Antarktisches Zen

Original: http://www.seashepherd.org/matilda/crew-blog/

Sonntag 27.Dezember 2009
Laurens De Groot
Crew, Ady Gil

Dicker Nebel umschliesst uns, macht die Ady Gil eins mit der antarktischen Wasserwelt. Unsere Sicht ist unter 50 Meter und mehr als ein paar vorbei ziehende Eisschollen durch die kleinen Fenster zu beobachten ist nicht möglich. Gelegentlich taucht einer dieser riesigen Eiswürfel vor dem Bug unseres zerbrechlichen Schiffs auf. Bis jetzt konnten wir ihnen gut ausweichen. Und das ist auch nötig, denn mehr als auf meinen letzten Antarktiskampagnen, weiß ich wie gefährlich Eis sein kann. Eine Eisscholle unglücklich treffen, und die Mission ist für uns gelaufen. Punkt.

Ich bin nun das dritte Jahr in Folge hier in antarktischen Gewässern um die großen Wale zu retten. Letztes Jahr arbeitete ich als einfacher Deckarbeiter und Teil des kleinen Beibootteams. Diesmal bekam ich die Chance die Walfänger in Sea Shepherds neuem Schiff, Ady Gil, zu stoppen. Ein unglaublich schnelles Boot mit einem Look der sogar Batman eine Gänsehaut bereitet. Letztenendes ein Schiff, das schneller als die Harpunenboote ist! Nun können wir die Flotte finden, an den Mörderschiffen dranbleiben und ihre Speere des Todes zum Schweigen bringen. Es ist ein großer Vorzug für Sea Shepherd, und ich fühle mich geehrt ein Teil der Crew darauf zu sein. Aber das hier ist kein Zuckerschlecken. Sogar alles anderes als das. So weit ist es wohl eines der meist herausfordernden Dinge die ich bisher gemacht habe: mit einem Carbonfaserboot durch die brüllenden Vierziger und wütenden Fünfziger in die unbarmherzigen Gewässer der Antarktis zu fahren. Hmm…. je mehr ich drüber nachdenke, es ist das verrückteste was ich je gemacht habe. Wie auch immer, ich glaube, dass dieses Schiff einen etwas anderen Kampf gegen die Walfänger machen wird. Einen Krieg um den Schutz der Meere in dem Freiwillige aus aller Welt ihr Leben für den Schutz der bedrohten Meeressäuger geben. Ein Kampf der nicht gefochten werden müsste, wenn die Regierungen der Welt zu ihren Zusagen stehen würden, und Umweltgesetze eingehalten werden. Aber bis dahin… machen wir es, egal was es und kostet.

Zurück zu unserer Reise: Die Wellen der 40er waren ein Gefecht mit sich selbst. Es war wie in dem Inneren einer drehenden Waschmaschine in einer weiteren Waschmaschine zu sitzen, und das ganze in einer größeren Waschmaschine und so weiter…. Ich denke ihr versteht was ich meine.

Als wir endlich die Antarktis erreichten, rutsche die Mannschaft gleich in ein Scharmützel mit der Shonan Maru No2. Eine völlig neue Erfahrung für meine vier anderen Crewkollegen, die alle neu in ihrer ersten Sea Shepherd Kampagne sind. Abgesehen von unserem Skipper Pete Bethune sind noch 3 weitere „Kiwis“ (Neuseeländer) auf unserem Schiff: Feuerwehrmann Mike, Ex-Polizist Jason und Ex-Marinesoldat Jimmy.

Es ging leider nicht alles glatt, als wir die Shonan Maru No.2 beschäftigten, und leider konnten wir das Harpunenboot nicht von der Verfolgung der Steve Irwin abbringen. Egal, wie, es war eine gute Übung und machte uns zuversichtlich es mit den Mörderschiffen aufzunehmen, die das Fabrikschiff Nisshin Maru umkreisen.

Es ist interessant zu sehen, wie nach einer heftigen Erfahrung wie diese(ja, 10m vor dem Bug eines Harpunenbootes mit richtig wütender Mannschaft zu kreuzen ist heftig) alles wieder in normalen Bahnen läuft. Nun, normal ja ,aber nicht ruhig. Um dies zu überleben und noch geistig normal zu bleiben, erfordert für eine Mannschaft von fünf Menschen auf einem engen Raum für eine lange Zeit eine komplett neue Lebensweise zu erfinden. Ein Zen-ähnliches Bewusstsein für mich zu erschaffen, hilft mir dabei. Du entwickelst Routinen die du einfach jeden Tag verbesserst. Ob es Saubermachen, Kochen oder nur einfache Übungen sind: man macht es mit einer steigernden Hingabe um somit einen meditativen Zustand zu erschaffen in dem die Zeit verfliegt. Es ist meine Art sich auf unsere Aufgabe zu fokussieren. Es ist nämlich nicht immer „Glorreiche Zeit“ hier unten. Eigentlich heißt es, während die Kampagne läuft, warten, warten, warten. Wie ein Tiger der sich an sein Opfer anschleicht, jeden Tag kriechen wir dichter an die barbarische Flotte heran, immer auf die eine Chance wartend, dem Walschlachten im Südpolarmeer Einhalt zu gebieten. Und wenn die Möglichkeit sich bietet, solltest du 100%ig mental vorbereitet sein ein letztes Kapitel für das Walfangen der Japaner in der Antarktis zu schreiben: und somit eine wirkliche Walschutzzone zu schaffen ein für alle mal.

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