Riskantes Unternehmen am Ende der Welt

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/editorial-081202-3.html

Tuesday, December 02, 2008
Riskantes Unternehmen am Ende der Welt

Kommentar von Kapitän Paul Watson

“Segle voran – steuere nur die tiefen Wasser an,
Voller Mut oh Seele, forsche,
Ich mit Dir und Du mit mir,
Denn wir müssen dorthin, wohin sich kein Seemann bisher gewagt hat,
Und wir riskieren das Schiff, uns selbst und Alles”

- Walt Whitman

Wir sind uns darüber im Klaren, dass Regierungen das Retten von Walen nicht für so wichtig halten wie Segelyachtrennen um die ganze Welt oder Hochseefischen, darum sind wir nicht überrascht zu hören, dass Neuseeland und Australien erklärt haben nicht bereit zu sein, im Falle eines Unfalls oder bei Attacken durch die japanischen Walfänger irgendeine Sea Shepherd Crew zu retten.

Die australische Regierung hat angekündigt, dass sie in diesem Jahr kein Zollschiff in das Südpolarmeer entsenden werde und die gesamte australische Navy hat im Rahmen einer Kostensparmassnahme der australischen Regierung an den Docks festgemacht und die Seeleute für zwei Monate nach Hause geschickt.

Der australische Umweltminister Peter Garrett hat gesagt, er habe 6 Mio. Dollar für nicht-tödliche Walforschung bereitgestellt, dennoch sagt er nun, es werden keine Schiffe der Regierung im Südpolarmeer sein. Es ist ein Mysterium, wie diese nicht-tödliche Forschung ohne Beobachtungen im Feld* durchgeführt werden soll?

Der neuseeländische Außenminister Murray McCully teilte den Medien mit, dass Neuseeland „nicht für das Wohlergehen und die Sicherheit jedes Einzelnen garantieren kann, der sich in der Ross See aufhält”.

Nicht dass wir darum gebeten hätten oder irgendeine Hilfe erwarten, aber es ist interessant, dass sowohl Australien als auch Neuseeland Wert darauf legen im Voraus zu sagen, dass wir in diesem Jahr auf uns allein gestellt sind.

Neuseeland und Australien haben Millionen ausgegeben um Segler, Fischer und Walfänger zu retten. Im Februar 2007 bat die japanische Regierung Neuseeland um Hilfe für ein Besatzungsmitglied, das in der Nähe der Ross See schwer krank geworden war. Ein neuseeländischer Helikopter brachte ihn per Lufttransport in ein Hospital.

In diesem Jahr wird kein australisches oder neuseeländisches Schiff in den Gewässern des Australischen Antarktisterritoriums vor Ort sein – nur japanische Walfangschiffe, möglicherweise ein japanisches Kanonenboot und die Steve Irwin und unsere Crew.

Aber wir sind nicht naiv. Dies wird unsere vierte Reise in das Südliche Polarmeer sein. Wir sind uns vollkommen bewusst, wie verlassen die Region ist und wir sind uns komplett darüber im Klaren, wie gefährlich die Gewässer und die Situation sind, mit Eisbergen, unvorhersehbarem Wetter und gewalttätig abwehrbereiten japanischen Walfängern.

Wir kennen die Risiken und wir sind bereit, sie in Kauf zu nehmen. Die Alternative ist inakzeptabel. Nichts zu tun, während ein Tausend Wale dazu verdammt sind, durch die grausamen und illegalen Sprengstoffharpunen einen gewaltsamen Tod zu sterben, ist keine Option für uns.

Unser Schiff ist ausgerüstet mit der besten Sicherheitsausstattung, die es gibt. Wir haben einen Arzt an Bord, wir haben angemessene medizinische Vorräte und wir haben Besatzungsmitglieder, die als Rettungssanitäter ausgebildet sind. Wenn unsere Besatzungsmitglieder in den Booten rausgehen, tragen sie Neoprenanzüge unter ihren Überlebensanzügen. Wir treffen Sicherheitsvorkehrungen. Aber wir sind nicht so dumm zu glauben, dass es in diesen kalten, einsamen, abgelegenen und stürmischen Gewässern nicht zu einer Katastrophe kommen könne.

Aber das ist das Risiko, das wir auf uns zu nehmen bereit sind, weil die einzige andere Alternative ist, nichts zu tun, und das ist der Weg, der von den meisten Regierungen und Feiglingen eingeschlagen wird. Und wie könnten wir besser sterben als im Angesicht furchtbarer Widrigkeiten, während wir das Leben der sanften Riesen der See verteidigen?

Aber bei all dem Reden über Risiken und Gefahren und all dem Reden über Gewalt zwischen Walschützern und Walkillern sollten wir nicht den Blick auf die Tatsache verlieren, dass wir nicht über Risiken sprechen, wenn es um die Wale geht.

Was die Wale angeht, sprechen wir über die Sicherheit ihres Todes. Wenn wir nicht eingreifen, werden 935 Minkwale und 50 Finnwale eines qualvollen Todes sterben. Wir werden nicht in der Lage sein, sie alle zu retten, aber wir werden so viele retten, wie wir irgend können mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Wenn Greenpeace eingewilligt hätte, mit uns zu kooperieren, hätten wir mit den beiden Schiffen die Möglichkeit gehabt, die Killer zu 100% lahm zu legen. Aber Greenpeace hat sich – obwohl sie Millionen Dollar Spendengelder eingesammelt haben, um ein Schiff ins Südpolarmeer zu schicken – Peter Garrett zum Vorbild genommen und wie Garrett haben sie ihr Versprechen gebrochen. Garrett hat vor, in seinem Büro zu bleiben, trotz der Enttäuschung der Wähler, die ihn gewählt haben um die Wale zu verteidigen und Greenpeace, nun, Greenpeace hat vor, das Geld zu behalten.

Und die Wale! Die Wale sind der Kollateralschaden selbstsüchtiger politischer und ökonomischer Absichten von Regierungen und einem Umweltbewußtsein des großen Geschäfts.

Und sie beide werden uns verdammen, wenn wir gen Süden steuern. Die Regierungen werden uns denunzieren und als gesetzlos bezeichnen und Greenpeace wird uns mit scharfer Kritik attackieren, in dem Wissen, dass, wenn sie uns oft genug als gewalttätig bezeichnen, die Leute das irgendwann glauben werden. Wie das satanische Marketing-Genie, der Nazi Joseph Goebbels, einst bekanntermaßen sagte „wenn du eine Lüge groß genug machst und sie ständig wiederholst, werden die Leute sie schließlich glauben”.

Die Fragen, auf die Peter Garrett und die Regierungen Australiens und Neuseelands vorbereitet sein müssen, sind schlichtweg, wie wollen sie reagieren, falls australische und neuseeländische Staatsangehörige von den Walfängern gefangen genommen werden? Werden sie untätig daneben stehen und nichts tun, während diese Staatsbürger nach Japan zurück verschleppt werden und des Terrorismus angeklagt für die Verteidigung von Walen im Walschutzgebiet des Südpolarmeers? Wie wollen sie reagieren, falls australische oder neuseeländische Staatsangehörige durch einen Akt der Gewalt von japanischen Walfängern verletzt oder getötet werden? Wollen sie sie ignorieren? Wollen sie weiterhin die Entschuldigung vorbringen, dass sie den Weg der „diplomatischen” Annäherung gehen? Wollen sie einfach bloß sagen „wir haben Euch aufgefordert, Euch nicht einzumischen”?

Und wie wollen die Regierungen der Niederlande, Großbritanniens, Kanadas, der Vereinigten Staaten, Südafrikas, Schwedens, der Bermudas und Ungarns reagieren, für den Fall dass es eindeutig zu einem internationalen Zwischenfall kommt, wenn irgendjemand von unserer Besatzung durch diese Walfänger verletzt, getötet oder gefangengenommen wird?

Und so müssen wir mitansehen, wie Wale zerfetzt werden und Schockgranaten und Gewehrkugeln auf uns abgefeuert werden von Leuten, die die Frechheit besitzen, uns gewalttätig zu nennen – weil wir ranzige Butter auf ihre Decks geworfen haben. Sie beschuldigen uns, sie mit „Säure” beworfen zu haben und natürlich bringt das die Fantasie der wissenschaftlich Beschränkten dazu, sich Menschen vorzustellen, die vor Schmerzen schreien wegen entstellender Schwefelsäure, obwohl doch ranzige Butter, auch bekannt als Buttersäure, weniger ätzend ist als Bier, Orangensaft und Milch.

Wenn der australische Umweltminister Peter Garrett und der Außenminister Stephen Smith sagen, dass sie jede Form von Gewalt im Südpolarmeer verurteilen, dann ignorieren sie vollständig die gewalttätigste aller Aktionen – das grausame Abschlachten der Wale.

Blut wird vergossen, Tonnen von Blut und Leben werden genommen, fast ein Tausend fühlende Wesen, Grausamkeiten werden ausgeübt und das Elend und Leid, das die Wale erdulden, ist grauenvoll.

Aber anstatt diese Grausamkeiten zu verurteilen, schreien die Bürokraten auf vor Empörung, weil Sea Shepherd – Crewmitglieder etwas ranzige Butter auf das Deck eines Walkillerschiffs geschleudert haben. Statt die illegalen Aktivitäten der japanischen Walfänger zu verurteilen, erheben die Bürokraten nur übertriebene Anschuldigungen des Öko-Terrorismus gegen Sea Shepherd, worauf wir nur mit einem „ entweder nehmt uns fest oder haltet die Klappe” antworten können.

Während der über 31-jährigen Geschichte der Kampagnen ist nicht eine einzige Person jemals durch eine Sea Shepherd Aktion verletzt worden. Kein einziges Mitglied unserer Crew wurde jemals wegen einer Straftat verurteilt, noch wurden wir verklagt. Warum? Weil nicht wir die Kriminellen sind.

Wir bringen Kriminelle zur Strecke und wir gehen gegen ihre illegalen Aktionen vor und unglücklicherweise stehen die meisten Regierungen denjenigen nahe, die von der Zerstörung der Umwelt profitieren, selbst wenn solche Aktivitäten illegal sind.

Es waren nicht etwa die britische Regierung und die britischen Seestreitkräfte, die im 17. Jahrhundert die Piraterie in der Karibik ausgerottet haben. Es war Henry Morgan – ein Pirat.

Manchmal brauchst Du einen Piraten um mit Piraten fertig zu werden.

*wissenschaftlicher Fachausdruck: es geht um die Beobachtung des Forschungsgegenstandes unter natürlichen Bedingungen (im Feld) gegenüber den künstlichen Bedingungen im Labor (Anm. d.Ü.)

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