry, aber solche Abhandlungen mit Träumen von einer weitgehend mensch- und technikbefreiten Welt und einfachem Leben bringen nichts voran und lösen keines der heutigen Probleme.

    Es gibt auch nicht nur kritikwürdige menschliche Verhaltensweisen, sondern auch viele gute Ideen, Engagement, tolle Leistungen und Mitmenschlichkeit.

    Im übrigen schon mal darüber nachgedacht, wie solche “Die Katastrophe ist nicht aufhaltbar”-Gedanken auf junge Menschen wirken?

    Michael

  4. andreas sagt:

    Uih…waren hier zuletzt nicht viel mehr Kommentare?

  5. ThomasBuiter sagt:

    Hallo Andreas,

    ja waren es. Ich habe nun das Schreiben von Kommentaren auf EInzelgenehmigung gestellt, da ca. 200 SpamKommentare pro Tag reinhageln. Ich werde sobald ich aus Frankreich zurueck bin, werde ich schauen wie ich das Problem in den Griff bekomme. Es tut mir wirklich leid, dass ein paar dumme ********* uns versuchen den Blog zu versauen. Ich arbeite bereits an Loesungen.

    lG

    Thomas

  6. Jan sagt:

    Noch eine Ergänzung: Auf 3SAT lief heute (25.08.2008) nano mit einem Beitrag, in dem der Plastikmüll-Teppich vor Hawaii und der Mageninhalt von dort verendeten Vögeln zu sehen war. Weil bis vor kurzem praktisch alles, was auf dem Wasser schwamm, verdaut werden konnte, fressen viele Meeresvögel auch alles was schwimmt. Plastik ist aber unverdaulich und bleibt in größeren Stücken für alle Zeit im Magen zurück, was dazu führt, dass die Vögel regelrecht verhungern obwohl ihr Magen voll ist. In der Sendung wurde auch gezeigt, dass inzwischen ca. 10% des Sandes an Englands Stränden aus feingemahlenem Plastik besteht. Kein Mensch weiß, was das noch für Folgen haben wird. Schaut mal genau hin, wenn ihr das nächste Mal am Meeresstrand seid. Das ist alles Wahnsinn.