Vernichten und Verleugnen – die japanische Methode beim Schiffe versenken

Freitag, 22. Januar 2010

Kommentar von Kapitän Paul Watson

Original unter: http://www.seashepherd.org/news-and-media/editorial-100122-1.html

Eine Kontroverse hat in dieser Woche in Australien aufgezeigt: man kann sich darauf verlassen, dass die japanische Regierung durchgängig die Verantwortung für ihre Aktionen zurückweist.

Was hat das absichtliche Versenken des Sea Shepherd Schiffes Ady Gil gemein mit dem absichtlichen Versenken des australischen Lazarettschiffs Centaur im Jahre 1943?

Die Antwort ist Japans Weigerung, die Verantwortung für seine Verbrechen zu übernehmen.

Im vergangenen Monat wurde das Wrack des Lazarettschiffs Centaur vor Moreton Island in Südost-Queensland gefunden.

Kaum war das Wrack entdeckt worden, erging ein Bericht des australischen Militärs an die Regierung, der die Politiker anwies, Stillschweigen über die Umstände des Sinkens der Centaur zu bewahren um jedweden Kommentar zu vermeiden, der Japan verstimmen könnte und die Beziehungen zwischen den beiden Nationen beschädigen.

Das australische Militär will einen Verteidigungspakt mit Japan unterzeichnen, trotz der Tatsache, dass Japan den Anspruch Australiens auf das Australische Antarktisterritorium nicht anerkennt und trotz der Tatsache, dass die japanischen Walfänger unter Missachtung eines Beschlusses des australischen Bundesgerichtshofes operieren, der den Walfang in australischen Gewässern verbietet.

Japan hat gedroht, den Verteidigungspakt nicht zu unterzeichnen, wenn Australien nicht von seiner Opposition gegen den Walfang zurücktrete. Es ist Premierminister Kevin Rudd zu Gute zu halten, dass er diese Forderung ignorierte und erklärte, das Versenken der  Centaur sei eine „ Verletzung der grundlegendsten internationalen und humanitären Konventionen“ gewesen.

“Die Aktion mit der damals die japanische Marine die Centaur versenkt hat, war aus unserer Sicht ein kompletter Bruch internationalen Rechts“, sagte Rudd.

Der Premierminister wies zurück, dass die Bundesregierung in einem geheim gehaltenen Dokument des Verteidigungsministeriums davor gewarnt worden sei, zu dem Vorfall Stellung zu nehmen.

Dagegen äußerte Verteidigungsminister John Faulkner, eine solche Anweisung existiere tatsächlich, sei jedoch nicht dazu vorgesehen gewesen, die Regierung zum Schweigen zu bringen.

“Bei dieser Anweisung ging es selbstverständlich nicht darum, den Premierminister zum Schweigen zu bringen”, sagte Faulkner. „Das ist absolut nicht der Fall. Die Abwehr hat das nicht getan und hatte nicht vor, das zu tun.“ Worum es in der Anweisung ging, war die Bedeutung der Kontaktaufnahme mit der japanischen Regierung wegen der Entwicklung der Planung in Hinblick auf die Auffindung der Centaur.

Obwohl Premierminister Rudd betonte, dass Japan heutzutage ein Verbündeter sei, fügte er hinzu: “Aber lassen Sie uns dazu eindeutig feststellen: die Entscheidung, ein unbewaffnetes Lazarettschiff, das wie hier klar und deutlich mit dem Symbol des Roten Kreuzes gekennzeichnet war, zu versenken, stellt eine Verletzung internationalen Rechts und eine komplette Verletzung der meisten humanitären Grundsätze dar“.

Die Centaur, ein australisches Lazarettschiff, war ein Motorschiff für Passagiere, das zu Beginn des Jahres 1943 für den Gebrauch als schwimmendes Hospital umgebaut wurde.

Am 12.Mai 1943 um 09.45 Uhr lief die Centaur ohne Begleitschutz von Sydney aus, an Bord die Crew und normale Besatzung nebst Vorräten und Ausrüstung des 2/12ten Feldlazaretts, jedoch keine Patienten. Sie wurde ohne Vorwarnung von einem Torpedo eines japanischen Unterseeboots versenkt, am 14. Mai 1943 gegen 04:00 Uhr ungefähr bei 27°17’ S, 153°58’ O, rund 50 Meilen nordöstlich von Brisbane.

Von den 332 Menschen an Bord überlebten nur 64. Diese Überlebenden trieben 35 Std. auf Flößen, bevor sie gerettet werden konnten.

Das Schiff war angemessen beleuchtet und markiert um sich als Lazarettschiff auszuweisen und sein Versenken wurde als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet. Die australische Regierung ließ Japan eine offizielle Protestnote zu dem Vorfall zustellen. Die Japaner erkannten ihre Verantwortung für den Zwischenfall nicht an und das Kriegsverbrechertribunal konnte das verantwortliche U-Boot nicht ausmachen. Jedoch machte die offizielle japanische Kriegsgeschichte deutlich, dass es U-Boot 1-177 unter der Führung des kommandierenden Leutnants Hajime Nakagawa gewesen war, das die Centaur versenkt hatte. Der kommandierende Leutnant Nakagawa war bereits als Kriegsverbrecher verurteilt worden, weil er auf Überlebende der englischen Chivalry gefeuert hatte, die er im Indischen Ozean versenkt hatte. Nach dem Krieg wurde er für sechs Jahre inhaftiert, weil er mit Maschinengewehren hilflose britische Seeleute beschossen hatte, während sie von der sinkenden Chivalry wegschwammen. Hajime Nakagawa starb 1986 im Alter von 84 Jahren, sich in Stillschweigen hüllend über die Centaur.

Der heutige Standpunkt der Japaner ist, dass die Umstände hinsichtlich der Verantwortung für das Versenken der Centaur „undurchsichtig“ bleiben. Historiker und Hinterbliebene derer, die an Bord des Lazarettschiffs waren, wiesen diese Reaktion zurück.

Tokyo hat bis jetzt nicht auf Anfragen des amtierenden Premiers von Queensland, Paul Lucas, nach einer ausdrücklichen Entschuldigung für das Versenken geantwortet, ebenso wenig wie nach einer Beteiligung an den Aufwendungen für die Suche von 4 Mio. Dollar.

Der Pilot  John Foley aus Brisbane, Co-Autor eines Buches über die Centaur von dem kanadischen Wissenschaftler Chris Milligan sagt, dass Japan seine Rolle 1979 in einer Militärgeschichte des früheren Konteradmirals Kaneyoshi Sakamoto der japanischen Landesverteidigungsakademie zugegeben habe.

Der angesehene führende  Experte Japans für U-Boot-Kriegsführung, Sakamoto und sein Buch, Die Geschichte der U-Boot-Kriegsführung, besagten, dass das japanische U-Boot 1-177 am 14.Mai 1943 die Centaur versenkte, auf Koordinaten, in deren Nähe sie gefunden wurde.

Doch ein Sprecher der japanischen Botschaft in Canberra sagte, es gebe keinen “schlüssigen Beweis”, dass Japan das getan habe. „Aus japanischer Sicht ist das ungewiß“, sagte er.

Barry McCosker, Einwohner Brisbanes, dessen Vater und Onkel Überlebende der Centaur waren, sagte er sei „geschockt“, dass die Japaner auch jetzt im Jahre 2010 noch keine Verantwortung übernähmen. „Sie können nicht ableugnen, dass sie es waren“, aber , sagte er „ich weiß, dass wir keinerlei Entschuldigung erhalten werden“.

Die Sea Shepherd Conservation Society und der Ady Gil Kapitän Pete Bethune werden höchtwahrscheinlich auch keine Entschuldigung für die Zerstörung seines Schiffes erhalten. Japan weigert sich, bei Untersuchungen durch australische und neuseeländische Schifffahrtsbehörden zu kooperieren.

Japan Vorgehensweisen haben sich seit 1943 nicht geändert. Sie haben absichtlich das Sea Shepherd Schiff Ady Gil zerstört und dann umgehend behauptet, es sei nicht ihr Fehler gewesen. Die japanischen Behauptungen gingen in ihrer Absurdität so weit, dass sie sogar Sea Shepherd beschuldigten, absichtlich einen Ölteppich verursacht zu haben, nachdem die Shonan Maru #2 die Ady Gil in zwei Teile zerlegt hatte. Der erste Teil war rasch versunken, der große Heckteil ging langsam unter, nachdem alle Bemühungen ihn zu bergen erfolglos geblieben waren. Glücklicherweise war die Crew des Sea Shepherd Schiffes Bob Barker in der Lage, das Diesel und Öl aus der Ady Gil zu entfernen, bevor sie sank.

Es hat sich nicht viel verändert. Das Versenken des Lazarettschiffs Centaur im Jahre 1943 geschah mit voller Absicht und  es war ein Kriegsverbrechen, das 278 Australier tötete, doch Japan weigert sich bis heute, die Verantwortung dafür anzuerkennen und das  im Angesicht überwältigender Beweislast.  Das Gleiche gilt für das Versenken der Ady Gil, unerheblich, welche Beweislast oder welche Ergebnisse australischer oder neuseeländischer Untersuchungen, Japan wird sich weigern, die Verantwortung einzugestehen.

Japan handelt unter der Annahme, dass internationals Recht etwas ist, das zu Japans Vorteil ausgenutzt werden muß, aber wird internationales Recht nicht anerkennen, wenn es gegen seine nationalen Interessen geht.

Selbstverständlich sind die Verbrechen, die die japanischen Waljäger im Südpolarmeer begehen kaum vergleichbar mit den abscheulichen Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs, der Geist der Verachtung für andere Nationen und internationales Recht ist derselbe.

Die Japaner sind anmaßenderweise in das Hoheitsgebiet der australischen Antarktis-Territorialgewässer eingefallen, zu dem Zweck, gefährdete und geschützte Wale in einem ausgewiesenen Walschutzgebiet zu töten, unter Verletzung des weltweiten Moratoriums zum Walfang, unter Verletzung des Antarktisabkommens und zahlreicher internationaler Umweltschutzvorschriften.

Das Ableugnen ihrer kriminellen Handlungen unter Verletzung internationalen Umweltschutz- und Seerechts befreit sie nicht von ihrer Schuld, genauso wie das Verleugnen von Kriegsverbrechen sie nicht davon freispricht, Kriegsverbrechen begangen zu haben.

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