Brief von Kapitän Watson aus der Tasmanischen See

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/editorial-081208-1.html

Montag, 08. Dezember 2008
Brief von Kapitän Watson aus der Tasmanischen See

Liebe Freunde,

wir sind endlich auf unserem Weg. Mein Schiff, die Steve Irwin und meine Crew haben Brisbane in Queensland, Australien, am 04. Dezember verlassen. Wir haben einen kurzen Zwischenstop in Newcastle in Neusüdwales gemacht, um Benzin und Öl aufzunehmen und sind dort am 07. Dezember ausgelaufen. Wir werden einen weiteren kurzen Zwischenhalt in Hobart in Tasmanien einlegen, um vollzutanken, damit wir die maximale Reichweite haben, wenn wir die Ross See ansteuern um die japanische Walfangflotte abzufangen.

Wir geben uns keiner Illusion hin, dass dies eine leichte Kampagne wird. Japan hat ein Budget von 8 Millionen Dollar angesetzt um unseren Einsatz zu bekämpfen. Wir haben keine Idee, was das bedeutet. Werden sie ein Kanonenboot aussenden? Wir wissen es nicht sicher, aber sie haben gesagt, dass sie uns gefangen nehmen werden, wenn wir in ihre illegalen Walfangtätigkeiten eingreifen. Wie sie das machen wollen, ist nicht bekannt. Werden sie auf unser Schiff schießen oder es entern? Wir wissen es nicht. Wir müssen eben auf alle Möglichkeiten gefasst sein.

Dies ist eine vierteilige Kampagne. Im Wesentlichen geht es darum „vorzubereiten, zu suchen, einzugreifen und zu stoppen”.

Wir sind vorbereitet. Wir haben das Schiff seit der letzten Kampagne grundlegend verbessert.
Wir haben ein neu konstruiertes Helikopterdeck und einen Hangar, einen komplett überholten Helikopter und zusätzlich zu unserem sehr erfahrenen ehemaligen Militärpiloten der U.S. Marine einen passionierten Hubschraubermechaniker.

An Deck haben wir eine neue hydraulische Winsch und zwei neue schnelle Abfangboote.
Wir haben dreimal mehr Sicherheitsausrüstung als notwendig, inklusive Taucheranzüge, Überlebensanzüge, Rettungsboote und Seenotrettungsbojen. Wir haben außerdem einen Arzt an Bord und Offiziere, die als Rettungssanitäter zertifiziert sind.

Wir haben einen Schweißermeister, einen Schreinermeister und eine Crew von sehr erfahrenen Maschinisten unter der Leitung unseres langjährigen Ersten Maschinisten Charles Hutchings. Wir haben qualifizierte Taucher, Kommunikationstechniker und Navigatoren.

Wir haben zudem neue Taktiken, neue Ausrüstung und neue Ideen zur Unterstützung unserer Mission.
Und wir haben eine ausgezeichnete Crew. Es sind gegenwärtig 40 Crewmitglieder plus ein Kamerateam von Animal Planet, um die 2. Folge von Whale Wars zu drehen. Ein Drittel der Crew sind Australier und ein Drittel Amerikaner, wobei das verbleibende Drittel sich aus Staatsbürgern Kanadas, Großbritanniens, Deutschlands, der Bermudas, Neuseelands, Südafrikas, Schwedens, Ungarns und Japans zusammensetzt.

Ein Drittel der Crew sind Frauen und die Hälfte der Crew sind zurückgekehrte Veteranen.
Mit dem Auslaufen aus Hobart werden wir mit der 2. Phase der Kampagne beginnen – der Suche. Dieses Jahr operiert die japanische Walfangflotte in der Ross See und dorthin werden wir uns wenden. Es ist ein schleppend langer Weg, dorthin zu gelangen und einmal angelangt, ist ein riesiges Gebiet zu durchsuchen, aber wir werden diese abgelegenen, zugefrorenen Gewässer durchkämmen, bis wir sie finden und sobald wir das haben, werden wir sie unterbrechen und das hoffentlich, bevor sie zu viele Wale geschlachtet haben.

Es gibt durchaus ein paar Unterschiede zwischen dieser Kampagne und unseren vorangegangenen vier Fahrten in das Walschutzgebiet des Südpolarmeers.

Dieses Jahr werden wir dort unten sehr einsam sein.

Die neue australische Regierung von Kevin Rudd und Peter Garrett hat ihre Wahlversprechen gebrochen und sie werden keinerlei Schiffe im Südpolarmeer haben. Tatsächlich wurde die australische Marine in den Hafen beordert – praktisch all ihre Schiffe, und ihre Offiziere und Mannschaften wurden für zwei Monate Urlaub nach Hause geschickt. Es gibt kein einziges australisches Regierungsschiff, das im australischen Antarktisterritorium patrouilliert, trotz der Tatsache, dass die japanische Walfangflotte Wale unter unmittelbarer Missachtung der Rechtsprechung eines australischen Bundesgerichtshofs geschlachtet hat, welche gezielt die Schlachtung von Walen in Gewässern verbietet, über die Australien das deklarierte Hoheitsrecht hat.

Greenpeace wird nicht unten im Südpolarmeer sein, obwohl sie Millionen Dollars an Spenden ausdrücklich für diesen Zweck gesammelt haben. Sie sind hauptsächlich ausgestiegen, weil sie nicht mit Sea Shepherd – Aktionen in Verbindung gebracht werden wollen. Ihre Entschuldigung ist, dass sie das Gerichtsverfahren zweier ihrer japanischen Aktivisten angehen müssten. Die Wahrheit ist, dass sie das Südpolarmeer der japanischen Walfangflotte überlassen haben. Sie haben nicht mehr den Mumm für die Konfrontation.

Der Schlüssel zum Erfolg mit den japanischen Walfängern ist Beharrlichkeit. Wir dürfen uns niemals zurückziehen oder ihnen das Südpolarmeer überlassen. Wir müssen fortfahren, ihre Profite zu untergraben und wir müssen fortfahren, der Welt ihre illegalen Aktivitäten aufzuzeigen.
Wir müssen das tun, unabhängig davon, welche Hindernisse sie vor uns auftürmen, unabhängig davon, wie gewalttätig sie werden, unabhängig davon, welchen politischen, Medien- oder wirtschaftlichen Druck sie gegen uns richten.

Sie können uns alle Bezeichnungen dieser Welt geben, aber sie können nicht die Realität leugnen, dass sie auf bedrohte und gefährdete Wale Jagd machen, in einem ausgewiesenen Walschutzgebiet unter Verletzung eines internationalen Stillhalteabkommens zum kommerziellen Walfang und unter Missachtung der australischen Gerichtshöfe.

Sea Shepherd andererseits hat niemals internationales Recht verletzt und tut es jetzt auch nicht. Wir haben nie jemanden verletzt und wir wurden nie einer Straftat wegen angeklagt. Wir handeln in Übereinkunft mit den Grundsätzen, die in der Charta der Vereinten Nationen für die Natur festgelegt wurden indem wir uns einsetzen für die Aufrechterhaltung und Durchsetzung internationaler Umweltschutzbestimmungen.

Ich habe die diesjährige Kampagne Operation Musashi genannt. Dies geschieht in Würdigung Miyamoto Musashis, der für die Japaner das ist, was Robin Hood, Ned Kelly und Jesse James für die Briten, die Australier und die Amerikaner sind.

Abgesehen davon, dass er ein Gesetzloser war, war Musashi ein Meister der Strategie. Ich habe seine Strategie des zweifachen Weges, des Stifts und des Schwerts, aufgenommen, was die Annäherung an ein Problem mittels Konfrontation und Kommunikation oder Erziehung bedeutet.

Unsere physische Intervention zum Stoppen des Walschlachtens ist das Schwert, und unsere Teilnahme an der TV – Serie Whale Wars ist der Stift.

Und wir führen die wirksamste Waffe mit, die jemals erfunden wurde – eine Kamera.
Was wird dieses Jahr geschehen?

Das ist schwer mit Sicherheit vorherzusagen. Werden wir die Flotte finden? Ich bin zuversichtlich, dass wir das werden. Werden sie in diesem Jahr gewalttätiger reagieren als im letzten? Wir erwarten, dass sie das werden. Werden wir sie vom Wale schlachten abhalten? Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sein werden, das zu tun.

Aber wie Musashi einst beobachtete, müssen wir uns in strategischer Hinsicht der Walfangflotte mit absoluter Entschlossenheit, mit Mut und Hingabe nähern, konzentriert auf das Ziel, das Leben von so vielen Walen wie möglich zu retten, unbeeindruckt durch Drohungen oder physische Gewalt, unbesorgt über die Konsequenzen, bereit und vorsichtig und doch verpflichtet einem Vorgehen, das keinen Rückzug und kein Aufgeben duldet. Wir müssen verstehen, dass wenn wir sagen, wir seien bereit, unser Leben für die Wale zu riskieren, das kein bedeutungsloser Slogan auf einer Fahne für uns ist – es ist das, was wir tun. Wir müssen der Welt demonstrieren, dass es menschliche Wesen gibt, die bereit sind, alles zu riskieren um die Biodiversität zu schützen und das Recht anderer Spezies, unbelästigt von der räuberischen Raffgier der Menschheit zu leben. Wir kämpfen nicht nur für die Wale in diesen abgelegenen südlichen Gewässern – wir kämpfen für die Diversität des Lebens und damit für die Zukunft unserer eigenen Art auf diesem Planeten.

Es wird eine dramatische Kampagne werden und ich werde all meine Energien darauf ausrichten sicherzustellen, dass es eine effektive Kampagne wird und dass die Leben der Wale gerettet werden.
Ich kann Euch nicht in Worten sagen, wie wundervoll es einfach ist, in den vergangenen Zeiten für die Wale eingeschritten zu sein. Zu wissen, in diesem Augenblick sind da draußen Wale, die in Freiheit in diesen einsamen Gewässern umherschwimmen und die jetzt tot wären ohne unser Eingreifen. Zu wissen, dass so viele Walbabies zur Welt gebracht wurden, weil wir die Waljäger dazu zwingen konnten, ihre Mütter zu verschonen, ist eine Quelle großer Freude für mich. Ich spüre sie da draußen, so lebendig und so bewusst, in diesen dunklen und kalten Gewässern und es ist diese Verbindung, die meiner Seele Ruhe gibt mit einem schnurrenden Brummen der Zufriedenheit in meinem Herzen. In Wahrheit ist, in Verteidigung eines Lebens zu sterben, der ehrenvollste Tod, den ich mir denken kann und darum kann es keine Furcht geben – nur Erleuchtung und Zufriedenheit.

Und so ist es gen Süden, wohin unser Bug zeigt und es geht zweitausend Meilen nach Süden zwischen die Eisberge in die abgelegene, vereiste Südpolarsee, wo wir ein weiteres Mal gegen die Killer der sanften Riesen der See antreten.

Und zu ihrem Wohl und für das Wohl unserer Kinder werden wir siegen und werden diese niederträchtigen Killer aus dem Walschutzgebiet des Südpolarmeers vertreiben und damit die Unversehrtheit des Schutzgebietes wiederherstellen, in einer Welt, in der den Regierungen anscheinend die Bedeutung des Begriffes „Sanktuarium” * verloren gegangen ist.

Und so segeln wir weiter für die Wale, dem entgegen, wovon ich glaube, dass es unsere aggressivste und effektivste Konfrontation mit den japanischen Walfängern wird, die es je gegeben hat.

Captain Paul Watson
Master of the Steve Irwin
Fonder and President – The Sea Shepherd Conservation Society

* Schutzgebiet, engl. sanctuary, von lateinisch „sanctus”: heilig, unantastbar (Anm. d. Ü.)

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