Die Katzen fressen unsere Ozeane leer

Original: http://seashepherd.org/editorials/editorial_080828_1.html

Kommentar von Kapitän Paul Watson
Gründer und Präsident der Sea Shepherd Conservation Society

Seit Jahren berichte ich über die unglaubliche Verschwendung an Meerestieren zur Fütterung von Nutztieren.

Da Fische an Nutztiere gefüttert werden, sind Schweine und Hühner zwei der bedeutentsten Beutetiere der Meere.

Während weltweit die inkompetenten Regierungsbürokraten der Fischerei jammern, dass Robben, Delfine, Wale und Meeresvögel die ganzen Fische fressen, werden gesamte Populationen von diversen Meeresarten an Zuchthühner und -schweine gefüttert oder werden benutzt um Lachs in viel zu kleinen Wasser-Konzentrationslagern großzuziehen.

Aber es gibt noch ein weiteres Beutetier der Meere, welches auf dem Festland lebt – die gefräßige Hauskatze!

Diese Woche wurde von Dr. Giovanny Turchini und Professor Sena de Silva von der Deakin University in Australien eine Studie veröffentlicht, welche meine eigenen Berichte unterstützt: Hauskatzen fressen mehr Fische als viele Arten von Robben.

Laut dieser neuen Studie werden weltweit jedes Jahr 2.48 Millionen Tonnen Fisch von der Katzenfutterindustrie verwendet.

Die Kegelrobbe konsumiert vergleichsweise lediglich 314000 Tonnen Fische pro Jahr. Die Sattelrobben, welche von der kanadischen Regierung als gefräßiger Fischfresser dämonisiert wurde (wer hätte gedacht, dass sie Fische fressen), vertilgt laut der Regierung 890000 Tonnen Lodden, 186000 Tonnen Polardorsche, 37000 Tonnen Kabeljau und 350000 Tonnen Sandaale. Sattelrobben kommen insgesamt auf 1.393000 Tonnen Fisch pro Jahr. Gemeinsam kosumieren Sattelrobben und Kegelrobben insgesamt 1.7 Millionen Tonnen Fisch, also 780000 Tonnen weniger als Hauskatzen.

Alleine in Australien verspeist die durchschnittliche Hauskatze 13.7 Kilogramm Fisch jährlich. Der durchschnittliche Australier verzehrt im Vergleich nur etwa 11 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte pro Jahr. Alleine Katzen fressen mehr Fisch als Menschen.

Am häufigsten werden für Katzenfutter Sardinen, Herringe, Sardellen und Lodden verwendet. Dies ist poblematisch, da diese Fisch die Basis der Nahrungskette darstellen und somit von großer Bedeutung für sowohl größere Fische wie Kabeljau, Thunfisch und Schwertfische als auch für Meeressäugetiere und Meeresvögel sind.

Dieselben Fische werden in riesigen Mengen gefangen und an Zuchttiere und Lachs verfüttert. Weiters werden diese Fische zur Produktion von Fischöl und sogar Dünger verwendet.

Diese kleinen Fische sind überlebensnotwendig für größere Fische, Meeresvögel und Meeressäugetiere. Da sie in so großen Mengen getötet werden, gibt es nun in der Fischerei eine Krise.

Das Vernichten der kleine Fische für die Produktion von Fischmehl, Katzenfutter und Fischöl ist eines der schlimmsten Verbrechen der verantwortungslosen Fischereiindustrie.

„Während häufig kritisiert wird, dass vor allem in ärmeren Ländern die kleinen Fische zur Nahrung für Menschen verwendet werden sollten, wird nur selten beachtet in welch großen Mengen diese Fische von der Tierfutterindustrtrie verwendet werden,“ sagte Dr. Giovanny Turchini.

„Das Halten von Haustieren wird weltweit immer beliebter. Die Tierfutterindustrie erweitert ständig die Produktion und das Marketing für ihre verbesserten Produkte. Dieses Gourmet-Tierfutter beinhaltet einen großen Anteil an Fisch, welcher direkt zum menschlichen Verzehr verwendet werden könnte. Stattdessen könnten andere Rohmaterialien, welche für Menschen unbrauchbar sind wie beispielsweise Nebenprodukte der Fischfiletindustrie, für Tierfutter verwendet werden.“

Dr. Turchini glaubt die geschätzte Anzahl an kleinen Fischen, die von der Tierfutterindustrie verwendet wird, ist groß genug, um endlich eine bitter notwendige Debatte und weitere Investigationen in diesem Bereich auszulösen. Eine Kontrolle ist auch in anderen Sektoren notwendig, in welchen Fische zur Produktion von Tiernahrung verwendet werden. Beispiele hierfür sind die Pelztierzucht, Futter für Zierfische, Köder zum Freizeitfischen und Köder für die kommerzielle Flusskrebsindustrie.

Das Hauptproblem liegt nicht in der Befürwortung von Tierfutter gegen die Zucht von Wassertieren oder andere Tätigkeiten im Bereich der Tierhaltung, sondern in der Notwendigkeit eines objektiveren und pragmatischeren Zugang zum Verbrauch einer schwindenden Resource zum Wohl der Menschen.“

Das ist Dr. Turchinis Meinung. Ich glaube, dass die Fischereiindustrie kleine Fische in Ruhe lassen muss, um größere Fische, Meeressäugetiere und Meeresvägel zu unterstützen. Fisch ist noch nicht einmal ein natürliches Futter für Katzen und Gourmet-Fischfutter ist schlussendlich eine lächerliche Extravanganz. Lachshaltung ist eine unglaubliche Verschwendung von Fischen aus dem Ozean und das Füttern von Fisch an Schweine und Hühner ist die verantwortungsloseste Verwendung von lebenigen Resourcen.

Diese Fischereiindustrien sind ökologisch kriminell und wollen nun aus Zooplankton eine Proteinpaste für die Tierhaltung erzeugen. Gemeinsam mit unseren Haustieren essen wir Menschen wortwörtlich das Unterstützungssystem der Ozeane und in Zukunft wird die Menschheit bitter für diese ökologische Ausbeutung bezahlen müssen.

Den Robben die Schuld in die Schuhe zu schieben ist sowohl ökologisch arrogant als auch ignorant.

Dennoch würde niemand auf die Idee kommen kleine Kätzchen so totzuschlagen wie es mit den Babyrobben gemacht wird. Die Rufe der Empörung und des Entsetzens wären enorm, wenn sich das jemand trauen würde. Und dennoch verwöhnen wir eine Tierart mit Fisch obwohl sie auf natürlichem Wege keinen Fisch essen würde, während wir den Schädel einer anderen Tierart einschlagen, obwohl sie mit Fischen in Harmonie lebt und mit ihnen eine gesunde Beute-Beutetier-Beziehung hat.

Robben halten die Fischpopulation in Schach was wiederrum die Fischpopulation der größeren Fische reguliert. Die Sattelrobbe jagd zum Beispiel Lodden und Makrelen, welche sich von jungem Kabeljau ernähren. Wenn es weniger Robben gibt, hat das zur Folge dass es mehr Lodden gibt und das bedeutet, dass mehr Kabeljau gefressen wird. Robben verbreiten auch Nährstoffe im Meer in Form von Fekalien, Nachgeburten und ihren eigenen toten Körper. Hauskatzen haben absolut keine positiven Effekte auf das Ökosystem des Meeres. Ihr einziger Beitrag besteht aus schädlichen Bakterien und Viren aus ihren Fekalien, welche über das Wassersystem ins Meer gelangen. Dennoch verurteilen die Regierung und Fischereien Robben, während sie Millionen von Fischen fangen, um sie an die Katzen zu füttern.

Die Robben müssen Arbeit leisten, um zu überleben. Die Hauskatze hingegen muss nichts tun, um eine Mahlzeit zu bekommen außer als Zierde der menschlichen Eitelkeit zu dienen.

Jede Person, die ihren Katzen Fisch füttert, nimmt Teil an einem ökologischen Verbrechen. Jede Person, die ihren Katzen Gourmet-Fisch füttert, zeugt von ökologischer Ignoranz und ist entsetzlich.

In unseren Ozeanen werden Robben geschlachtet, Papageitaucher verhungern und Meeresvögel verschwinden; die Ozeane verwandeln sich vor unseren Augen in leblose Wüsten.

Alleine in den USA plündern mehr als 85000 Fischerboote die Ozeane und stehlen Leben vom Untergrund, von der Oberfläche und von den mittleren Wasserschichten. Sie drehen Steine um, zerstören Korallen und schwächen die Gebilde, die kleineren Fischen Schutz bieten. Die Lebewesen in useren Ozeanen haben aufgrund der Ausrüstung, der langen Leinen, der Fallen, der Netzte, der Grundschleppennetzfischer und der Gifte kaum Überlebenschancen.

Sogar die tropischen Korallenfische sind nicht in Sicherheit, da sie massenweise aus dem Meer gezogen werden, um die heimischen Aquarien zu schmücken. Diese Fischer ziehen sie häufig mit Bleichmittel heraus und töten viele von ihnen in diesem Prozess.

Raytheon besitzt eine spezielle Maschine um Fische zu finden, ganz nach dem Motto „Fische können davonschwimmen, aber sie können sich nicht verstecken“.

Die Industrie scheint stolz darauf zu sein, dass sie die Fähigkeit haben die Fische unserer Ozeane ausrotten.

Wenn wir es nicht einmal schaffen aufzuhören unseren Katzen Fisch zu füttern, wie sollen wir dann jemals die Zerstörung der Ozeane stoppen?

Ich wuchs in einem Fischerdorf auf. Ich ernährte mich von Fischen, Hummer, Muscheln, Jakobsmuscheln, Austern und sogar Seealgen. Jetzt esse ich keine Fische oder Meeresfrüchte mehr. Ich betrachte es als ein ökologisches Verbrechen, weil ich sehe, wie sie weniger und weniger werden und wie sich das Ökosystem von bunt und lebhaft in leblos entwickelt hat. Es entsetzt mich, dass wir so unsensibel und so ökologisch dumm sein können.

In dieser Woche habe ich beim Fischmarkt in meiner Gegend vorbeigeschaut. Sie hatten Pantagonischen Zahnfisch, eine gefährdete Art, die es dennoch noch zu kaufen gibt. Der billigste Fisch waren die auf Farmen gezüchteten Freak Fische gekennzeichnet durch ihre künstliche Farbe und ihr wässriges, kränkliches Fleisch. Es gab auch falsche Krabbenbeine, welche aus Seelachs gemacht werden und mit Hilfe von chemischen Farben und Düften zu Krabbenbeinen mutiert werden. Auch gab es Oktopus und verschiedenste Muscheln und Austern. Die Leute bezahlten $20 für eine kleine Packung rohen Thunfisch für Sushi und der Schwertfisch und Haifisch waren mit Quecksilber verunreinigt.

Wenn man diesen Fischmarkt betrachtet, könnte man meinen, es gäbe noch keinen Mangel an Fischen. Es wird alles gemacht um diese Regale zu füllen: Es gibt die größte Angriffsflotte mit über zwei Millionen Schiffen und Booten, die jeden Tag die Ozeane verwüsten und vergewaltigen und wortwörtlich das Leben aus dem Meer saugen. Von jedem Hafen der Welt starten diese Boote und setzen ihre Massenvernichtungswaffen ein. Diese bestehen aus Treibnetzen, Taschennetzen, Schleppnetzen, Langleinen und anderen Leinen und manchmal werden die Fische mit Hilfe eines Vakuums direkt aus dem Meer gesaugt.

Dieser Armada geht von riesigen millionenteuren Fischdampfern über Schiffe mit Taschennetzen bis hin zu alterschwachen Booten mit Langleinen und rostigen Haken die von leeren Bleichmittelflaschen getragen werden.

Diese Art von gnadenloser Jagd und Zerstörungswut würde nie toleriert werden, wenn wir sie mit ländlichen Säugetieren verwenden würden. Verächtlich bezeichnen wir Giraffenfleisch, Elefantenfleisch, Gorillafleisch und Nilpferdfleisch als „Buschfleisch“ und verurteilen die Afrikaner im Kongo, welche dieses Fleisch essen, als Mitschuldige für das Verschwinden der afrikanischen Tierwelt.

Die großen Raubtiere wie Thunfisch, Haie, Schwertfische und Mahi Mahi sind nichts anderes als „Wasserbuschfleisch“.

Einen Löwen zu jagen und schlachten ist nichts anderes als einen Hai zu jagen und zu schlachten. Einen Elefanten in der Savanne Afrikas zu schlachten ist nicht anders als der Mord eines Thunfischs im Nordatlantik.

Wenn arme Afrikaner eine Giraffe töten um sie zu essen, beklagen wir uns während wir einen Schwertfisch oder einen Thunfisch in der Sushibar verspeisen.

Diese Art von Verfremdung ist sehr typisch für unser westliches Empfinden und sie zeigt, dass wir uns von unserem unterstützenden Ökosystem völlig entfremdet haben.

Die Evolution des Lebens im Meer wird stark von der raschen Einführung der auf dem Festland lebenden Wasserbeutetieren wie dem Schwein, dem Huhn, der Hauskatze und dem Menschen beeinflusst.

Diese neuen Beutetiere haben einen chaotischen Angriff auf das Meeresleben gestartet, was zur Folge hat, dass die Artenvielfalt im Meer rasch schwindet. Wir essen wortwörtlich unsere Ozeane bis zum ökologischen Kollaps.

Man kann sich nur schwer vorstellen, dass ein süßes kleines Kätzchen, welches genüßlich eine Gourmet-Thunfisch-Mahlzeit verspeist, zur Zerstörung des Lebens im Meer beiträgt. Aber die Realität ist, dass sowohl Katzen als auch Menschen, Schweine und Hühner in gefährlichem Ausmaß Leben aus dem Meer konsumiert.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Sea Shepherd News abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.