Kampagnenbericht aus der Antarktis – Wale erfolgreich verteidigt

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/news-100308-1.html

Montag, 8. März 2010
Kampagnenbericht aus der Antarktis – Wale erfolgreich verteidigt

Schiffe sind entbehrlich, bedrohte Walarten nicht

2009-2010 Antarktische Walschutz-Kampagne: Operation Waltzing Mathilda

Nach drei langen, ermüdenden und dramatischen Monaten in der entlegensten und feindlichsten See der Welt wurden die Sea-Shepherd-Schiffe Steve Irwin und Bob Barker von vielen jubelnden Anhängern am Samstag, 6. März 2010, im Hafen von Hobart, Tasmanien, begrüßt.

Sea Shepherd hat gerade die anspruchsvollste und erfolgreichste Kampagne zum Schutz der Großwale abgeschlossen, die wir jemals unternommen haben. Operation Waltzing Mathilda, die sechste Reise in das Walschutzgebiet des Südpolarmeeres gegen die illegalen Walfang-Aktivitäten der japanischen Walfang-Flotte, war verblüffend wirkungsvoll.

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In den drei aufeinander folgenden Wochen vom 5. Februar bis zum 26. Februar haben wir die gesamte japanische Walfang-Flotte daran gehindert, auch nur einen einzigen Wal zu töten. Im Monat zuvor haben wir die Walfänger 12 Tage lang ausgeschaltet, was insgesamt volle 33 Tage ohne Walfang macht, also ein Drittel der gesamten Walfang-Saison. Hinzu kommt, dass die Harpunenschiffe Shonan Maru 2 und Yushin Maru 3 ihre Beteiligung am Walfang durch unser Vorgehen abbrechen mussten, um als Sicherheitsschiffe gegen das Einschreiten von Sea Shepherd vorzugehen, und das hinderte diese beiden Schiffe fast während der gesamten Walfang-Saison daran, Wale zu töten.

Das endgültige Ergebnis werden wir erst erfahren, wenn die japanische Walfangflotte im April in Tokio Bericht erstatten wird, aber wir haben ihre Tötungsquoten in den vergangenen drei Jahren fast halbiert und dieses Jahr war wesentlich erfolgreicher, so dass das Ergebnis sehr zufriedenstellend zu werden verspricht. Wir wissen, dass wir die Walfänger mehrere zehn Millionen Dollar entgangener Profite gekostet haben.

news_100308_1_2_20100106_The_Ramming_of_Ady_Gil_0140_(JAM)Aber dieser Erfolg hatte seinen Preis. Wir haben eines unserer drei Schiffe verloren, als unser neu beschafftes schnelles Abfangboot Ady Gil vom japanischen Harpunenschiff Shonan Maru 2 absichtlich gerammt und in zwei Stücke gerissen wurde. Die sechs Besatzungsmitglieder der Ady Gil sind in dieser Kollision nur knapp mit ihrem Leben davon gekommen und der 1,5 Millionen US-Dollar teure High-Tech-Trimaran Ady Gil sank und war verloren.

Damit muss man aber natürlich rechnen, wenn man seine Schiffe absichtlich in Gefahr bringt, um Wale vor ihren erbarmungslosen Mördern zu schützen. Unser Standpunkt ist, dass Schiffe entbehrlich sind, bedrohte Walarten aber nicht.

news_100308_1_3_20100108_Ady_Gil_ramming_25_(GL)Tatsächlich unterband die Ady Gil die Walfangbemühungen so erfolgreich, dass die japanischen Walfänger nach nur zwei Tagen ihres Einsatzes am 6. Januar beschlossen, das Boot in einer feigen Aktion zu zerstören. Die Ady Gil wurde getroffen, als sie ohne Antrieb im Wasser dümpelte. Die Shonan Maru 2 machte eine jähe und beabsichtigte Wendung, um die Ady Gil mit Höchstgeschwindigkeit zu treffen, während sie gleichzeitig unablässig mit ihren Hochleistungs-Wasserkanonen und weitreichenden akustischen Waffen auf die Besatzung der Ady Gil zielte.

Im weiteren Verlauf der Kampagne verloren wir eines unserer Crewmitglieder, als die japanischen Walfänger Captain Peter Bethune von der Ady Gil gefangen nahmen. Unerschrocken hatte er die Shonan Maru 2 im Schutz der Dunkelheit geentert während das Harpunenschiff mit 15 Knoten Fahrt unterwegs war. Er schaffte es, die zum Schutz vor Eindringlingen aufwendig angebrachten Eisenzacken und Netze zu überwinden – und das, ohne entdeckt zu werden. Anderthalb Stunden blieb er versteckt an Bord der Shonan Maru 2 um den Sonnenaufgang abzuwarten, damit unser Hubschrauber ihn aus der Luft filmen konnte, als er ruhig die Seitentreppe zur Brücke hinauf stieg. Er klopfte und überreichte dem japanischen Walfang-Kapitän, der für das kriminelle und rücksichtslose Rammen verantwortlich war, gelassen einen Bürger-Haftbefehl sowie die Rechnung über den Wert seines versenkten Bootes.

news_100308_1_4_20100115_3449__CR2_(GL)Daraufhin wurde Captain Bethune gepackt und gefangen genommen, um als erster Kriegsgefangener aus Neuseeland seit dem Zweiten Weltkrieg vom Südpolarmeer nach Japan gebracht zu werden.

Erstaunlicherweise verließ das japanische Harpunenschiff Shonan Maru 2 die Flotte, um Captain Bethune in einer Eilaktion auf die wochenlange Reise nach Japan mitzunehmen, was sie erhebliche Summen kostete und, noch weitaus wichtiger, was bedeutete, dass sich das Schiff nicht weiter am Walfang beteiligen konnte. Allein dadurch hat Captain Bethune Dutzenden Walen das Leben gerettet. Die Shonan Maru 2 wird Mitte März in Japan erwartet und Sea Shepherd hat dafür gesorgt, dass er von juristischen Experten verteidigt wird, wenn er in Japan eintrifft..

Trotz der im Vergleich zu den Vorjahren gesteigerten Aggressivität der japanischen Walfänger war die Sea-Shepherd-Mannschaft in der Lage, das Walabschlachten zu unterbinden, ohne dass auch nur ein einziger Walfänger durch uns verletzt worden wäre.

In diesem Jahr hatten wir eine mächtige Geheimwaffe. Der Großzügigkeit der amerikanischen Fernsehpersönlichkeit Bob Barker ist es zu verdanken, dass wir in Afrika einen ehemaligen norwegischen Walfänger kaufen konnten. Wir überführten ihn nach Mauritius und bereiteten ihn im Verborgenen für sein Auslaufen in das Südpolarmeer am 18. Dezember vor.

Die Steve Irwin war am 7. Dezember aus Freemantle in Westaustralien ausgelaufen und die Ady Gil verließ Hobart in Tasmanien am 18. Dezember.

news_100308_1_5_20100110_Bob_Barker_icebergs_5_1633_CR2_(GL)Der Einsatz der Bob Barker unterlief sehr erfolgreich die japanische Taktik, die Steve Irwin beschatten zu lassen, was die Annäherung unseres Flaggschiffes an die japanische Walfang-Flotte verhinderte, weil unsere Position in Echtzeit an die Nisshin Maru weitergeleitet wurde und sie uns so ausweichen konnte. Die Steve Irwin war gezwungen, nach Tasmanien zurückzukehren um ihren Schatten loszuwerden. Als wir zurückkehrten hatte die Yushin Maru 3 den Auftrag, nach der Steve Irwin zu suchen. Zur gleichen Zeit bewegte sich die Bob Barker in östlicher Richtung entlang der Eiskante und verkleidet als ein norwegisches Walfangschiff erwischte sie die japanische Walfangflotte völlig überraschend.

Die Bob Barker wäre in der Lage gewesen, die japanische Walfangflotte den ganzen Januar lang zu verfolgen, wenn die Shonan Maru 2 nicht die Ady Gil absichtlich gerammt und zerstört hätte. Aufgrund dieses Vorfalls musste die Bob Barker stoppen, um unsere Mannschaft auf der Ady Gil in Sicherheit zu bringen.

In dieser Saison wird unsere antarktische Walschutz-Kampagne im dritten aufeinander folgenden Jahr von einer TV-Serie dokumentiert. Die Fernsehshow “Whale Wars” von Animal Planet hat das gesamte Drama der Konflikte und Auseinandersetzungen in HD-Qualität eingefangen, so dass es keine Zweifel geben kann, was dieses Jahr im Walschutzgebiet des südlichen Ozeans geschehen ist.

Im Februar wurde die Bob Barker absichtlich von der Yushin Maru3 gerammt und trug an Backbord einen ein Meter langen Riss im Heck ihres Rumpfes davon. Die Crew war in der Lage, Notreparaturen durchzuführen.

news_100308_1_6_20100206_3648_Nishan_Maru_rams_Bob_Barker_(GL) news_100308_1_7_20100217_Nisshin_Maru_research_sign_painted_in_red-7663_(BV)

Die Sea-Shepherd-Crew bekämpfte die Walfänger mit Wasserkanonen, Stinkbomben aus verdorbener Butter und konnte die verlogenen “FORSCHUNGS”-Schriftzeichen auf beiden Seiten des Schiffs erfolgreich mit blutiger roter Farbe überspritzen

Unsere Kampagnen haben sich inzwischen tatsächlich in jeder Hinsicht zu einem Krieg um das Leben der Wale entwickelt. Von den Kämpfen mit Wasserkanonen zwischen den Schiffen bis hin zu den Machtproben auf höchstem diplomatischen Niveau zwischen Australien und Neuseeland einerseits und Japan auf der anderen Seite wird diese Schlacht auf vielen Ebenen und an vielen Orten geführt. Mit Schiffen, die gerammt und versenkt wurden, und einem Kriegsgefangenen, der nach Japan deportiert wurde, war der Konflikt in diesem Jahr intensiver als jemals zuvor.

news_100308_1_8_20100208_3961_Steve_Irwin_meets_Barker_in_front_of_whalers_03_(GL)Denoch ist es hier unten in dieser kalten und entlegenen See an der eisgesäumten Küste der Antarktis wo die Schiffe und die Mannschaft von Sea Shepherd die größte Wirkung erzielen, indem sie das Leben von hunderten Walen retten und die gesetzlosen Walfänger aus Japan zehnmillionen Dollar entgangener Gewinne kosten.

Wir können außerdem große politische und mediale Erfolge verbuchen. In allen internationalen Medien und besonders in Japan wurde ausführlich über die Kampagne berichtet. Umfragen in Australien zufolge befürworteten 91% der Befragten unsere Kampagne. Diese unglaubliche öffentliche Unterstützung zwang den australischen Premierminister Kevin Rudd letztlich dazu, sein Wahlkampfversprechen einzulösen und juristische Schritte gegen die japanischen Walfangaktivitäten einzuleiten.

Nachdem nun die Operation Waltzing Mathilda die erfolgreichste Kampagne gegen den Walfang war, die jemals von Sea Shepherd unternommen worden ist, müssen wir uns neue Strategien und Taktiken überlegen, wenn wir unsere Schiffe darauf vorbereiten, im Dezember 2010 erneut in das Walschutzgebiet im Südpolarmeer auszulaufen, um den japanischen Piratenwalfänger wieder entgegen zu treten, falls sie in diese Gewässer zurückkehren.

Unser Ziel ist einfach – wir müssen die japanische Walfangflotte ökonomisch versenken, wir müssen sie in den Bankrott treiben. Die einzigen Worte, die die Walfänger tatsächlich verstehen, heißen Gewinn und Verlust, und unsere Aufgabe ist es, ihre Verluste in die Höhe zu treiben und ihre Gewinne zu schmälern.

Das Geheimnis des Erfolgs ist es, niemals zu kapitulieren, den Kampf niemals aufzugeben und damit fortzufahren, die Mörder Jahr für Jahr solange hart zu treffen, bis sie bankrott sind, so dass sie politisch und ökonomisch gezwungen sein werden aufzuhören.

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2 Antworten auf Kampagnenbericht aus der Antarktis – Wale erfolgreich verteidigt

  1. Dirk sagt:

    Die Operation „Waltzing Mathilda“ war sehr erfolgreich und Dank der vielen Spender und Förderer (auch hierzulande) sind die Möglichkeiten nun erheblich besser geworden. Denkt nur zurück an den genialen Schachzug mit der „Bob Barker“. KEINER hat es geahnt und es ist nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Ob diese Geheimhaltung einer anderen Organisation auch gelungen wäre, wage ich zu bezweifeln. Die weltweite Gemeinde wächst täglich und somit auch unsere Möglichkeiten. Was die japanische Flotte in diesem Jahr erleben durfte, war nur ein kleiner Vorgeschmack und im nächsten Jahr werden vermutlich nicht „nur“ 3 Schiffe auf die Walmord-Flotte warten!

    Nun gilt es aber, Captain Peter Bethune im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen! Ich bin mir aber sehr sicher, dass die japanischen Behörden mit Peter und der Anklage keinen wirklich großen Spaß haben werden. ;o)

    Ist leider ein wenig untergegangen, aber ich finde die Pressekonferenz mit Paul in Brisbane sehr aussagekräftig und eigentlich ein MUSS, um die SSCS zu verstehen.

    http://www.youtube.com/user/SeaShepherdSubtitles

    Danke an Patrick (TheNoway).. SUPER JOB !!!!

  2. Moby Dick sagt:

    Weiter so! Go Watson Go!