Es wäre vermeidbar gewesen

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/news-100510-1.html

Montag, 10. Mai 2010
Es wäre vermeidbar gewesen

Original: It Could Have Been Avoided

Einleitung von Kapitän Paul Watson

Die jüngste verheerende Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hätte vermieden werden können, wenn ein früherer Bundesbeamter der EPA (US-Umweltschutzbehörde) seinen Job hätte tun dürfen. Scott West, der nun für die Sea Shepherd Conservation Society arbeitet, ging von der EPA aus vorzeitig in den Ruhestand, nachdem die Bundesregierung seiner Untersuchung über grobe Fahrlässigkeit bei British Petroleum (BP) in Alaska in 2006 den Hahn zugedreht hatte. West war auf dem besten Wege, einige BP – Führungkräfte ins Gefängnis zu bringen, als seine Untersuchung vor ihrer Fertigstellung gewaltsam gekippt wurde und BP eine 20-Millionnen-Dollar-Ordnungsstrafe zahlte und sich des Begehens eines Rechtsverstosses schuldig bekannte. Hätte man West erlaubt, seine Untersuchung fertig zu stellen, dann wären einige BP-Führungskräfte sehr viel motivierter gewesen, mehr Vorsorgemassnahmen zu treffen, um sicherzustellen, dass Störfälle wie der, der sich am „Tag der Erde“ im Golf ereignete, nicht hätten eintreten können.

Die Unterbrechung des Laufs der Gerechtigkeit hat nun die Folgen des Kompromisses der Bundesregierung mit denjenigen hervorgebracht, die nunmehr für die verheerendste Ölkatastrophe der Geschichte verantwortlich sind.

Der folgende Artikel stammt von dem ehemaligen EPA – Agenten Scott West. West ist jetzt Direktor der Untersuchungen für Sea Shepherd.

Scott wurde in der vergangenen Woche in der Newsweek zu diesem Störfall zitiert:

http://www.newsweek.com/id/237651

BP – “Beyond Prosecution”

(BP – „Bestrafung Pseudomäßig“ – wörtlich: über Strafverfolgung erhaben, Anm. d.Ü.)

Kommentar von Scott West

Zumindest scheint es so zu sein. Ich habe beobachtet, wie zwei sehr gute kriminalpolizeiliche Ermittlungsverfahren von Bush’s (2) Justizministerium (DOJ) abgewürgt wurden und musste ebenso ungläubig mitansehen, wie meine Dienststelle, die Umweltschutzbehörde (EPA), mit der Justizbehörde (DOJ) in Gleichschritt verfiel. Bei den beiden Rechtsfällen handelte es sich um das kriminallpolizeiliche Ermittlungsverfahren der Texas City Refinery – Explosion und das kriminalppolizeiliche Ermittlungsverfahren der Transitpipeline – Ruptur im März 2006 auf dem Nordhang von Alaska. Im ersten Fall wurde eine ganze Zahl von Arbeitern getötet bzw. verletzt und im zweiten Fall trat die größte Ölpest (in Alaska) seit der Exxon Valdez auf.

Ich denke, wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass BP (Unternehmen fällen keine Entscheidungen, das tun die Leute, die sie betreiben) nicht vorhatte, eine ihrer Raffinerien in die Luft zu jagen, seine Angestellten zu töten und zu verletzen oder kostbares Rohöl auf der Tundra oder in einen gefrorenen See zu versenken. Was also machte diese „Unfälle“ zum Gegenstand kriminalpolizeilicher Ermittlungen? Es war eine Unternehmenskultur, die Kosteneinsparungen auf jeder Ebene belohnte, und die rau mit jedem umging, der dem Management schlechte Nachrichten überbrachte. Üblicherweise zeigten sich die Kosteneinsparungen bei den Aufwendungen für die Sicherheit der Arbeiter und beim Schutz der Umwelt, und die Arbeiter lernten, Äußerungen über ihre Besorgnis hinsichtlich dieser Zustände zurückzuhalten, weil, wenn einmal ausgesprochen, das gewöhnlich im Verlust ihrer Lebensgrundlage endete. Damit haben wir die Lage in diesen beiden Rechtsfällen, wo Einsparungen vorgenommen und die geäußerten Bedenken der Arbeiter ignoriert wurden. Die Gesellschaft hatte die internen Informationen vorliegen um zu wissen, dass Explosionen eintreten und Rohre platzen können, trotzdem unternahm sie nicht die vorausschauenden Schritte vernünftiger Menschen um diese Probleme anzugehen. Das ist grobe Fahrlässigkeit und das ist kriminell.

Als Kriminalermittler möchte ich sicherstellen, dass wir die höchstrangigen Leute der Organisation erreichen, die die fahrlässigen Entscheidungen trafen, oder die Kenntnis davon hatten, dass diese getroffen wurden. Wir wollen diese höherrangigen Leute außerdem zur Rechenschaft ziehen, damit sie davon Notiz nehmen und richtig handeln, sowohl innerhalb der Organisation, gegen die ermittelt wird als auch bei anderen in der Branche. Abschreckung ist von entscheidender Bedeutung für einen winzig kleinen Laden von Kriminalermittlertruppe, so wie der von der EPA eingesetzten. Diese Ermittler können nicht jedes Umweltverbrechen angehen, daher ist Abschreckung erwünscht um die Zahl der Kriminellen und der Verbrechen zu reduzieren. Vernachlässigbare Geldstrafen gegen die Firmen und Verbrechensbekenntnisse der Firmen ziehen keine Einzelpersonen zur Rechenschaft und tun nichts zur Entstehung von Abschreckung, auch nicht in den rechtsbrechenden Firmen. BP war ein umweltkrimineller Wiederholungstäter, als diese beiden Straftaten stattfanden.

Auch ziehen die Unternehmen nicht wirklich konstruktive staatsbürgerliche Lehren aus ihren Untaten wenn/falls gegen sie ermittelt wird, wobei die Regierung auf hoher (möglicherweise sogar der höchsten) Ebene einsteigt und dann den engagierten, hart arbeitenden Ermittlern und Strafverfolgern den Boden unter den Füßen wegzieht. Ich sah, wie das in dem Fall mit dem Ölteppich geschah und tat alles, was ich konnte, um diesen Rechtsbruch zu verhindern. Mein Amtskollege in der Ermittlung gegen die Raffinerie versuchte ebenso, das Richtige zu tun. Unser Management innerhalb der EPA -kriminalpolizeilichen Ermittlungsabteilung hat, statt ihre leitenden Fachaufseher zu unterstützen, uns beide niedergeschmettert. Ich war Zeuge vergleichbarer Situationen sowohl unter demokratischer wie republikanischer Amtsführung, aber ich muss gestehen, was ich persönlich mit der (DOJ) Justizbehörde (und EPA) in dem Ölteppich-Fall miterlebt habe, war absolut himmelschreiend und widerlich. Ich quittierte so schnell ich konnte den Dienst und nahm ein Bad, um den Gestank abzuwaschen. Ich ging außerdem an die Öffentlichkeit mit meiner Anklage. Es gab eine anfängliche Welle des Interesses bei Kongress und Medien, doch mit dem Wechsel in der Amtsführung war das Interesse nur von kurzer Dauer.

Jetzt haben wir diese Katastrophe im Golf von Mexiko. Was sonst könnte das sein im Hinblick auf Tod, Verletzungen und Zerstörung der Umwelt?

(s.a. http://www.bild.de/BILD/news/2010/05/13/oel-golf-von-mexiko-delfine/jetzt-sterben-die-tiere.html , Anm. d. Ü.)

Als ich das erste Mal von der Explosion der Ölplattform hörte, sagte ich zu meiner Frau, dass es wahrscheinlich eine BP – Ölplattform sei, und tatsächlich lag ich richtig. Außerdem möchte ich wetten, dass wenn die Untersuchungen diesen Falles abgeschlossen sind, er etwas mit Kosteneinsparungen zu tun haben wird. Es werden sich voraussichtlich auch Angestellte melden, deren Äußerungen über ihre Besorgnis ignoriert wurden.

Ich glaube nicht daran, dass BP irgendeine Lektion gelernt hat, und zwar aufgrund der Tatsache, dass unsere Regierung in den vorangegangenen Fällen nicht mehr unternommen hat als BP einen Klaps auf die Finger zu verabreichen. BP hat nicht die Menschen der USA und die Umwelt im Stich gelassen. BP hat einfach nur getan, was Unternehmen eben tun. Es war unsere Regierung, die uns im Stich gelassen hat. Lasst uns hoffen, dass es eine widerstandsfähige und unbehinderte kriminalpolizeiliche Ermittlung im Fall dieses „Unfalls“ geben wird und dass es den Strafverfolgern erlaubt wird, entsprechende Anklagen bis zum Ende zu führen. Vielleicht erst dann wird es kein nächstes Mal geben.

Scott West
Abteilung für Information und Ermittlungen
Sea Shepherd Conservation SocietySpezialagent vom Dienst (im Ruhestand)
US EPA Kriminalpolizeiliche Ermittlungsabteilung

Weiterführender Lesestoff zu diesem Thema:

http://www.newsweek.com/id/237651

http://www.seashepherd.org/news-and-media/news-081106-1.html

http://www.seashepherd.org/news-and-media/news-081119-1.html

http://www.peer.org/news/news_id.php?row_id=1123

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2 Antworten auf Es wäre vermeidbar gewesen

  1. Seiji Oujiru sagt:

    Wo bleibt eigentlich der Aufschrei der Gutmenschen, die sich eben noch über die Stellungnahme der FDP zum Walfangkompromiss in der IWC aufgeregt haben? Wieso gibt es hier keine Kommentare?

    Kommen in dem Öl nicht auch Wale [samt Delfinen] ums Leben?

    Ach so, ja klar, das ist ja im Westen passiert. Da ist es nicht so schlimm.

    Drill, baby, drill! ~ Wir brauchen Diesel für unsere SUV und unsere Kriegsschiffe im Südpolarmeer, die dort laut Antarktisvertrag zwar nichts zu suchen haben, aber trotzdem vor Ort sind.

  2. Informisten sagt:

    Über diese Katastrophe mit der Ölplattform oder ähnliche Themen könnt ihr euch auch bei informisten.de austauschen. Die Informisten Plattform ist ein interaktives soziales Netzwerk, zum Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen Verbrauchern mit wirtschaftlichen und sozialen Schäden.