Von Öko-Terroristen und Terroristen

Von Öko-Terroristen und Terroristen

Kommentar von Thomas Buiter

… und wenn Du etwas ändern willst, dann bist Du automatisch Terrorist …
Farin Urlaub/Die Ärzte

So in etwa könnte man sich vorkommen, wenn man sich die 2. Staffel von Whale Wars anschaut (Staffel 1 nun auch auf Deutsch im Handel erhältlich). Die Veränderer sind in diesem Fall die Crew der Sea Shepherds um Paul Watson, die zum sechsten Mal in Folge versuchen den Walfang der Japaner im Südpolarmeer zu verhindern. Die Seite, die nicht an Veränderungen interessiert ist, sind die Betreiber der japanischen Walfangflotte. Es ist schon interessant zu sehen, was für die Wissenschaft in Japan alles unternommen wird. Man fährt über 10.000 Kilometer von der Heimat entfernt auf wissenschaftlichen Walfang, verbraucht dabei tausende Tonnen an Treibstoff und rüstet seine Schiffe mit militärischen Personal und Antipersonenwaffen aus.

Einige behaupten, dass der Einsatz im Südpolarmeer für den Schutz der Wale eher kontraproduktiv ist, da ihrer Ansicht nach der Walfang nur in Japan selbst beendet werden könne. Letzten ende ist es natürlich richtig, dass die Walfangaktivitäten nur durch die japanische Regierung beendet werden kann, die diese Unternehmungen mit Abermillionen an Steuergeldern subventioniert. Würde Japan aber wirklich den Walfang beenden, nur weil sie ungestört Jagd auf Zwerg- und Finnwale machen kann? Würde Japan wirklich ein dann profitables Geschäft aus eigener Initiative beenden? Würde die Yakuza es wirklich zulassen, dass ihnen Millionen an Dollar verloren gehen würden? Auf diese Fragen kann man aus vielen Mündern eine deutliche Antwort hören: Nein! Japan würde dann seine volle Walfangquote erreichen, wie sie es in den Jahren taten bevor Umweltaktivisten und Demonstranten sie bei ihrem Tun behelligten. Sie haben aber in den letzten sechs Jahren ihre angestrebten Quoten nicht erreicht und es sieht auch in der kommenden Saison 2009/2010 danach aus, als werden sie nicht annähernd ihre Quote erreichen.

Japan argumentiert zum einen, dass es ihr Recht und ihre Tradition sei auf Wale Jagd zu machen und zum anderen, das die wachsende Bevölkerung der Welt nur durch eine zusätzliche Nutzung von Meeressäugern als Nahrung in der Zukunft ernährt werden könne. Ernährungswissenschaftlich wäre gegen unbelastetes Walfleisch sicher nicht viel einzuwenden, aber Walfleisch ist mit relativ hohen Dosen an Schwermetallen und Pestiziden belastet. Japan behauptet auch, dass Walfang ökologisch effizient sein, rechnet aber den Unterhalt seiner Walfangflotte nicht mit ein. Kosteneffizient mag die Flotte ohne Störung sein, aber sicherlich nicht ökologisch vertretbar. Eine Walfangtradition gibt es in Japan im großen Stil nur seit dem 2. Weltkrieg, da dort nach der Kapitulation die Nahrungsversorgung zusammengebrochen war. Der traditionelle Walfang den es seit Jahrhunderten gibt, wurde immer nur von ein paar kleineren Küstenorten betrieben.

Ein weiterer Punkt der gerne auch angebracht wird ist, dass die westlichen Nationen kein Mitspracherecht haben, da sie selber Milliarden an Rindern, Schweinen und Geflügel für ihre Ernährung züchten und töten. Richtig und die Nachfrage nach tierischem Eiweiß ist stetig ansteigend, dass heißt aber nicht, dass es richtig ist. Zweimal nicht richtig, wird auch nicht richtiger und schon gar nicht richtig. Japan verschweigt dabei auch gerne, dass sie der weltweit größte Importeur von Meerestieren ist und nicht im geringen Masse dafür mitverantwortlich war und ist, dass die Weltmeere so ausgebeutet wurden und werden. Die Schuld sucht die japanische Fischereibehörde aber nicht bei sich selbst, sondern bei den „Kakerlaken der Meere“, womit sie Delphine und Kleinwale abwertend bezeichnen. Wieso hat es denn noch Fisch gegeben, als die Meere noch von zig Millionen Walen durchstreift wurden und es noch ein Hundertfaches an Delphinen gab? Weil die Meeressäuger eventuell doch nicht Schuld am Rückgang der Fischbestände sind? Ist nicht vielleicht doch ein kleiner Faktor dabei die Spezies Mensch gewesen? Auf die Massen an Rindfleisch, die mittlerweile in Japan konsumiert werden möchte dabei noch nicht einmal näher eingehen.

Wale und Delphine sind hochsoziale und intelligente Wesen, die sich nicht nur ihrer Selbst bewusst und damit emotional wie physisch leidensfähig sind, sondern auch um Freunde und Angehörige trauern und Mitgefühl wie auch einen ausgeprägten Beschützerinstinkt haben.

Manche werden denken, was kümmert mich das Leid der Meeressäuger? Vielleicht denken aber diejenigen auch, dass es keinen Sinn macht sich für den Erhalt der Meere zu engagieren. Es kann aber auch einfach nur bloße Ignoranz gegenüber fühlenden Mitbewohnern unseres Planeten sein. Solange der Mensch denkt er sei die Krönung einer nicht existenten Schöpfung, wie es die Kirchen gerne hätten, werden wohl weiterhin Lebewesen, die auch wie jeder einzelne von uns nur ein einziges Leben haben, das Selbige für die Konsumsucht und Bequemlichkeit der Spezies Mensch hingeben müssen.

Eines ist sicher: So wie wir derzeit mit unserem Planeten umgehen, werden wir alle nicht überleben. Das betrifft noch nicht die Generationen die zurzeit leben, aber es wird unsere Kinder und Enkel betreffen.

Ich werde jedenfalls versuchen meinen Kindern und Enkeln eine Welt zu hinterlassen, die Lebenswert ist. Was ist mit Dir?

Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird und dann Gut über Böse siegt….
Campino, Die Toten Hosen

[Fortsetzung wird folgen]

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5 Antworten auf Von Öko-Terroristen und Terroristen

  1. Katrin sagt:

    Denke nicht, dass das Problem ist “Was kümmern mich die Meeressäuger” sondern, dass es immer noch viele Menschen gibt, die gar nicht genau wissen was Sache ist. Mir persönlich ist es ähnlich gegangen, als ich vor einiger Zeit auf mein Sea Shepherd T-Shirt angesprochen wurde.
    Habe dann meinem Gegenüber darüber erzählt. Im Gegensatz dazu hat er mir dann erzählt, dass er sich sehr um den Schutz von Orang Utans angagiert.
    Er hat mir dann Dinge erzäht die ich in dem Unfang nicht für möglich gehalten hätte. Einfach nur unglaublich schrecklich.
    Meinem Gegenüber ist es dann ähnlich gegangen als er von den ablschachten der Meeressäuger gehört hat.

    Aber mal ehrlich! Wo soll man anfangen??? Auch ich schau zur anderen Seite, wenn ich auf der Autobahn eine Tiertransporter überhole, der mit Tieren so vollgestopft ist das die sich gegenseitig zerquetschen.
    Ich schau aber nicht auf die andere Seite weil es mich nicht interessiert, sondern weil ich den Anblick einfach nicht ertragen kann.

    Natürlich wird es auch jede Menge Menschen geben, denen es völlig egal ist was mit der Welt passiert.
    Leider Gottes ist es halt so, dass viele Menschen nur an sich denken bzw. die Pflicht an jemanden anderen abwälzen.
    Oft höre ich aus dem Bekanntenkreis, dass es doch sowieso sinnlos ist.
    “Was können schon meine paar Euro bewirken” oder “Das Geld landet ja sowieso nicht da wo es gebraucht wir”.

    Wie ist es nur möglich das die Menschen alles zerstören müssen ohne sich Gedanken über die Zukunft zu machen!

  2. Sven sagt:

    Hallo Thomas,

    das Problem der wachsenden Weltbevölkerung wird sich in naher Zukunft von alleine regeln, wenn die fossilen Brennstoffe aufgebraucht sind.
    Das gesamte “Lebenserhaltungssystem” der Menschheit basiert auf Erdöl, und wenn das Öl erstmal verbraucht ist wird sich die Erdbevölkerung auf ein “normales” Mass einpendeln.

    Das Problem des Wegschauens ist meiner Meinung nach eher ein Problem des “Nicht sehens”, da die Medien lieber Sendungen zur Volksverblödung als zur Aufklärung senden.
    Bestes Beispiel sind die Dokus und Wissenschaftssendungen der sog. Privatsender, die an Trivialität nicht zu übertreffen sind.

    Medien waren schon immer ein machtvolles Instrument um die Bevölkerung zu manipulieren und zu steuern.
    Wer sich nicht von Sich aus auf die Suche nach Informationen macht, wird Zeit seines Daseins mit einem medial gewaschenen Hirn und Scheuklappen durch das Leben laufen.

    Was mir dabei Angst bereitet, ist das der Grossteil der Bevölkerung die Medien kritikfrei konsumiert. Ohne zu hinterfragen und -forschen wer hinter den einzelnen Sendern steht.
    “Privatsender” sind allesamt Propagandakanäle der Industrie und damit des Kapitalismus.

    Gerade wir “Deutschen” sollten doch, aufgrund der Geschichte unseres Landes im letzten Jahrhundert, nicht kritiklos konsumieren was die Medien uns vorsetzen.
    Stattdessen wird aber in kollektiver Lethargie genau das getan, was die Propaganda der breiten Masse einimpft : Nämlich nichts, weil es ja keine Gründe gibts etwas zu tun.

    Solange jeden Morgen die Sonne aufgeht, das Auto anspringt und der Lohn pünktlich auf dem Konto ist, ist doch alles in Ordnung.
    Die Wirtschaft ist das, was am Meisten zählt, schliesslich wurde uns das von Kindesbeinen an propagiert.

    Es ist eine Kopfblockade die gelöst werden muss, um die Menschen wieder zum eigenständigen Denken zu bringen.

    Der Grossteil der Erdbevölkerung besteht aus Zombies der medialen Gehirnwäsche, und man kann diesen Menschen noch nicht mal einen direkten Vorwurf machen, wohl aber den Regierungen der kapitalistisch orientierten Staaten, die das Volk künstlich dumm halten.

  3. Jan sagt:

    Hallo Katrin,

    die besten Antworten auf deine Fragen, die mich auch schon lange beschäftigen, habe ich bei Franz Wuketits gefunden. Das ist ein Biologe und Wissenschaftsphilosoph aus Österreich: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Wuketits

    Vielleicht kannst du dir folgendes allgemeinverständliches Buch besorgen:

    Naturkatastrophe Mensch. Evolution ohne Fortschritt. Patmos, Düsseldorf 1998; 2. Aufl. 1998. Taschenbuchausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2001.

    Dort findest du viele Antworten. In den anderen Büchern natürlich auch :)

    LG Jan

  4. Dirk sagt:

    Hallo Katrin,

    mal eine kleine Geschichte..!

    Als ich mit ca. 10 Jahren einen Bericht über Schlachthöfe und Tiertransporte im Fernsehen gesehen habe, war für mich der Entschluss ganz klar. Das mache ich nicht mehr mit!!!

    Ein Kind als Vegetarier und das vor 30 Jahren. Meine Eltern (leidenschaftliche Fleischesser) mussten sich zu dieser Zeit schon einiges aus dem Ihrem Umfeld anhören. Nun bin ich 41 Jahre, topfit, nie krank gewesen und hab die so „schreckliche Zeit der Entbehrung“ ohne Fleisch anscheinend ganz gut verkraftet. ;o))

    Hab ich was bewirkt..?

    Wahrscheinlich nicht viel, aber ich persönlich fühle mich besser. ABER..STOP MAL..wenn ich mir aber mal kurz meine bisherige Statistik anschaue..Durchschnittsverbrauch ca. 90 KG Fleisch/Jahr x 30 Jahre = 2700 KG Fleisch weniger!

    Das ist doch gar nicht soo schlecht..oder?

    Also JEDER KANN ETWAS BEWIRKEN!! Mittlerweile gibt es ja doch „Mitstreiter“, die auch mal hinterfragen und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten versuchen, einfach besser zu sein.

    Sicherlich besteht aktuell das große Problem, dass unsere Gesellschaft nachhaltig verblödet. Gleichgültigkeit und Egoismus sind Werte, die uns bereits in der Kindheit vermittelt werden und in der Gesellschaft als erfolgreich gelten. Unser Wirtschaftsystem ist auf Teufel komm raus auf die „Gier nach mehr“ ausgelegt (sog. „Wachstum“). Immer mehr..immer billiger ist die Devise und es interessiert die Mehrheit der Bevölkerung auch nicht wirklich, wie z.B. der Burger bei MCDoof „produziert“ wird. Hauptsache „doppelt dick zum halben Preis“

    Das Gefühl der Hilflosigkeit ist allen engagierten Menschen (leider) sehr vertraut! Ich denke, auch bei Paul Watson war dies sicherlich u.a. eine Motivation zu sagen. NEIN DAS KANN ES DOCH NICHT SEIN und er hat für mich in bewundernswerter Weise aus seinen Möglichkeiten immer das Optimum herausgeholt.

    Ich wünsche Paul und dem Team der SeaShepherd alles Gute, viel Erfolg für die Operation „Waltzing Matilda“ und werde doch gleich mal kurz den PayPal-Button betätigen. ;o)

    Viele Grüße
    Dirk

    P.S: Dank auch an Thomas für diesen Blog und sein tolles Engagement.

  5. ThomasBuiter sagt:

    Hallo Dirk,

    danke für Deine Worte. Du sprichst mir wirklich aus der Seele. Ich selber bin erst wenige Jahre Vegetarier/Veganer aber eines kann ich bestätigen: Wirklich Krank wahr ich seit dem nicht mehr und ne Grippe ist nach 3 Tagen vorbei bzw. es kommt nur kurz und meldet sich und ist auch schon wieder weg.

    Ich finde es gut, dass Du schon in so jungen Jahren so konsequent Deinen weg gehen konntest und gegangen bist. Andere wie ich brauchen halt ein paar Jahre mehr. Ich sehs aber auch nach dem Motto: Besser spät als nie :) .

    Ich hatte Paul letztes Jahr darauf mal angesprochen und er sagte (grob inhaltlich übersetzt): “Du musst das so verstehen, wenn ich nichts unternehmen würde und hätte wären abertausende Tiere nicht mehr am Leben und hätten viel durchleiden müssen. Mir reicht das als Ansporn um für jedes einzelne Leben weiter zu kämpfen. Mein Ziel wird es aber bleiben irgendwann in Rente gehen zu können, aber das werde ich wohl leider erst dann wenn der Deckel zugemacht wird”

    Der PayPal Button ist eine hervorragende Idee, denn Sea Shepherd braucht es leider nach wie vor. Falls einer meint “wo spende ich denn?” – http://blog.migaloo.de/sscs.html findet dort Informationen.

    Liebe Grüsse

    Thomas