Sea Shepherds Scott West sorgt für Aufruhr

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/news-081106-1.html

Donnerstag, November 06, 2008

Sea Shepherds Scott West sorgt für Aufruhr

Der pensionierte EPA-Ermittler lässt EPA und Justice Department auffliegen.

Erst einen Tag bei der Arbeit und schon sorgt Sea Shepherds neuer Chef-Ermittler und Geheimdienstler für landesweite Meldungen. Die Steine, die er losgetreten hat, werden noch auf der Anhörung vor dem US-Kongress für Furore sorgen.

Der frühere Sonderbeauftragte der Strafverfolgungsbehörde der Environmental Protection Agency (EPA), Scott West (50), trat letzte Woche nach 21 Jahren als US-Bundesagent in den Ruhestand.

Am 3. November veröffentlichte dann der Fernsehsender KING 5 Seattle eine Geschichte, die Scott schon seit langer Zeit hatte erzählen wollen. Sie geht auf ein Ereignis vom 6. März 2006 zurück, als eine britische Ölpipeline brach und sich zehntausende Gallonen Rohöl in die Tundra Alaskas ergossen. Dies war die größte Ölkatastrophe Alaskas seit Exxon-Valdez.

Scott West leitete damals die Ermittlungen. Es war ein bedeutender Fall, bei dem mit harten Strafen gegen die Verantwortlichen gerechnet wurde. Doch dann wurde Scott unerwartet vor das Justice Department in Anchorage zitiert, wo man ihn mit einer unerwarteten Mitteilung überraschte. Scott wurde darüber informiert, dass er und sein Team entlassen würden. Die Untersuchung wurde beendet und BP wegen eines minderen Delikts zu einem Bußgeld von 20 Millionen Dollar verurteilt.

“Ich habe noch nie erlebt, wie das Department of Justice eine Ermittlung dieses Stellenwertes mit einer solchen Eigendynamik abbrach.”, gab West zu verstehen.

Als Scott West von KING 5 News interviewt wurde, trug er sein Shirt der Sea-Shepherd-Crew. Wie nicht anders erwartet, wurden die Anschuldigungen von EPA und Justice Department bestritten.

Lesen Sie hier den detaillierten Bericht des Corporate Crime Reporters: (http://www.corporatecrimereporter.com/ )

CORPORATE CRIME REPORTER

Ehemaliger EPA-Ermittler bezeichnet BPs Bewältigung der Ölkatastrophe als Verrat.
22 Corporate Crime Reporter 43, 4. November 2008

Das Justice Department beging Verrat am amerikanischen Volk, als es den Ölspill-Fall gegen BP Alaska zur Bagatelle herunterspielte.

“Es war ein Ausverkauf und die Bürger dieses Landes wurden vom Department of Justice betrogen”, sagte Scott West, der für die Ermittlungen des Falles verantwortliche EPA-Agent.

West war letzte Woche von seinem Posten bei der Strafverfolgungsbehörde der EPA Seattle in den Ruhestand getreten und erzählt seine Geschichte nun Reportern und dem Kongress.

Er hatte im März 2006 im Fall einer BP-Ölkatastrophe in Alaska ermittelt.

Dabei waren aus einer gebrochenen Pipeline 200.000 Gallonen Rohöl auf die North Slope ausgeflossen.

Gegen Wests Widerstand war die Regierung am 24. Oktober 2007 zu einem Alibi-Einverständnis mit BP gelangt, das ein Bußgeld von 20 Millionen Dollar vorsah und das Eingeständnis BPs, eine leichte Ordnungswidrigkeit begangen zu haben.

Zuvor trat West im Sommer 2005 durch Vermittlung des Industrie-Whistleblowers Charles Hamel mit Arbeitern aus North Slope in Kontakt.

West ist der Ansicht, die Fakten über den Ölspill vom März 2006 hätten zu weiterreichenden Ermittlungen führen müssen.

Er und einige Bundesstaatsanwälte wollten damals den Fall im Lichte der “Theorie der mutwilligen Unterlassung“ untersuchen, die es der Regierung erlauben würde, die Geschehnisse als schwerwiegendeVerbrechen anzuklagen.

Gelinde gesagt, West verstand sich nicht mit dem US-Anwalt in Alaska – Nelson Cohen.

West bezeugt, er sei im Oktober 2006 in Anchorage gewesen, wo der derzeitige US-Anwalt, Nelson Cohen, ihn um ein Treffen gebeten habe. “Cohen und ich trafen uns privat in seinem Büro”, sagt West. “Es schien mir, als hätte man ihn kurz über mich unterrichtet, bevor wir uns trafen. Er fragte mich, was ich über ihn wisse. Ich antwortete, ich wisse nichts über ihn. Ich hätte erwartet, der Generalbundesanwalt würde die Freistellung eines US-Staatsanwalts beantragen, der dann hierher kommen würde um den Fall gegen BP durchzuboxen. Und dann sagte ich zu ihm: Einen Freistellungsantrag bitte sehr.”

West sagt, Cohen hätte ihm gegenüber erklärt, er sei absolut unpolitisch und würde als Berufsankläger alles in die Wege leiten, was dem Fall angemessen sei.

West bezeugt außerdem, Cohen habe ihm daraufhin gedroht, er habe es hier mit undichten Stellen der Medien zu tun.

“Ich riet ihm, nichts zu tun, über das er später nicht lesen wollte”, sagte West. “Wir hatten ein gespanntes Verhältnis.”

Trotzdem, so West, unterstützte das Justice Department die Untersuchung mit Anklägern, juristischem Hilfskräften und Geld für das Sammeln von Beweisen.

West zufolge dachte der verantwortliche US-Assistenzanwalt – Aunnie Steward – im Juni 2007 immer noch über mögliche Anklagepunkte für Unternehmenskriminalität nach “und wir befassten uns zu diesem Zweck mit einer Reihe ranghoher Mitarbeiter von BP – auch einigen aus England – als mögliche Ziele.”

Dann kam die folgenschwere Versammlung der Ermittler und Staatsanwälte in Anchorage vom 28. August 2007.

West sagt, zwischen Juni, als Aunnie Steward immer noch die Verbrechensanklage verfolgen wollte, und diesem Treffen am 28. August 2007 sei etwas intern im Department geschehen.

“Auf diesem 28.-August-Treffen wurden wir am runden Tisch gefragt, ob wir zu diesem Zeitpunkt realistische Aussichte hätten, BP eines Verbrechens anzuklagen“, erinnert sich West. “Die Antwort zu speziell dieser Frage war nein. Dann wurden wir gefragt, ob es einzelne Individuen gäbe, die wir zu diesem Zeitpunkt verklagen könnten und die Antwort war ebenfalls nein. Das Department erklärte uns daher, es läge nicht im Interesse der Regierung, diese Ermittlung weiterzuführen, wenn wir die Verurteilung wegen eines minderen Delikts auch sofort kriegen könnten. Ich sprach mich gegen ein vorschnelles Abhaken des Falles aus. Ich erklärte, dass wir über ein riesiges Beweisvolumen verfügten, zu dessen Auswertung wir nur noch keine Gelegenheit gehabt hätten. Ich sagte ihnen, ich brauche ein weiteres Jahr, um in diesem Fall ordentlich zu ermitteln. Mein Anliegen wurde rundheraus abgelehnt. Daraufhin bat ich um 6 Monate und fragte, warum man den Fall so überstürzt beenden wolle. Ich wurde entlassen.”

West sagt, die Chefin der strafrechtlichen Abteilung im Büro des US-Staatsanwalts in Alaska – Karen Loeffler – habe ihn nach dem Treffen zur Seite genommen und ihm zu verstehen gegeben, die Entscheidung, die Ermittlung jetzt zu beenden, sei von Ron Tenpas getroffen worden, dem Assistenz-Generalbundesanwalt für Umwelt und natürliche Ressourcen. Sie „befolgten lediglich Anordnungen“. West behauptet außerdem, das Department habe die Bußgeldberechnungen ignoriert, die von der EPA vorgeschlagen worden waren.

“Das Department ignorierte alternative Bußgeldberechnungen, wie sie die EPA vorschlug.”, sagte West. “Die Frage war, ob BP einem Schuldspruch zustimmen würde und was in diesem Fall die Geldstrafe sein würde. Die Ankläger der EPA brachten Ideen für eine angemessene Geldstrafe vor. Uns wurde gesagt, dass wir realistisch sein und Berechnungen bereitstellen müssten, die dem “Alternative Fines Act” entsprachen. Dies taten wir auch und schlugen mehrere Optionen vor, basierend auf verschiedenen Berechnungen: 672 Millionen, 319 Millionen, 89 Millionen und 58 Millionen US-Dollar.”

West versichert, der US-Staatsanwalt Nelson Cohen hätte gesagt, das Bußgeld würde am Ende bei 20 Millionen und 35 Millionen Dollar liegen, teilweise basierend auf den „Olympic Pipeline und Selandang Abkommen“ – was West für „unglaublich niedrige Abfindungssummen“ hielt.

West zufolge, habe das Department alle Vorschläge von Seiten der EPA ignoriert und “uns erzählt, sie fänden ein Bußgeld zwischen 20 Millionen und 35 Millionen angemessen.”

“Sie würden ein Treffen mit den Beratern von BP arrangieren, um die Details auszuarbeiten.”, so West. “Ich nahm an diesen Treffen teil – obwohl sie inszeniert wirkten und ich das Gefühl hatte, man habe bereits Hinterzimmer-Gespräche geführt. Ich war schockiert, als das Department die Verhandlungen bei 20 Millionen Dollar eröffnete. Ich hätte damit gerechnet, dass sie beim obersten Gebot anfangen würden – oder noch höher – um sich dann allmählig herunterzuarbeiten. Schließlich akzeptierte BP die 20-Millionen-Nummer. Wieder hatte ich das Gefühl, man habe sich bereits im Privaten auf eine Summe geeinigt. ”

West zufolge gehörte die Kriminalermittlung zum BP-Ölspill vom März 2006 zu den zwei bedeutendsten Fällen, die von der EPA-Ermittlungsbehörde 2007 untersucht wurden.

“Wir wussten, dass wir noch viel mehr Arbeit zu erledigen hatten und die EPA, das FBI, der Staat Alaska und das Justice Department bedeutend in Arbeitkräfte und Unterstützung investiert hatten”, sagte West. “Irgendetwas ist im Sommer 2007 passiert. Die Ermittlung wurde von der Justiz eingestellt und die resultierenden Strafen gegen BP waren minimal.”

Das Justice Department ließ diese Woche verlauten, Wests Behauptungen “basieren nicht auf Fakten und sind einfach nicht wahr.”

“Mr. West deutet an, dass etwas Finsteres zwischen dem 12. Juni und 28 August 2008 stattgefunden habe.”, so die Verlautbarung. “Bei jeder Ermittlung kommt ein Zeitpunkt, an dem weitere Untersuchungen nicht mehr gewährleistet sind, wenn dies keine realistische Chance hat, brauchbare Beweise zu generieren. In diesem Fall war die Beurteilung der Berufsankläger, dass im Fall bereits ausreichend und gründlich ermittelt worden war, um angemessene Anklage-Entscheidungen zu treffen. Es war unwahrscheinlich, dass weiterreichende Ermittlungen Beweise finden würden, die neues Licht auf die grundlegenden Fakten dieses Falles geworfen hätten. Die Ermittlungen von EPA und FBI stimmten dem Standpunkt der Anklage zu.”

Diese Woche wurde West von der Sea Shepherd Conservation Society angeheuert, um illegale internationale Aktivitäten zu untersuchen, die Meerestiere und ihre Lebensräume ausbeuten.

[Ein eingehendes Interview mit Scott West im Frage/Antwort-Format wird in der Ausgabe des Corporate Crime Reporters vom 17. November 2008 erscheinen. – Nur in der gedruckten Ausgabe.]

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