Maritime Gerechtigkeit im Lande Australien

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/editorial-100510-2.html

Montag, 10. Mai 2010
Maritime Gerechtigkeit im Lande Australien

Antwort von Captain Paul Watson auf die offizielle australische Stellungnahme zur Zerstörung des Sea-Shepherd-Schiffes Ady Gil

Gerade haben wir den Bericht der Australischen Behörde für die Sicherheit auf See (AMSA) erhalten, der den Titel trägt: “Untersuchungsbericht über die gemeldete Kollision zwischen dem in Neuseeland registrierten Schiff Ady Gil und dem in Japan registrierten Walfangschiff Shonan Maru No. 2 am 6. Januar 2010 im Südpolarmeer.“

Ich habe schon vor Monaten vorhergesagt, dass die Untersuchung zu keinem Ergebnis kommen würde, weil sich Japan wie schon 2007 einer Zusammenarbeit verweigern würde, als sie unser Schiff Robert Hunter gerammt haben.

Und tatsächlich: das Fazit der AMSA ist, dass die Untersuchung nicht abgeschlossen werden konnte, weil Japan sich geweigert habe, an der Untersuchung mitzuwirken.

Genauso gut könnte die Polizei sagen, “ja, wir haben den Banküberfall auf Video und wir haben jede Menge Zeugen, ABER leider wollte der Bankräuber nichts dazu sagen und deshalb haben wir den Fall zu den Akten gelegt“.

Jetzt haben wir einen Bericht mit 22 Seiten Umfang darüber, warum sie über den Vorfall zu keinem Ergebnis kommen konnten.

Auf Seite 4 stellt der Bericht fest, dass der Vorfall nicht in den territorialen Gewässern Australiens stattgefunden habe. Die von uns festgestellte GPS-Position der nur wenige hundert Meter entfernt gewesenen Bob Barker war 64 Grad, 2 Minuten, 0,835 Sekunden Süd und 143 Grad, 5 Minuten, 52 Sekunden Ost. Das ist innerhalb der australischen antarktischen Wirtschaftszone.

Im Bericht steht, die Untersuchung sei durch fehlende Zeugen erschwert worden, aber in Wirklichkeit wurde der gesamte Vorfall von sechs Crewmitgliedern der Ady Gil und zahlreichen Crewmitgliedern von Sea Shepherd sowie dem TV-Team auf der nahe gelegenen Bob Barker miterlebt.

Im Bericht steht, die Untersuchung sei durch die „Qualität“ des Videomaterials erschwert worden. Tatsächlich aber gab es drei Blickwinkel, aus zweien von ihnen machten professionelle Kameramänner Aufnahmen, einer auf der Ady Gil und der andere auf der Bob Barker. Die dritte Blickrichtung war die aus Richtung des japanischen Schiffes Shonan Maru 2. Die Videos stammen also vom getroffenen Schiff, der Ady Gil, vom rammenden Schiff, der Shonan Maru 2, und aus der Position des beobachtenden Kameramanns auf der Bob Barker. In der maritimen Geschichte dürfte es vermutlich sehr wenige Kollisionen geben, die aus drei unterschiedlichen Perspektiven auf Film dokumentiert wurden. Zu behaupten, die Qualität des Filmmaterials sei schlecht, ist lächerlich. Millionen von Menschen konnten die Aufnahmen in HD-Qualität im Fernsehen sehen.

Im Bericht steht, die Untersuchung sei erschwert worden, weil es schwierig gewesen sei, Zeugen zu befragen. Tatsächlich aber wurden alle sechs Crewmitglieder der Ady Gil befragt.

Auf Seite vier des Berichts wird festgestellt, dass der Bericht unabhängig von den Untersuchungen der Australischen Bundespolizei über die Kollision, die auf Ersuchen Japans stattfinden, durchgeführt wurde. Mit anderen Worten, Japan weigert sich, zur AMSA-Untersuchung beizutragen, verlangt aber, dass die Australische Bundespolizei eine eigene Ermittlung gegen Sea Shepherd durchführt.

Auf Seite sechs des Berichts wird festgestellt, die Position der Kollision habe an einem Ort stattgefunden, der sich 1300 Seemeilen südlich von Tasmanien und 170 Seemeilen nördlich der Küste des antarktischen Kontinents befindet. Dann hat der Zwischenfall innerhalb der australischen antarktischen 200-Meilen-Territorialzone (AATZ) stattgefunden, aber der Bericht behauptet, der Vorfall habe sich nicht innerhalb der AATZ ereignet.

Damit argumentiert der AMSA-Bericht, dass der Vorfall zwar innerhalb der AATZ stattgefunden habe, er jedoch für den Zweck des Berichts dennoch in internationalen Gewässern geschehen sei.

Auf Seite 11 stellt der AMSA-Report fest, dass die Shonan Maru 2 in der Nähe geblieben sei, aber auf das Notruf-Signal der Ady Gil nicht geantwortet habe. Die Bob Barker habe geantwortet und die Crew gerettet. Der Bericht enthält die Zeugenaussagen und das Filmmaterial der Ady-Gil-Mannschaft und die Filmaufnahmen von der Bob Barker. Die Japaner weigerten sich, Videos oder Zeugenaussagen zur Verfügung zu stellen.

Auf Seite 12 wird berichtet, dass die AMSA Informationen von der japanischen Regierung angefordert habe. Im Bericht steht, „Die japanische Regierung hat daraufhin der australischen Regierung mitgeteilt, dass sie keine Informationen zu den Fragen der AMSA zur Verfügung stellen könnten, weil die Möglichkeit bestünde, dass das Material in Untersuchungen durch japanische Behörden benötigt würde.“ (Anscheinend gibt es in Japan keine Kopierläden).

Der Bericht stellt fest, dass Japan sich geweigert habe, Informationen für den Zeitpunkt des Zwischenfalls in Bezug auf Uhrzeit, Position, Wetterbedingungen, Seegang und Meeresströmungen zur Verfügung zu stellen. Mit anderen Worten, die Botschaft war: „mit Euch reden wir nicht“.

Abschließend schreibt die AMSA, dass “es nicht Aufgabe dieser Untersuchung sei, den Beschuldigungen nachzugehen, die die japanische Regierung gegen Sea Shepherd erhebt“. Dem Bericht zufolge werde aber derzeit eine solche Untersuchung auf Bitte der japanischen Regierung durch die australische Bundespolizei vorgenommen.

Daraus lässt sich nur der Schluss ziehen, dass Australien Japan in dessen Untersuchung gegen Sea Shepherd behilflich ist, Japan sich aber weigert, Australien in seiner Untersuchung gegen das Tun der Shonan Maru 2 zu unterstützen.

Tatsache bleibt, dass der Kapitän der Shonan Maru 2 ein Multimillionen-Schiff gerammt und versenkt hat und dabei um ein Haar sechs Crewmitglieder getötet hat, von denen einer gebrochene Rippen davontrug, aber niemand aus Australien, Neuseeland oder Japan diesen Kapitän befragt hat.

Stattdessen wurde der Kapitän der Ady Gil verhaftet und wird immer noch als Gefangener festgehalten, obwohl er das Opfer des Kapitäns der Shonan Maru 2 war.

Die Ady Gil hatte Wegerecht, weil sich die Ady Gil auf der Steuerbordseite der Shonan Maru 2 befand, aber das wird in dem Bericht nirgendwo erwähnt. Stattdessen behauptet der Bericht, das Video scheine zu zeigen, dass die Shonan Maru 2 zurückgekehrt sei, um der Ady Gil Hilfe anzubieten. Das ist nicht geschehen und das Wort „scheine“ im Bericht ist vorurteilsbehaftet. Außerdem wird nirgendwo erwähnt, die Shonan Maru 2 „scheine“ auf der Backbordseite der Ady Gil gewesen zu sein, obwohl das Video deutlich aufzeigt, dass die Shonan Maru 2 ausweichspflichtig gewesen ist. Stattdessen kann man sehen, dass sie ihren Kurs in Richtung steuerbord und nicht backbord geändert hat, eine Kursänderung, die zu der Kollision geführt hat, durch die die Ady Gil in zwei Stücke zerrissen wurde. Weiterhin sieht man im Video wie die Shonan Maru 2 ihre Wasserkanone vor, während und nach dem Rammen auf die Crew der Ady Gil ausrichtet. Kein Wort davon im Bericht. Stattdessen wird im Bericht festgestellt, die Ady Gil habe die japanische Flotte ständig belästigt, wodurch suggeriert wird, aus diesem Grund sei die Ady Gil für den Vorfall verantwortlich.

Die AMSA-Analyse

“Aufgrund des eingeschränkten Auftrags an die AMSA den Vorfall zu untersuchen, des mangelnden Zugangs zur Crew und des Fehlens einer detaillierten Stellungnahme der Shonan Maru 2, war die AMSA nicht in der Lage, genügend Beweismittel zusammen zu tragen, um die Umstände hinsichtlich der Einhaltung der [Seerechts-]Regularien vollständig untersuchen oder den Tatbestand erschließen zu können.“

Der Bericht spricht von fehlenden persönlichen Befragungen (Seite 13), tatsächlich wurden jedoch alle Crewmitglieder der Ady Gil und Crewmitglieder der Bob Barker persönlich befragt.

Im Bericht steht, AMSA hätte den Wahrheitsgehalt der Antworten des Kommandanten und der Mannschaft der Ady Gil nicht durch andere, unabhängige Zeugenaussagen oder Informationen überprüfen können, obwohl die professionelle Filmcrew an Bord der Bob Barker als Augenzeugen zur Verfügung standen.

Letzten Endes ist also ein neuseeländisches Schiff von einem japanischen Walfänger im australischen Antarktisterritorium gerammt und zerstört worden. Der Zwischenfall wurde von drei Kameras festgehalten und von dutzenden Menschen an Bord von zwei Schiffen beobachtet, darunter unabhängige Pressevertreter, und die AMSA sagt, sie könne keine abschließenden Einschätzung abgeben, weil eine der beteiligten Parteien, die japanischen Walfänger, sich weigern, an der Untersuchung mitzuarbeiten.

Dieser Bericht setzt neue Maßstäbe darin, wofür Untersuchungen nicht geeignet sind. Eine Untersuchung abzuschließen, weil eine der verantwortlichen Seiten nicht willens ist mitzuwirken, ist die Botschaft an andere, dass man einer Anschuldigung leicht entgehen kann, wenn man einfach nur die Zusammenarbeit mit den Behörden verweigert.

Auch die neuseeländische Marinebehörde führt eine Untersuchung durch und hat ebenfalls bekannt gegeben, dass Japan sich einer Zusammenarbeit verweigert. Ich wette darauf, dass Japan den Tipp aus dem AMSA-Bericht gerne aufnehmen wird, welchen Vorteil die Verweigerung einer Mitwirkung hat, und mit Neuseeland auch weiterhin nicht zusammenarbeiten werden.

Das hat natürlich zur Folge, dass Japan grünes Licht dafür hat, die Gewalt in der nächsten Saison zu steigern. Nachdem sie jetzt wissen, dass sie ein Schiff versenken können, ohne dazu auch nur befragt zu werden, wird ihnen klar sein, dass sie noch aggressivere Mittel einsetzen können, um die illegalen Aktivitäten der Walfangflotte zu verteidigen.

Im unwahrscheinlichen Fall, dass auf den Sea-Shepherd-Schiffen in der nächsten Saison jemand von der japanischen Walfangindustrie getötet wird oder Personen verletzt werden, haben Australien und Neuseeland eine Teilschuld daran, weil sie vor Japan gekuscht und das Recht nicht aufrecht erhalten haben.

Schließlich gilt es, an Handelsverträge zu denken, und Japan ist es gewohnt, das zu bekommen was Japan will.

Es ist erstaunlich, dass nur eine kleine regierungsunabhängige Organisation den Mumm hat, den Verbrechen der japanischen Walfangflotte Paroli zu bieten, während Regierungen ihren Schwanz einziehen oder von den Japanern dafür bestochen werden, wegzuschauen oder das Abschlachten der sanftesten, intelligentesten und sozial komplexesten fühlenden Wesen auf diesem Planeten – den Walen – zu unterstützen.

Die australische Regierung hat versprochen, sich für die Wale einzusetzen. Sobald sie gewählt waren, haben sie dieses Versprechen gebrochen. Stattdessen haben sie im Umgang mit den Verteidigern der Wale eine passiv aggressive Rolle eingenommen. Mit anderen Worten, sie reißen ihr Maul auf, tun aber kaum etwas, und was geblieben ist, sind „Postkartenbilder von Walen, betrügerische Ablenkungstricks und hohles Posieren.“ Genau diese Worte hat der jetzige Umweltminister Peter Garrett vor seiner Wahl und vor der Übernahme des Ministeramtes benutzt, als er darüber sprach, dass die Liberale Regierung nichts tue, um die Wale vor Japan zu schützen.

Anders ausgedrückt, auf die Opposition in Australien können sich die Wale immer verlassen, wer auch immer sie ist oder sein wird, aber höchstwahrscheinlich niemals auf eine gewählte Regierung (mit der Ausnahme, dass die Grünen an die Macht kämen).

Glücklicherweise haben die Wale die Unterstützung der australischen Bevölkerung und die wird Kevin Rudds Regierung bei den Wahlen in diesem Jahr daran erinnern, dass die Wahlurnen in Australien stehen und nicht in Japan.

Der AMSA-Bericht ist wertlos und stinkt nach politischer Einflussnahme. Eine Untersuchung einzustellen, weil eine der beteiligten Seiten sich einer Zusammenarbeit verweigert, bedeutet, den ganzen Untersuchungsprozess der Lächerlichkeit preiszugeben.

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