Brief an den Herausgeber des The Australian

Freitag, 22. Januar 2010

Original unter: http://www.seashepherd.org/news-and-media/editorial-100122-2.html

Junichi Sato’s opinion piece vom 18. Januar 2010 rief Walfanggegner auf, die  öffentliche Meinung Japans für sich zu gewinnen und kritisierte die Taktiken der  Sea Shepherd Conservation Society als befremdlich für die japanische Öffentlichkeit.

Er sagte “viele wären überrascht, dass Greenpeace in den letzten zwei Jahren kein Schiff da runter und der Walfangflotte entgegen geschickt hätte“.

Ich bin sicher, dass Leute tatsächlich überrascht wären, besonders solche, die von Greenpeace-Spendensammlern auf der Straße angehauen wurden, die sich tatsächlich Sea Shepherd Kampagnen als ihren eigenen Verdienst angerechnet haben. Ich weiß das, weil solch ein Straßenhausierer das so zu mir selbst sagte, ohne zu wissen, wer ich war.

Sato sagt, dass wir die Herzen und die Köpfe der japanischen Öffentlichkeit gewinnen müßten und er sagt, die Herangehensweise von Greenpeace sei konstruktiver.

Allerdings war die Herangehensweise von Greenpeace,  ein vermutliches Verbrechen zu begehen indem sie in eine Posteinrichtung einbrachen und eindrangen und dort ein Paket Walfleisch stahlen, das an eine Privatperson adressiert war. Die Rechtfertigung von Greenpeace dabei war, das Walfleisch sei vorher von der Nisshin Maru gestohlen worden und hätte nun privat verkauft werden sollen.

Hierfür entschieden die Greenpeace-Mitglieder Toru Suzuki und Junichi Sato, dass die Aufdeckung eines Verbrechens wert sei, dafür selbst ein Verbrechen zu begehen. Sie wurden gefangengenommen und wegen Einbruchs, Hausfriedensbruchs und  Diebstahls angeklagt.

Und das Verbrechen, das sie aufgedeckt haben, war eine interne Unterschlagung innerhalb der Walfangindustrie, während doch das eigentliche Verbrechen die Walfangindustrie selbst ist.

Das ist wie wenn die australische Bundespolizei zum Nutzen von Gang-Anführern Verbrechen aufdeckt, die die kriminellen Mitglieder der Gang gegen ihre Gang-Anführer begehen. Die Walfangindustrie sagte, es sei gar kein Verbrechen begangen worden und bei den Abzweigungen der Crewmitglieder habe es sich lediglich um einen Bonus gehandelt.

Greenpeace hat daraufhin die zwei vermutlichen Diebe zu walrettenden Helden gemacht mit Multi-Millionen-Dollar direct mail-Bettelbriefen für ihre Verteidigung und das gab ihnen die Entschuldigung, kein weiteres ihrer teuren Schiffe mehr ins Südpolarmeer zu schicken, um Transparente hochzuhalten und sterbende Wale zu knipsen.

Greenpeace verurteilt die Sea Shepherd Taktiken, obwohl nicht eine einzige Sea Shepherd Aktion innerhalb der drei Jahrzehnte seit der Gründung von Sea Shepherd zu einer einzigen strafrechtlichen Verurteilung geführt hat

Der Greenpeace-Rekord beinhaltet Hunderte von Verhaftungen und Verurteilungen einschließlich schwerer Straftaten und zahlreicher erfolgreicher Gerichtsverfahren gegen Greenpeace. Greenpeace hat außerdem zahlreiche verletzte Aktivisten gehabt und sie hatten sogar Unglücksfälle auf ihren Schiffen.

Greenpeace erklärt, ihre Aufgabe sei, Zeugnis abzulegen; eine Quaker -Tradition, die aus den  Gründungszeiten von Greenpeace stammt und die besagt, dass das Böse überwunden werden kann, indem man davon Zeugnis ablegt.

Als Gründungmitglied von Greenpeace kannte ich das nicht. Diese revisionistische Philosophie war während des ersten Jahrzehnts von Operationen in den 70ern nicht Teil der Greenpeace-Aktionen. Sie wurde später angenommen und für mich ist es lediglich eine theologische Rechtfertigung für Feigheit.

Du gehst nicht eine Straße entlang, siehst, wie eine Frau angegriffen wird und tust nichts. Du gehst nicht eine Straße entlang, siehst, wie ein Kind belästigt wird und tust nichts und Du gehst nicht eine Straße entlang, siehst zu, wie ein Hündchen oder Kätzchen auf dem Gehweg totgetreten wird und tust nichts –außer ein Transparent hochzuhalten und Fotos von dem Verbrechen zu knipsen. Und deshalb betrachtest Du nicht einen Wal beim Sterben eines qualvollen Todes und hältst dabei Transparente hoch und knipst Fotos.

Ich halte Junichi Sato für weniger interessiert an der Rettung von Walen im Südpolarmeer als daran, die Greenpeace-Spenden für seine eigene Verteidigung gegen die Anklage einzusetzen, ein kleiner Dieb zu sein.

Greenpeace ließ die Wale im Ozean im Stich um in Japan eine Kampagne zur Veränderung des Bewusstseins der japanischen Öffentlichkeit zu führen. Es ist ein Fehlschlag. Die japanische Unterstützung für den Walfang ist fest verwurzelt. Sie haben null Fortschritte mit dieser erzieherischen Herangehensweise gemacht.

Sea Shepherd hingegen nimmt einen realistischeren Weg – den wirtschaftlichen! Wir müssen jedes Jahr ihre Fangquoten kappen, durch unser Eingreifen und Stören der Flotte.

Wir haben das über Jahre so gemacht. Und über vier Jahre lang hat die japanische Walfangflotte keinen Profit gemacht.

Das ist die Sprache, die sie verstehen – Profite und Verluste und wenn wir fortgesetzt ihre Profite beeinträchtigen, werden wir unser realistischeres Ziel erreichen, die japanische Walfangflotte ökonomisch zu versenken. Wir beabsichtigen, sie in den Bankrott zu treiben.

Ich würde die Hilfe von Greenpeace bei der direkten Intervention im Walschutzgebiet des Südpolarmeers begrüßen, immerhin bauen sie gerade ein 40 Mio.- Dollar-Schiff um ihre Flotte aufzustocken und das wäre zweckmäßig; jedoch seine Ressourcen in die Verteidigung zweier gemeiner Einbrecher zu leiten ist für eine so große Organisation, die ich in 1972 mitgegründet habe, einfach erbärmlich und Verrat an den Walen.

Kapitän Paul Watson

Kapitän Paul Watson ist Mitbegründer von Greenpeace (1972) und Greenpeace International (1979), der Gründer der Sea Shepherd Conservation Society und ist gegenwärtig Kapitän der Steve Irwin, die sich zur Zeit im Südpolarmeer aufhält und sich der japanischen Walfangflotte entgegenstellt.

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13 Antworten auf Brief an den Herausgeber des The Australian

  1. ThomasBuiter sagt:

    Das wirft auch die Frage auf, die ich kürzlich im Greenpeace-Blog fand:

    “Soviel ich weiss gibt es Greenpeace in Japan schon etliche Jahre und hätte man das dann nicht auch schon viel früher wissen müssen, daß das Rausfahren in die Antarktis in der japanischen Presse negativ bewertet wurde? Kam diese Einsicht erst im direkten Zusammenhang mit der Festnahme/Anklage?”

    Gefunden: http://blog.greenpeace.de/die-jagd-beginnt/

    Wäre Greenpeace auch aus dem Südpolarmeer abgezogen, wenn sie nicht die Chance hätten die Spenden auf Kosten zweier Aktivisten aber ohne den Einsatz von eigenem Geld zu sammeln?

  2. Dirk sagt:

    Greenpeace hat sicherlich eine wichtige gesellschaftspolitische Funktion in den letzten Jahrzehnten eingenommen, aber beim Thema WALFANG haben sie leider versagt. Mit der großen Medienpräsenz und den logistischen Erfahrungen/Möglichkeiten von Greenpeace wäre es für die japanische Walfang-Mafia vermutlich der entscheidende „KO-Schlag“ gewesen. Das Ziel war meiner Ansicht nach noch nie so nah wie in diesem Jahr. Eine große Chance leider vertan!!

    Jeder sollte sich nun fragen, warum werden die Greenpeace-Schiffe dort nicht eingesetzt?

    Sind es wirklich nur Profilierungsneurosen und Empfindlichkeiten gegenüber anderen Organisationen? Mit der Aussage „Wale sind aktuell nicht wichtig genug“ kann ich absolut nichts anfangen und hiermit disqualifiziert sich meiner Ansicht nach auch jeder „Aktivist“ und jede Organisation.

    Es ärgert mich aber ungemein, dass ich nun gegen Greenpeace argumentieren muss, um die aktuelle Situation der Wale darzustellen. Oft genug wurde ich aber in der Vergangenheit mit der Fragestellung konfrontiert, wieso ich SSCS und nicht Greenpeace unterstütze! Ganz einfach..Nicht reden und Fähnchen schwenken, sondern den eigentlichen Greenpeace – Slogan „Taten statt warten“ umsetzten..und so kommt man schließlich zur SSCS, die als einzige Organisation aktuell einschreitet

    Greenpeace macht eine ganz hervorragende PR (..hier sind aber auch gut bezahlte Profis am Werk) und viele assoziieren mit dem Kampf gegen den Walfang automatisch Greenpeace. Keiner will GP diskreditieren, aber aktuelle Fakten (Kein GP-Schiff vor Ort) sollten offen dargestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden! So kann jeder noch besser entscheiden, wenn das nächste Spendentöpfchen von GP einem unter die Nase gehalten wird!

    Eine nachhaltige Bewusstseinsänderung der japanischen Minderheit, die den Walfang unterstützt, halte ich für nicht wirklich zielführend. Es geht auch hier ausschließlich nur um den Profit einzelner Interessengruppen und nicht um die vorgeschobenen Argumentationskrücken (Tradition oder ähnlichen Unfug).

    Ich teile Pauls Einschätzung, dass nur über ökonomische Anreize und entsprechende Rahmenbedingungen („Kosten hoch, Profite runter“) das weitere Walschlachten zukünftig verhindern werden kann.

  3. Michael Mittelstädt sagt:

    @ Thomas,

    “Wäre Greenpeace auch aus dem Südpolarmeer abgezogen, wenn sie nicht die Chance hätten die Spenden auf Kosten zweier Aktivisten aber ohne den Einsatz von eigenem Geld zu sammeln?”

    Dein Dauerfrust und der anderer SSCS-Anhänger, dass Greenpeace Spenden mit Walschutz als Thema sammelt und dann nichts/sehr wenig konkret damit für den Walschutz macht, ist nachvollziehbar, aber solche Fragen mit eingebauten Unterstellungen wie oben sind meiner Meinung nach eher schädlich als hilfreich.

    Ich denke, dass wir im GP-Blog schon weiter waren. GP macht schon einiges, allerdings nichts Überzeugendes (meine persönliche Meinung) zum Walschutz. Wenn man ständig gegen GP angeht (“stänkert”), vergrault man nur die GP-Förderer, GP-Mitglieder und GP-Freunde, die wie von Dir berichtet, bei Demos mitmachten, mit SSCS sympathisieren und ggf. auch für SSCS spenden. Es wirkt auch irgendwie ständig aggressiv. Auch das kommt bei vielen eher Unentschlossenen nicht gut an. Die bereits überzeugten SSCS-Anhänger brauchen solche Kommentare ohnehin nicht.

    Ich halte es für sinnvoller, durch Öffentlichkeitsarbeit an jeder möglichen Stelle deutlich zu machen, dass seit zwei Jahren kein Greenpeace-Schiff gegen die japanische Waljagd im Einsatz war und dass es SSCS-Schiffe waren, die dort aktiv waren.
    Die Botschaft sollte sein:
    Es gibt durchaus gute Gründe, Greenpeace zu unterstützen, aber wer was für den Walschutz tun möchte, ist bei Greenpeace falsch und sollte andere Organisationen unterstützen. Wer dabei aktives Einschreiten vor Ort unterstützen will, findet das derzeit nur bei SSCS.

  4. Lucia sagt:

    Wenn GP vorgehalten wird auch mit dem Walschutz Spenden zu sammeln, diese dann aber mit anderen Schwerpunkten einzusetzen – sicherlich ebenfalls für sinnvolle und wichtige Dinge einzusetzen – halte ich das nicht für ein “Stänkern” gegen GP. Ich würde diese Frage gerne etwas abstrakter sehen.
    Unterstützung mit dem blossen Aufzeigen von Missständen ein zu werben, danach aber auf Grund einer schon vorher festgelegten Prioritätsliste sich der Bekämpfung anderer Misstände zuzuwenden ist das eigentliche Problem. Etwas gegen Missstände zu unternehmen ist nicht bemängelnswert – einen abweichenden Eindruck zu vermitteln ist dagegen in meinen Augen zumindest diskussionswürdig. In letzterem Fall ist so etwas wie Redlichkeit nämlich auf der Strecke geblieben. Ich halte es für wenig redlich öffentlich den Eindruck zu erwecken, man kümmere sich um einen Missstand und zu diesem Zweck dann Unterstützung ein zu werben, wenn diese dann anderweitig verwendet wird.
    Es ist die Frage nach der Redlichkeit, die die Gemüter bzgl. GP im Punkte Walschutz erhitzt – und zu Recht erhitzt, wie ich meine. Ehrlicher wäre doch zu sagen, wir haben das Ziel den Ozeanen auf dem Wege diplomatischer und juristischer Auseinandersetzungen zu helfen, dann könnte jeder potentielle Unterstützer abwägen. Er könnte abwägen, ob ihm die Diplomatie eher zusagt oder die direkte Hilfe/ Aktion für die Ozeane, die – wie SSCS es in den letzten 4 Jahren gezeigt hat – direkt messbaren Erfolg hat, nämlich jährlich mehreren Hundert Walen das Leben gerettet hat.
    Wenn es an Redlichkeit jedoch mangelt, ist der Vorwurf eine Spendenmaschinerie zu betreiben nicht weit, wie die Diskussion auch im GP blog gezeigt hat. Und genau das ist kein “Stänkern” vonn SSCS – Unterstützern – das sollte als Verschriftlichung des Unbehagens der Leser bewertet werden. Die wird man aber nicht umstimmen, wenn man den “Eitel-Freud-und-Sonnenschein-Mantel” darüber legt. Man wird diese Leser/Schreiber nur mit gelebter, offener und eben redlicher Arbeit ein zu Hause bieten können. Genau dieser Punkt hat mich nach längerem Beobachten zu einer überzeugten SSCS Unterstützerin werden lassen.

  5. Michael Mittelstädt sagt:

    @Lucia
    “Ich halte es für wenig redlich öffentlich den Eindruck zu erwecken, man kümmere sich um einen Missstand und zu diesem Zweck dann Unterstützung ein zu werben, wenn diese dann anderweitig verwendet wird.”

    Ich denke, dass dieses die Schlüsselfrage der Diskussion ist. Rein abstrakt stimme ich zu. Konkret bezogen auf den Walschutz wird es zu einer Frage persönlicher Überzeugung, ob man die Aktion der Tokyo Two und die Folgeaktionen von GP als Organisation als “Kümmern um einen Misstand” akzeptiert oder nicht. Mich motiviert die Aktion nicht, bei GP zu spenden, aber das ist eine persönliche Entscheidung. Rein messbar kann GP seit längerer Zeit beim Walschutz nichts konkret und unmittelbar an Erfolg vorweisen, aber die Verhaftung und drohende Verurteilung der Tokyo Two führt zu einer emotionalen Solidarisierung innerhalb von GP und in der Öffentlichkeit, die man nicht unterschätzen sollte. Man hat ähnliches bei den vier Verhaftungen in Dänemark nach Störung des Empfanges bei Weltklimagipfel beobachten können. Grundsätzlich finde ich auch richtig, dass man als Organisation zu seinen Leuten steht und diese öffentlich unterstützt. Ob das bei den Tokyo Two ein Folgeeffekt ist oder von der GP-Zentrale absichtlich inszeniert, will ich hier nicht beurteilen, weil mir da schlicht die Informationen fehlen.

    Ich denke, dass sich die Walfleischaktion von GP bisher nicht ganz so entwickelt hat wie von GP erhofft, jetzt kann man aber nicht mehr zurück. Man muss auch abwarten, was da im Gerichtsverfahren noch kommt. Siehe dazu GP Japan: http://www.greenpeace.or.jp/press/releases_en/pr20100115_html

    Insofern halte ich die Diskussion bzgl. Redlichkeit von GP für berechtigt, es stellt sich allerdings für mich die Frage, in welcher Form man das macht und ob man permanent als Nicht-Greepeacer öffentlich die provokative Position vertreten muss, dass das alles nur eine absichtliche Spendensammelaktion sei. Ich hatte vor einigen Tagen im GP-Blog geschrieben, dass ich beim Sichten einiger GP-Webseiten keine Seite gefunden habe, auf der mit Fotos von Schlauchbootaktionen Spenden eingeworben werden. Es sind immer die Tokyo Two, man mag sie mögen oder nicht. Insofern ist man bei GP konsequent.

    Das war 2008 noch anders. Das fand ich damals unredlich und war ein wesentlicher Grund, nach fast 25 Jahren meine Fördermitgliedschaft bei GP zu beenden. Meine damaligen Argumente kann man nachlesen unter
    http://www.deepwave-blog.de/2008/04/11/greenpeace-und-jap-waljagd-4031372/ und den Kommentaren.

    Dass einige Mitbürger ständig GP und SSCS im Südpolarmeer verwechseln, kann man nicht GP als Schuld zuweisen. Okay, GP sorgt auch nicht für Klarstellung in der Öffentlichkeit, aber das ist ja wohl nachvollziehbar.

    Gruß

    Michael M.

  6. Lutra sagt:

    Ich kann Michael M. nur zustimmen, obwohl ich auch selber oft wütend werde, wenn ich sehe, was aus GP geworden ist. Dennoch leisten sie wichtige Arbeit, auch wenn sie sich in Sachen Walschutz von der „Front“ zurückgezogen und dort aufgegeben haben. Das muss auch gesagt werden. Die ständige Kritik, die manche an GP äußern, wirkt sich in der Gründungsphase von SSCS Deutschland aber mit Sicherheit kontraproduktiv aus und kommt letztendlich doch als „Stänkern“ rüber. Darüberhinaus sind die Auseinandersetzungen zwischen GP und PW einfach schon viel zu festgefahren (siehe Buch „Ocean Warrior“), als dass man daran noch was verändern könnte.

    Unterschiede zwischen beiden Organisationen darstellen, auch Kritik äußern ist richtig und wichtig, aber Grabenkämpfe sollten auf jeden Fall vermieden werden. Selbst PW schreibt in „Earthforce!“, dass die offene Auseinandersetzung zwischen ähnlichen Interessengruppen möglichst vermieden werden sollte, da es im Endeffekt nur dem Interesse der „Gegenseite“ dient. Außerdem rät er, dass innerhalb der Bewegung ein harmonisches Miteinander angestrebt werden sollte, um die Hauptenergie auf den eigentlichen Feind richten zu können. Dem kann ich mich nur anschließen.

  7. sandbagger sagt:

    Da der im Artikel verlinkte Beitrag (“opinon piece”) von Junichi Sato offensichtlich noch nur in Englisch verfuegbar ist, nehme ich das zum Anlass, hier meine Uebersetzung einzustellen.

    Wenn der Satzbau teilweise etwas seltsam ist, so liegt das daran, dass Sato als japanischer Muttersprachler seinen Beitrag bereits ins Englische uebersetzt hatte und dieser daher nicht so fluessig geschrieben ist, wie z.B. die Beitaege von Paul Watson. Da ich mir als Uebersetzter eines solchen oeffentlichen Textes meiner Verantwortung einer genauen Wiedergabe des Inhalts bewusst bin, habe ich die “Endlos-Saetze” z.T. uebernommen.

    “opinion piece” von Junichi Sato:

    Beitraege in australischen Medien verwechseln noch immer Aktionen der Sea Shepherd Conservation group (sic) im Südpolarmeer mit Aktionen von Greepeace.

    Viele waeren ueberrascht, dass Greepeace in den vergangenen zwei Jahren kein Schiff in die Region geschickt hatte, um die Walfangflotte ins Visier zu nehmen.

    Wir haben stattdessen Kampagnen auf dem japanischen Festland gefuehrt. Es mag weit unspektakulaerer sein, doch das einzige, was letztendlich den Walfang beenden kann, ist, die Herzen und den Verstand der japanischen Bevoelkerung zu gewinnen. Was wir dazu tun koennen, ist sicher zu stellen, dass die japanische Oeffentlichkeit die Wahrheit ueber die finanziellen Interessen hinter der Fortfuehrung des Walfangs erfaehrt. Der Walfang strotzt foermlich vor Korruption und Untreue. Ich weiss wovon ich spreche, denn mir drohen 10 Jahren Freiheitsstrafe dafuer, dass ich dies aufgedeckt habe.

    Waehrend Jahr fuer Jahr Greenpeace-Expeditionen im Suedpolarmeer massgeblichen internationalen Druck generiert haben, hat das in Japan kaum Wellen geschlagen. Die wenigen Informationen, die der japanischen Bevoelkerung zur Verfuegung stehen, kommen fast ausschliesslich vom staatlich finanzierten verlaengerten Arm der Walfangindustrie, naemlich dem Institut fuer Walforschung.

    In der Tat waere man in Australien ueberrascht, wie wenig die japanische Oeffentlichkeit ueber den Walfang weiss. Eine von Greenpeace beauftragte Studie deckte auf: Mehr als 92% der japanischen Bevoelkerung weiss nicht, dass ihre Regierung jedes Jahr hunderte von Walen in der Walschutzzone im Suedpolarmeer toetet. Lediglich 5% der Japaner essen tatsaechlich Walfleisch.

    Obwohl nur wenige Japaner Walfleisch konsumieren und noch weniger vom Handel damit profitieren, ist es dem Institut fuer Walforschung, welches das so genannte Forschungsprogramm entwickelt hat, gelungen, den Walfang zu einer Frage des japanischen Nationalstolzes zu machen. Zuletzt stellte man die Aktionen gegen die japanische Walfangflotte ausdruecklich als Angriff auf die japanische Kultur dar. Diesen Ansatz griffen auch die in Japan ueberwiegend den Walfang unterstuetzenden Medien auf, und animierten die Bevoelkerung eher zu einer nationalistisch gefaerbten Gegenreaktion, als zum Mitgefuehl fuer die Wale. Dies ist der Grund, fuer die Entscheidung von Greenpeace, den Fokus unserer Kampagne auf Japan zu legen. Wir muessen beweisen, dass der Walfang eine innenpolitische Angelegenheit ist, indem wir aufzeigen, dass dies eine Belastung fuer die Staatskasse ist.

    Die Walfangindustrie kostet den japanischen Steuerzahler jaehrlich mehr als 1.2 Mrd Yen (ca. 15 Mio $). Darueber hinaus wird ein Vielfaches davon aus dem staatlichen Entwicklungshilfe-Budget ausgegeben, um Entwicklungslaender als Mitglieder der Internationalen Walfang-Kommission fuer sich zu gewinnen. Weiterhin schuldet das Institut fuer Walforschung dem japanischen Staat Kredite in Höhe von 3.2 Mrd. Yen.

    2008 stellte Greenpeace die japanische Walfangindustrie bloss, als wir Beweise fuer einen riesigen Walfleischskandal erbringen konnten: Walfaenger zweigten hochwertiges Walfleisch ab, um es auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen, und schlugen damit Profit aus einem mit Steuergeldern finanzierten Programm. Das machte Schlagzeilen und erschuetterte die (Walfang) Industrie. Als mein Kollege Toru Suzuki und ich diese Unterschlagung aufdeckten, indem wir den Behoerden ein Paket mit illegalem Walschinken, der als “Pappe” deklariert versandt worden war, uebergaben, reagierte die Regierung aeusserst schwerfaellig.

    Die wenigen, die vom Walfang profitieren, haben sehr grossen Einfluss in japanischen Regierungskreisen. Anstatt gegen die Walfangindustrie zu ermitteln, durchsuchten die Behoerden Greenpeace Bueros und verhafteten Toru und mich. Wir waren fuer 26 Tage inhaftiert und warten immer noch auf unsere Gerichtsverhandlung. Uns drohen bis zu 10 Jahre Haft wegen Diebstahls an einem Crewmitglied der Walfaenger.

    Die breitenwirksame Anti-Walfang-Kampagne gegenueber der allgemeinen Oeffentlichkeit war fuer Greenpeace ein großer Erfolg. Die japanische Bevoelkerung konnte darueber informiert werden, wie Milliarden an Foerdermitteln der Walfangindustrie zugute kommen und Steuergelder fuer das Toeten von Walen verschwendet werden, deren Fleisch die Bevoelkerung nicht mal isst. Das ist die Botschaft, die alle Japaner zu hören kriegen müssen!

    Die Regierung Rudd kann den Druck verstaerken, indem sie dafuer sorgt, dass alle Einzelheiten dieser Unterschlagung von Walfleisch von der Internationalen Walfang Kommission untersucht werden.

    Hintergruende des Falls:

    Im April 2008 stellte Greenpeace Nachforschungen ueber Hinweise von Informanten an, die auf eine organisierte Unterschlagung von Walfleisch durch Mitarbeiter des sogenannten “wissenschaftlichen” Walfangprogramms hin deuteten, einem Programm, welches vom japanischen Steuerzahler finanziert wird. Der Informant war selbst ein frueherer Mitarbeiter dieses Programms und auf seinen Rat hin, begannen Junichi Sato und Toru Suzuki eine Untersuchung, die zum Ergebnis hatte, dass stichhaltige Beweise erbracht werden konnten, die belegten, dass Pakete mit Walfleisch heimlich an die Privatadressen von Crewmitgliedern der Walfaenger versendet wurden – um dann mit Profit verkauft zu werden. Junichi haendigte im Mai 2008 der Tokioter Staatsanwaltschaft ein Paket mit diesem Walfleisch aus und erstattete Anzeige wegen Unterschlagung. Die Ermittlungen wegen Unterschlagung wurden allerdings am 20. Juni eingestellt – am selben Tag wurden die beiden verhaftet und verbrachten in der Folge 26 Tage in Haft, bevor sie schliesslich wegen Diebstahls sowie unbefugten Betretens angeklagt wurden. Ihnen drohen derzeit zehn Jahre Haft fuer ihre Vergehen. Viele der Hauptbeweisstuecke, die fuer ihre Verteidigung benoetigt werden, wurden unter Verschluss genommen. Insbesondere fehlen insgesamt 15 Seiten an wichtigen Aussagen. Der Fall wird im District Court verhandelt; Verhandlungsbeginn ist am 15. Februar (2010).

    Zum ersten Mal veroeffentlicht in The Australian am 18. Januar 2010.

    Junichi Sato ist einer der beiden Greepeace-Aktivisten, die wegen Abfangens eines Pakets mit Walfleisch angeklagt sind. Dies war Teil einer Ermittlung gegen organisierte Unterschlagung innerhalb des mit Steuergeldern finanzierten, “wissenschaftlichen” Walfangs. Besser bekannt als die “Tokyo 2″, werden Sato und Toru Suzuki beschuldigt, ein Paket mit Walfleisch gestohlen zu haben. Der Fall wird im District Court verhandelt und die Verhandlung beginnt am 15. Februar (2010).

    Vor seiner Verhaftung war Junichi Sato Leiter der Walfang-Kampagne bei Greenpeace in Japan.

  8. Jan sagt:

    @sandbagger

    Eine sehr schöne Übersetzung, keine Frage. Vielen Dank.

    “heavy-handedly” hätte man vielleicht angesichts der im nachfolgenden Absatz geschilderten Aktionen auch mit “plump” übersetzen können, weil “schwer-fällig” war das Vorgehen der Regierung gegen Greenpeace ja eigentlich nicht. Aber für den Zweck hier spielt das keine Rolle.

    In Absatz 4 hast du einen Satzeinschub nicht übersetzt, aber auch das ist nebensächlich und kann passieren, wenn es schnell gehen soll.

    Lebst du in der Schweiz, weil du auf Umlaute verzichtest?
    Wie lange hast du für die Übersetzung gebraucht?

    Und ist das jetzt ein Friedensangebot, d.h. hättest du Interesse künftig auch Sea-Shepherd-Texte zu übersetzen (und nicht nur Texte, die die Position von Greenpeace wiedergeben, lol)?

    Wenn deine Selbstattribuierung als “sandbagger” kein Euphemismus ist, was hast du denn sonst noch so drauf, ich meine, außer gute Übersetzungen machen zu können?

  9. Michael Mittelstädt sagt:

    @sandbagger

    Danke!

    Mit Gruß

    Michael M.

  10. Dirk sagt:

    @ sandbagger
    Vielen Dank für die sehr gute Übersetzung! Diese -teilweise- elendigen langen Sätze in eine noch “lesbare” deutsche Version zu bringen, ist schwierig, aber das hast du bei diesem Text wirklich gut “hingekriegt!!

    @ Michael M.
    Ich freue mich über jeden Kommentar von dir, denn du bringst es häufig gut “auf den Punkt”. An dieser Stelle einfach mal auch ein DANKE von mir! ;o)

    Gruß

    Dirk

  11. sandbagger sagt:

    Vielen Dank fuer die zustimmenden Beitraege. Um hier in den Kommentaren nicht wieder ein Abschweifen zu provozieren, habe ich meine Antworten auf die gestellten Fragen ins Forum verlegt.

    http://forum.migaloo.de/index.php?page=Thread&threadID=374

  12. Michael Mittelstädt sagt:

    @ Dirk

    Danke, aber da gibt es eigentlich nichts zu danken!

    Andere stehen bei lausiger Kälte einen Tag in Hamburg auf der Straße, versuchen andere Leute von der Notwendigkeit des Walschutzes zu überzeugen und müssen sich teilweise blöde Kommentare anhören. Wiederum andere schlagen sich Nächte um die Ohren, um Texte zu übersetzen. Dann gibt es diejenigen, die unten im Südpolarmeer oder anderswo unterwegs sind, um etwas zum Schutz des Meeres und von Meerestieren zu erreichen. Das ist nicht alles nur Spaß, Abenteuer und Heldentat, sondern oft einfach nur harte Arbeit.

    Ich versuche hier wie auch in anderen Blogs letztlich nur eines zu verdeutlichen: Im Grunde haben wir Meeres- und Meerestierschützer ein gemeinsames Ziel. Es gibt zugegebenermaßen unterschiedliche Meinungen über die Mittel und Wege, trotzdem kann man bei etwas Kompromissbereitschaft Allianzen bilden, sich unterstützen und zusammenarbeiten, als Einzelpersonen und als Organisationen.

    Gruß

    Michael M.

  13. Dirk sagt:

    @ Michael
    Hamburg war wirklich lausig kalt, aber „blöde“ Kommentare haben wir –meines Wissens- nicht erhalten. Ganz im Gegenteil. Die Zustimmung war riesig und zeigt deutlich, dass auch diese Basisarbeit wichtig ist.

    Wir haben gemeinsame Ziele und wenn es uns gelingen würde –rein hypothetisch- alle kleinen Splittergruppen in einer Dachorganisation zu organisieren, würden unsere Bemühungen sicherlich um ein Vielfaches effizienter sein. Ein großes Netzwerk (Lobby) und es bedarf wenig Fantasie, um sich dann die Möglichkeiten vorzustellen. (Informationsverdichtung, Aktionsbündnisse, Einkaufsrabatte für Flyer o.ä. usw.).

    Lutra hat zu dieser utopischen (?) Vorstellung im Forum einen sehr guten Beitrag geschrieben. (http://forum.migaloo.de/index.php?page=Thread&threadID=374)…aber träumen sollte ja erlaubt sein. ;o)

    Gruß

    Dirk