Operation Musashi – Die vollkommen mögliche unmögliche Mission

Original: http://www.seashepherd.org/editorials/editorial_080721_1.html

Operation Musashi – Die vollkommen mögliche unmögliche Mission

Kommentar von Captain Paul Watson

Gründer und Präsident der Sea Shepherd Conservation Society

Kann eine kleine Handvoll Freiwilliger die größte Walfangflotte der Welt erledigen?

Die Antwort lautet: ja.

Wir haben die mächtige japanische Walfangflotte in den Seilen und alles was wir noch tun müssen ist, ihr den K.O.-Schlag zu versetzen.

Die japanischen Piratenwalfänger sind stark angeschlagen. Sie stehen mit über 50 Millionen Dollar in der Kreide und wir haben sie im dritten aufeinanderfolgenden Jahr davon abgehalten, ihre Fangquote zu erfüllen.

Während unserer ersten Kampagne 2005/2006 haben wir die Flotte 3500 Meilen Richtung West die antarktische Küste entlang gescheucht. Obwohl wir durch ein langsameres Schiff benachteiligt waren, haben wir sie dreimal gestellt und sie weiter in die Flucht getrieben. Wir sind mit ihrem Versorgungsschiff zusammen gestoßen und haben sie gezwungen nach Japan zurück zu kehren. Am Ende der Fangsaison hatten die Walfänger 83 Wale weniger getötet als geplant. Wir haben ihre Fangzahl um 10% reduziert.

Wir wussten, dass wir für 2006/2007 ein schnelleres Schiff brauchten. Ein weiteres Problem war, dass unser Schiff, die Farley Mowat, in Südafrika durch den Druck der Regierungen von Japan und Kanada unter Arrest gestellt worden war.

So begann die unmögliche Mission Operation Leviathan. Während ich den Globus nach einem schnelleren Schiff absuchte, hat Captain Alex Cornelissen es auf geschickte Weise verstanden, die Farley Mowat aus Kapstadt heraus zu bringen, indem er den Hafen heimlich um 3 Uhr morgens völlig abgedunkelt hinter einem Frachter herfahrend verlies. Anschließend konnte sie der Südafrikanischen Marine ausweichen und in den Indischen Ozean entkommen.

Nach dieser waghalsigen Flucht durchfuhr die Farley Mowat extrem schlechtes Wetter bis sie den befreundeten Hafen von Freemantle in Westaustralien erreichte, wo das Schiff und die Crew als Helden empfangen wurden und Bürgermeister Peter Tagliaferri uns die Würde zuteil werden lies, Freemantle zu unserem Ehrenhafen zu erklären.

Inzwischen hatte ich ein Schiff in Malta besichtigt, das aber zu teuer war. Im Juni hatte ich in Trinidad ein zweites Schiff ausgemacht, aber nachdem wir zwei Wochen lang auf einen Kauf hingearbeitet hatten, mussten wir vom Erwerb absehen, weil der Eigner des Schiffs in illegale Aktivitäten verstrickt war.

Während sich die nächste Walfangsaison schnell näherte, fanden wir das perfekte Schiff schließlich im Oktober in Edinburgh, Schottland. Es war die Westra, ein außer Dienst gestelltes Patrouillenboot der Schottischen Fischereibehörde. Dank des Bankdarlehens eines sehr loyalen und großzügigen Förderers konnten wir das Schiff in der ersten Novemberwoche kaufen. Mitte November war das Schiff im Trockendock und am 5. Dezember eilte die Westra, die jetzt Robert Hunter hieß, den ganzen Atlantischen Ozean entlang nach Süden, durch die Magellan-Straße und erreichte schließlich die Ross-See am 19. Januar 2007.

Ich verlies Melbourne mit der der Farley Mowat und traf die Robert Hunter in der Ross-See, wo unsere Crew auf der Robert Hunter in nur zwei Tagen eine Hubschrauber-Landeplattform bauten.

Es war nicht leicht. Die japanischen Regierung hatte die kanadische Regierung gedrängt, uns die Flagge zu entziehen. Wir registrierten uns nun in Belize, aber innerhalb von neun Tagen mussten wir auch diese Flagge einholen, allerdings nicht bevor wir es geschafft hatten, Tasmanien nach Süden Richtung antarktische Küste zu verlassen.

Zusammen jagten die beiden Schiffe nach Süden und stellten die japanische Flotte zweimal.

Dann geschah an Bord des japanischen Fabrikschiffes Nisshin Maru ein Unfall – ein Feuer tötete ein Crew-Mitglied und richtete großen Schaden an.

Die japanische Walfangflotte war gezwungen sich nach Japan zurück zu ziehen mit weniger als der Hälfte ihrer Fangquote. Mehr als 500 Wale wurden verschont.

Die japanische Regierung war wütend und zwang die Britische Registratur die Registrierung der Robert Hunter zu widerrufen und lies uns ohne Heimatflagge.

Schnell registrierten wir unsere zwei Schiffe nun unter der Niederländischen Flagge, einer Nation, die nicht dafür anfällig ist, dem Diktat Japans oder anderer Piraten-Walfangstaaten zu unterliegen.

Im Juni 2007 vertraute ich die Farley Mowat Captain Cornelissen an, damit er sie zu den Galapagos Inseln und anschließend nach Island überführte, wo im Rahmen der Operation Ragnarok gegen die illegalen isländischen Walfangoperationen eingeschritten werden sollte.

Die Robert Hunter blieb in Melbourne, um sie auf eine Rückkehr in die Walschutzgebiete im Dezember vorzubereiten.

Erneut standen wir vor der Herkulesaufgabe, an Spenden für die nächste Kampagne zu gelangen.

Ungefähr zu der Zeit, als die Farley Mowat die Galapagos Inseln erreicht hatte, entschied sich Island seine Walfang-Operationen abzusagen, und die Farley Mowat konzentrierte sich darauf, illegale Langleinen zu konfiszieren, gegen Haiwilderer einzuschreiten und die Pläne einer Firma namens „Planktos” zu verhindern, die vor den Galapagos Inseln Eisenstaub im Ozean verklappen wollte.

In diesem Sommer untersuchten und beschlagnahmten wir von Wilderern und Schmugglern in Ekuador 45.000 Haiflossen und über 100.000 Seegurken.

Der Präsident von Ekuador zeichnete mich mit dem Amazon Friedenspreis aus und die Haiflossen-Mafia aus Manta, Ekuador, setzte auf den Sea Shepherd Galapagos Direktor Sean O’Hearn und mich ein Kopfgeld aus. O’Hearn wurde gezwungen, sein Amt aufzugeben, und einer der uns unterstützenden Polizeioffiziere schickte mir eine kugelsichere Weste.

Bis zum Jahresende musste Planktos seine Pläne aufgeben. Captain Alex Cornelissen übernahm die Position des Sea Shepherd Direktors für die Galapagos Inseln und ich stand bereit, das Steuer der Robert Hunter zu übernehmen, um in einer Kampagne, die wir Operation Migaloo nannten, die Rückreise in die Antarktis anzutreten.

In einer Geste, die der verstorbene Robert Hunter befürwortet hätte, wurde das Schiff in Steve Irwin umbenannt, um die Leidenschaft der Australier gegen den illegalen Walfang aufzugreifen und auf das Symbol aller australischen Wale hinzuweisen – Migaloo, den viel geliebten weißen Buckelwal, von dem die Japaner sagen, sie würden ihn harpunieren, wenn sich ihnen die Chance böte.

Am 5. Dezember nahmen wir Kurs nach Süden auf, nachdem Teri Irwin das Schiff offiziell auf Steves Namen getauft hatte. Mit an Bord war eine Filmcrew von Animal Planet um mit der Arbeit an einer Serie zu beginnen, die Whale Wars heißt.

Es war ein langes, gefährliches und erfolgreiches Unternehmen, in dessen Verlauf die Steve Irwin in drei Abschnitten 22.000 Meilen zurück legte und der Japanischen Walfangflotte in der enormen Weite des weit entfernten und unvorhersehbaren Südlichen Ozeans hinterher jagte. Wir enterten ein Fangschiff und lösten einen internationalen Zwischenfall aus, der Schlagzeilen auf der ganzen Welt machte. Am wichtigsten war, dass wir die Walfang-Operationen soweit unterbinden konnten, dass die Tötungsquoten der Walfänger wieder nicht erreicht wurden.

Statt 50 Buckelwale fingen sie keinen einzigen. Von den Finnwal-Quote wurde nicht einer gefangen. Von ihrer Quote an Zwergwalen fingen sie 582. Wir haben die Leben von 522 Zwergwalen und insgesamt 622 Wale aller Arten gerettet.

Für die japanische Walfangflotte war das ökonomisch und was Public Relations anbelangt eine Katastrophe und ihre Frustration zeigte sich, als sie drei Blendgranaten warfen und auf unsere Crew schossen, wobei mich eine Kugel in die Brust traf und eine Blendgranate Kameramann Ashley Dunn auf das Deck warf.

Glücklicherweise blieb das Geschoss in meiner kugelsicheren Weste stecken und die Konfrontation endete ohne ernsthafte Verletzungen.

Wir haben festgestellt, dass wir sie finden und ihr Unternehmen zum Erliegen bringen konnten. Unser einziger Nachteil war die Notwendigkeit des Nachtankens. Man braucht ungefähr 10 Tage um zum Hafen zurückzukehren, einige Tage zum Nachtanken und um sich wieder mit Proviant einzudecken und weitere 10 Tage um zur Flotte zurückzukehren.

Wenn wir in zweites Schiff hätten, könnten wir ihre Pläne zu 100% verhindern.

Und das ist im Augenblick die unmögliche Mission. Wir können und werden mit der Steve Irwin im Dezember in das Walschutzgebiet im Südlichen Ozean zurückkehren. Jetzt besteht die Aufgabe darin, ein zweites schnelles Schiff zu finden und zu kaufen, das die Steve Irwin entlastet, wenn sie gezwungen ist, einen Hafen zum Nachtanken anzulaufen.

Gegenwärtig arbeiten wir auf das Ziel hin, mehr Mittel zum Kauf eines zweiten Schiffes einzuwerben. Außerdem brauchen wir Spenden um zwei Schiffe betanken, ausrüsten und vorbereiten zu können.

Wir haben keine Probleme damit, Besatzungen für die Schiffe zu finden. Wir werden mit Bewerbungen geradezu überschüttet. Das ist eine Erleichterung, weil wir jetzt in der Lage sein werden, die Crews aus vielen Individuen mit vielen Fähigkeiten und Qualifikationen zusammen zu stellen. Unsere letzte Kampagne wurde durch einige Aussteiger und zaghafte Typen beeinträchtigt, die nicht verstanden zu haben schienen, dass es eine seltene Form von  Leidenschaft und Mut erfordert, um ein Sea Shepherd Crewmitglied sein zu können. Wenn jemand nicht dazu bereit ist, sein Leben für die Verteidigung eines Wales aufs Spiel zu setzen, dann gehört er nicht in unsere Crew. Und auch wenn jemand gar nicht erst versteht, warum wir danach fragen, gehört er nicht in unsere Crew.

Ich bin der Überzeugung, dass es weitaus nobler und wertvoller ist, wenn man Risiken auf sich nimmt, um bedrohte Arten zu schützen, als wenn man sein Leben aufs Spiel setzt, um Immobilien, Geld oder Ölfelder zu verteidigen – und Menschen die letzteres tun, werden Orden angesteckt!

Wir kämpfen für das Leben, für die Vielfalt und für die Zukunft der Menschheit und aller Lebewesen und meiner Meinung nach ist das die letztendliche Rechtfertigung, um dem Unheil entgegen zu fahren.

Damit kommen wir zur Operation Musashi.

In Japan ist Miyamoto Musashi eine Legende und ich habe den Namen ausgewählt, weil Musashi über die Strategie des zweifachen Weges mit Schwert und Stift geschrieben hat. Mit anderen Worten, Musashi wusste, dass es zusätzlich zum aggressiven Einschreiten notwendig ist, zu kommunizieren und zu unterrichten.

Zum ersten mal überhaupt ist der illegale japanische Walfang im letzten Jahr in Japan in die Schlagzeilen geraten. Der Grund dafür war, dass unsere dramatische und aggressive Taktik Nachrichtenwert hatte, und das ermöglichte es uns, den Nachrichten über das Abschlachten der Wale Botschaften anzuheften.

Das brachte uns in Japan Unterstützung von japanischen Bürgern ein, die die Waltötungspolitik ihrer Regierung ablehnen.

Unser Einschreiten ist das Schwert direkter Aktion und die Medien sind der Stift und deshalb ist unsere Vorgehensweise genau das, was Musashi im Sinn hatte.

Vor wenigen Jahren haben uns alle gesagt, dass bei einem Kampf gegen die japanische Walfangflotte das Scheitern garantiert sei – die unbarmherzigen Verbrechen im Südlichen Ozean würden von Yakuza kontrollierten Gewerkschaftsmitgliedern begangen, aus denen sich die Mannschaften auf den großen mitleidlosen Killermaschinen zusammensetzten. Die Nisshin Maru sei ein ungeheurer Waltodesstern. Die mörderischen Verbrechen der Walfänger fänden in einem riesigen Gebiet eisberggespickter, gefrorener und sturmgebeutelter feindlicher See statt. Wir hätten kein Geld. Wir hätten keine Schiffe. Mit anderen Worten, nur ein Narr könne daran denken, sich ohne ausreichende Ressourcen auf ein Unternehmen in feindlichen Gewässern einzulassen, dass in seiner Sinnlosigkeit einem Vorhaben von Don Quijote gleich komme.

Aber ich erinnere daran, was mir vor einiger Zeit mein Freund Martin Sheen gesagt hat: “Aussichtslose Fälle sind die einzigen Fälle für die es sich lohnt zu kämpfen.”

Genug Menschen haben mich bis zu dem Punkt einen Narren genannt, an dem ich ihnen zustimmen musste, und gerade deshalb war mein Entschluss, den Pfad eines Narren wie Don Quijote zu betreten, um in einer hoffnungslosen Mission die Unschuld und das Leben zu verteidigen, offen gesagt, sehr reizvoll.

Und nun hat unsere hoffnungslose und unmögliche Mission eine so große Wirkung entfaltet, dass ich glaube, dass wir diesen Krieg gewinnen und die kriminellen Walfänger aus dem Walschutzgebiet im Südlichen Ozean vertreiben können.

Zweifellos sind wir ihnen moralisch überlegen. Die japanischen Walfänger haben es auf bestandsgefährdete und wehrlose Wale in einem Walschutzgebiet unter Verletzung internationalen Rechts und dem internationalen kommerziellen Walfangmoratorium abgesehen. Sie sind sadistische Mörder, die sich mit der japanischen Yakuza in einer Industrie eingelassen haben, die keine Ehre hat und für das Wohlergehen des japanischen Volkes keine Bedeutung spielt.

Wir fahren fort, Leben zu verteidigen und zu beschützen. Wir haben noch nie irgendjemanden verletzt. Wir sind so gewaltlos, dass unsere Schiffe vegan sind. Wir sind noch nie irgendwo auf der Welt für ein Schwerverbrechen verurteilt worden. Auf unseren Schiffen sind Freiwillige, die ihr Leben riskieren, um Leben zu verteidigen.

Die japanische Regierung kann uns Ökoterroristen und Piraten nennen bis der Fujiyama zu Staub zerfallen ist, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass wir für Leben kämpfen und sie für Profite töten.

In diesem Fall tragen die guten Piraten schwarz und unser Jolly Roger ist ein Symbol der Hoffnung für die Wale und für den Schutz unserer Ozeane. Wir sind als Piraten des Mitgefühls und des Lebens in eine Schlacht gezogen, um die Piraten der Gier und des Todes zu überwältigen und zu besiegen.

Woody Allen hat einmal gesagt, dass 90% des Erfolgs darin bestünden, sich lediglich sehen zu lassen. In diesem Fall hat er absolut Recht. Wir müssen uns nur hinter dem Schwanz der japanischen Flotte sehen lassen, sie belästigen und gegen ihr Töten einschreiten. Wir müssen sie niederringen, indem wir sie zwingen, jedes Jahr finanzielle Verluste zu erleiden, bis sie so verschuldet sind, dass sie aufgeben müssen.

Wir können und wir werden den Waltodesstern zerstören. Wir haben vor, die japanische Walfangflotte zu versenken – ökonomisch. Ohne eine Person zu verletzen können wir ihr Unternehmen in den Bankrott stürzen und dadurch das Töten beenden.

Ihre Investitionen in unsere Operationen haben und werden Ergebnisse zeigen.

Was ist Ihnen das Leben eines Wales wert?

Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung für meine Crew und mich werden mit dem Geschenk des Lebens für die Wale und dem Geschenk der Hoffnung für das künftige Überleben unserer Ozeane zurückgezahlt.

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Eine Antwort auf Operation Musashi – Die vollkommen mögliche unmögliche Mission

  1. Unser Beitrag, viel Glück!!!

    info@botschaft-japan.de

    Mr. Takashi Teraoka,

    stops the whale slaughter in
    the antarctis on 30.11.08!!
    This is a criminal action and offends
    against
    the international moratorium of the IWC and
    the international law of the see!!!

    We support the operation
    \”Musashi\” from sea shepherd
    against the japanese whalers!

    Yours sincerely