Ölsterben – Das Schlachtfeld im Golf von Mexiko, über das BP kein Nachdenken wünscht

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/editorial-100607-1.html
Montag, 7. Juni 2010
Ölsterben
Das Schlachtfeld im Golf von Mexiko, über das BP kein Nachdenken wünscht

Original: OIL KILL
The Gulf of Mexico Killing Fields BP Doesn’t Want You Thinking About

Kommentar von Dr. Joe MacInnis

Sea Shepherd Beratungsgremium

25.Mai 2010

Seit dem 20. April hat eine außer Kontrolle geratene Ölquelle auf dem Grund des Golfs von Mexiko mehr als sieben Millionen Barrel Öl ausgespien. Überwiegend lag der Fokus bisher auf der Eindämmung des gewaltigen Ölteppichs auf der Oberfläche. BP wartete wochenlang mit der Veröffentlichung erster Bilder des aus dem Bohrloch heraussprudelnden Öls, was nahelegt, dass das Unternehmen versucht, die Zerstörung des Lebens in den fünfzehnhundert Metern über dem Meeresgrund herunterzuspielen.

STELLEN SIE SICH EINE UNTER WASSER GELEGENE SCHADSTOFFFAHNE AUS ÖL VOR, die viermal höher ist als das Empire State Building. Sie beginnt am Meeresgrund und donnert aus einer geborstenen zwanzig-Inch-Leitung mit einer solchen Macht heraus, dass der Boden zu schwanken scheint.

Da es eine geringere Dichte als Meerwasser hat, quillt das Öl zur Oberfläche, schwarz und schwimmfähig. In dieser Tiefe, fünfzehnhundert Meter unter der Oberfläche, gibt es kein Licht, sodass das Öl unsichtbar ist – eine mörderische schwarze Präsenz inmitten ewiger Dunkelheit. Während es aufsteigt, schwillt es an zu Gewitterwolken, brodelnden Wolken und zerfetzten Säulen. Kleinere Schadstofffahnen brechen von der Hauptfahne weg und treiben ab in die Strömungen. Einige dieser abgerissenen, verkleinerten Schadstofffahnen bleiben hängen und erreichen nie die Oberfläche.

Nachdem sie mehr als tausend Meter aufgestiegen ist, gleitet die sich ausbreitende Schadstofffahne in die niedrigeren Schichten der sonnendurchschienenen Zone hinein. Langsame Strömungen zerteilen sie in zerrissenen Dunst und aufwärts, Strände flutend. Viele Kilometer weit in jede Richtung ist das Meerwasser durchsetzt von schwarzen Fäden, kleinen Tröpfchen und öligen Dunstschwaden. Wenn das Öl die Oberfläche erreicht, gibt es Stellen an denen der Geruch von Sumpf-/Faulgas und Schwefel Menschen krank machen kann.

In den Steuerhäusern der Bohrinseln und Hilfsschiffe, die über der Schadstofffahne treiben, lautet das Mantra „Kontrolle“: Kontrolle des Bohrlochabsperrventils, Kontrolle der „top hat“-Stahlbetonglocke, Kontrolle der Entlastungsschächte, Kontrolle der Tauchroboter mit ihren fünffach funktionsfähigen Armen, Kontrolle des vom Meeresgrund heraufströmenden Öls. Die ungleichmäßigen Ölteppiche und Ölfilme, die sich bis zum Horizont ausbreiten, belegen, wie weit die Lage in Wirklichkeit außer Kontrolle geraten ist.

Die Männer auf den Schiffen sind Deckhelfer, Bohrarbeiter, Maschinisten, technische Experten und Öl-Einsatzkommandos der Küstenstädte wie Morgan City, Grand Isle und Venice. Sie haben rund um die Uhr gearbeitet, von dem Augenblick an, als der Hochdruck-Einschluss natürlichen Gases an dem Bohrlochabsperrventil vorbeischoß, die Steigleitung hochdonnerte, die Bohrinsel umschloß und in einen glühend heißen orangen Feuerstoß ausbrach, der nicht nachließ, bis die Plattform unter der Wasseroberfläche verschwand. Die Konstruktion von der Größe eines Stadtviertels mit seinem gewaltigen Stahlturm, der seine Bohrgestänge sieben Meilen tief in die Erdkruste bohrte, liegt nun in einem sonderbaren Winkel friedlich auf dem Meeresgrund.

Die Tiefsee unterhalb der Bohrplattformen und Hilfsschiffe ist ein Ort des Todes und schaurigen Geheimnisses. Sie birgt elf Männer, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannten, als die Plattform in die Luft flog. Sie birgt die rußgeschwärzten Überreste einer Milliarden-Dollar-Bohrinsel. Sie verbirgt den abscheulichen Schlund eines außer Kontrolle geratenen Öl-Bohrlochs. Für Haie, Wale und tausende anderer Spezies ist sie der Ort eines unkalkulierbaren Massakers.

Der Meeresgrund in dieser Ecke des Golfs von Mexiko hat Namen wie Sounder Canyon, Dauphin Dome, West Florida Slope und Mississippi-Alabama Shelf. Es ist ein wilder Verlauf sedimentbedeckter Ebenen, unregelmäßiger Hügel, abschüssiger Klüfte und schroffer Täler. Bereits über einen Monat driftet die immer weiter wachsende Ölfahne durch dieses unsichtbare Reich, das die Larven und Neugeborenen der Snapper, Delfine, Lobster, Schwertfische und Blauflossenthunfische beherbergt. Das Wunder des Todes und der Verstümmelung von jungen und ausgereiften Tieren umfasst Wunden an Augen, Wunden an Mäulern, Wunden an Kiemen, Wunden an Mägen, Wunden an gallertigem Bindegewebe und Sauerstoffmangel im Stoffwechsel.

Der Zellschwarm des Todes setzt sich bis ganz zur Oberfläche hin fort, wo Phytoplankton – die Lunge des Planeten – verwüstet wird von der Gewalt des Öls und der Chemikalien, die zu seiner Dispersion verwendet werden. Billionen auf Billionen auf Billionen toter Kieselalgen und Dinoflagellaten (Phytoplankton, Anm.d.Ü.) regnen durch die schmierige Prozession des aufsteigenden Öls herunter. In tiefem Wasser mischen sie sich mit zahllosen Kadavern von Ruderfußkrebsen und in noch größerer Wassertiefe mit den leblosen Überresten großer Fische, kleiner Fische, Schildkröten und Wirbelloser. Die Sintflut des Mega-Todes setzt sich fort, bis die Überreste auf dem schaurigen Grund des Golfs zur Ruhe kommen.

Dies ist die Unterwasser – Geschichte des Deep Water Horizon-Ölsterbens – die Geschichte, über die Du nach dem Willen der BP nicht nachdenken sollst.

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JOE MACINNIS ist Arzt und verbrachte seine frühen Berufsjahre mit der medizinischen Unterstützung gewerblicher Taucher, die an Öl-Plattformen und Pipelines im Golf von Mexiko arbeiteten. Er tauchte bis zu 4.000 Meter in Forschungs-U-Booten im Atlantik und Pazifik und arbeitet zur Zeit an einem Buch über Führungskompetenzen in lebensbedrohlichen Umgebungen. Für mehr Information s. drjoemacinnis.com

(s.a.: http://de.wikipedia.org/wiki/Ölkatastrophe_im_Golf_von_Mexiko_2010 , Anm. d. Ü.)

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8 Antworten auf Ölsterben – Das Schlachtfeld im Golf von Mexiko, über das BP kein Nachdenken wünscht

  1. Lucia sagt:

    Die Beschreibung des Geschehens an der Unglückstelle ist – so dramatisch das Beobachtbare auch ist – eben nur eine Beschreibung der Unglückstelle und des direkten Umfeldes. Nur, das Öl bleibt nicht dort im Golf von Mexico, es verteilt sich durch Wind und Wellengang und in kurzer Zeit werden wir es auf der “Autobahn” namens Golfstrom finden, in einer großen Kurve durch den Golf von Mexico und dann nach Norden. Eine unvorstellbare Katastrophe nimmt dann ihren Fortgang. Heute kann keiner ausschließen, dass der Süßwasser-Salzwasser Motor der Golfstromes vor der Arktis dadurch nicht ins Stottern gerät. Unter den mehr als 500 chemischen Verbindungen, die das Stoffgemisch Rohöl ausmachen befinden sich eine ganze Reihe wasserlöslicher Schadstoffe, die auf ihrer Reise nach Norden Kataloge von Grenzwerten überschreiten werden. Wahrscheinlich wird man den Menschen aber den dann gefangenen und eigentlich ungenießbaren Fisch kommentarlos und ohne jegliche Kontrolle zum Verzehr vorsetzen. Und der Schaden bleibt nicht auf Fische allein begrenzt. Innerhalb weniger Stunden ist rund ein Drittel der chemischen Verbindungen des Rohöles verdunstet. Diese Giftwolke treibt mit dem Wind auch an Land, regnet mit dem nächsten Regen auf die Äcker und beginnt dort eine weitere tödliche Attacke.
    Unvorstellbarer Wahnsinn führte zu diesem Szenario. Vorhandene Alternativen werden aber mit einem – bis heute noch – unschlagbaren Argument verhindert – die bestehenden Bohranlagen still zu legen wäre der wirtschaftliche Tod der Ölkonzerne. Rohöl brauchen wir heute nicht mehr aus der Erde pumpen, wir könnten es wesentlich billiger und einfacher selber herstellen!!
    Mehr als zwei Drittel der Menschen hat keinen Zugang zu Klärwerken, mit hinlänglich bekannten Folgen für die allgemeine Seuchengefahr. Mit den Abwässern, die wir Menschen allein produzieren, könnten Mikro-Algen in Algenklärwerken proudziert werden – derartige Anlagen existieren schon und haben ihre konkurrenzlos gute Arbeit nachgewiesen. Diese Algen können in einem der natürlichen Erdölgenese nachempfundenen Prozess zu Rohöl aufbereitet werden. Das so erhaltene Rohöl ist von unabhängigen Labors untersucht, der Verfahrensprozess wird im August diesen Jahres als Patentschrift öffentlich lesbar sein, die Ölkonzerne kennen das Patent ….aber sie können es nicht nutzen, da die Stillegung der Ölförderanlagen wirtschaftlich nicht verkraftbar wäre.
    Es gäbe aber eine Möglichkeit – wenn die Welt begreift, dass es keine Klemme in der Rohölversorgung gibt, das es keinen peak oil gibt, da wir das Öl in ausreichender Menge selber herstellen können. Und dazu noch preiswerter als das in Tiefen wie an der Unfallstelle geförderte Öl!! Erst wenn der Ölpreis zusammenbrechen würde, weil es somit kein Spekulationsgut mit Wettmöglichkeiten auf den peak oil mehr ist, weil es keine geopolitische Waffe mehr ist, weil dann auch Länder ohne Primärenergieträger, wie z.B. Marokko und viele andere, sich dann unabhängig von den Ölförderern machen könnten, …erst dann wird es ein Umdenken geben. Der Ölpreis wird aber nur deutlich nachgeben, wenn möglichst viele Menschen von der Möglichkeit der Rohölversorgung über Algenklärwerke und den nachfolgenden HTO-Prozess zur Rohölherstellung wissen – informieren wir sie also!

    Das wäre auch praktischer Klima- und Naturschutz!

  2. Jabba sagt:

    Interessant. Gibt es zu dem neuen Verfahren irgendwelche Quellen? Das Umweltbundesamt hat noch vor einem Jahr den Preis für einen Liter Biodiesel aus Algen auf ca. €50,- geschätzt. http://bit.ly/98MWUj

  3. JackvKrae sagt:

    quellen in net sind mir nicht bekannt, es gab aber schon eine dokumentation im tv dazu (ntv glaub ich). interessante sache. bleibt zu hoffen das die konzerne das patent nicht einfach kaufen und in der schublade verschwinden lassen.

  4. Lucia sagt:

    Hallo Jabba, Hallo JackvKrae

    die genannten Veröffentlichungen beziehen sich nicht auf das von mir genannte HTO-Verfahren.
    Ich bin Dipl. Geophysikerin und habe in fast 15 jähriger Arbeit zur Genese von Erdöl das HTO-Verfahren entwickelt und zum Patent angemeldet. Das mit diesem Verfahren hergestellte Öl ist KEIN Biodiesel – es ist ganz normales Rohöl, wie es aus rund 1500 Bohrlöchern auf der Welt gefördert wird. Der Produktionspreis ist daher nicht mit dem o.g. zu vergleichen und wird ganz extrem von den Herstellungskosten der Algen bestimmt. In Photobioreaktoren lassen sie sich zwar auch herstellen, aber ihr Preis wäre für eine Rohölproduktion viel zu teuer. Stellt man sie aber mit Hilfe von Algenklärwerken her, wo die Abwässer die Nahrungsgrundlage mit sich führen, so erhält man eine Mischung aus Mikroalgen und Bakterien deren Produktionskosten es erlauben Rohöl deutlich unter dem derzeitigen Rohölpreis zu produzieren.
    Versuche das Patent in der Schublade verschwinden zu lassen laufen gerade, da es aber mein Verfahren ist, wird das nicht passieren. Derzeit wird versucht eine Veröffentlichung, die ja maßgebliche Verfahrensschritte preisgibt, zu verhindern. Auf derartige Verträge werde ich mich aber nicht einlassen.
    Ab August, wenn die Patentveröffentlichung statt findet, werden weitere Informationen zum HTO-Verfahren auf meiner website ( http://www.Lucia-Sanders.de ) zu finden sein.

    Eine Anekdote noch zu den Untersuchungen des künstlich hergestellten Rohöls. Ein Labor hat es ohne zu wissen, dass die Probe künstlich hergestellt wurde, untersucht und es als Rohöl aus Venezuela identifiziert … sie haben schlichtweg nicht einmal gemerkt, dass dieses Rohöl gerade mal ein paar Tage alt war und statt in hundert tausenden Jahren in nur wenigen Minuten entstanden war.

    Grüße
    Lucia Sanders

  5. TheNoway sagt:

    Hallo Lucia,

    ich habe zwar von dem ganzen gar keine Ahnung, aber das hört sich ja echt wahnsinnig interessant an.

    Diese Verfahren scheint ja wirklich zu schön um wahr zu sein. Es ist zwar nicht das Gelbe vom Ei, da meiner Meinung nach die zukünftige Energieversorgung aus Wind und Sonne bestehen muss und auch wird. Aber bis das soweit ist, dauert’s ja noch etwas.

    Weil selbst wenn das Öl nicht mehr aus 1000 m Tiefe gefördert wird, oder wie in Kanada aus Sand, ist die Verbrennung, des aus Algen hergestellten Öls, am Ende trotzdem noch zusätzlicher CO2 Ausstoß!

    Aber wie gesagt. Ich hoffe es wird von einem Unternehmen bald im großen Stil angewendet.

    Grüße,
    Patrick

  6. Mausewix sagt:

    hmm verstehe ich das nun richtig das man aus scheise …
    [*schäm* schuldige thomas]
    Gold machen kann wenn auch schwarzes gold????

    Gruss mause

  7. Jabba sagt:

    Wow, erst mal einfach wow. Laut englischer Wikipedia waren die genauen Abläufe bei der Katagenese von Erdöl bisher noch gar nicht vollständig geklärt. Vermutlich drückt HTO eine gewisse Ähnlichkeit zum HTC-Verfahren bei Biokohle aus. Du hast, wie ich gesehen habe, bereits ein Patent auf dem Gebiet.

    Der Preis “deutlich unter dem derzeitigen Rohölpreis” deutet auf eine hohe Effizienz des Verfahrens hin. Das klingt fast zu schön. Bitte verzeih meine Skepsis, aber ich werde frühestens im August in den Staub fallen, und anschließend die Korken knallen lassen. :-)

  8. Lucia sagt:

    @ Jabba
    Es ist richtig, bislang war die Entstehung von Erdöl noch mit einigen Fragen versehen. Es gab Vermutungen, das Erdöl würde auf Grund des Ölgehaltes der Algen entstehen, andere Veröffentlichungen untersuchten den Gehalt an Kohlenwasserstoffen. Sie wurden aber meist schon nach kurzer Zeit widerlegt, da entweder die Mengen zu klein waren oder der vermutete Entstehungsweg nicht auf alle Ölquellen zutraf.
    Ohne den Veröffentlichungen im August vorweg zu greifen, Erdöl entsteht nur aus marinen Mikroalgen und Bakterien – nicht aus landgebundener Biomasse. Der Grund liegt im Aufbau dieser Biomasse. Es gibt keine Öllagerstätte an Land, die zur Entstehungszeit des Öls nicht unter Wasser gestanden hat. Es gibt zwar teerhaltige Schiefer und Sande, die nicht unter Meerwasser gestanden haben, dort gibt es auch Kohlenwasserstoffverbindungen – aber eben kein Rohöl, wie wir es heute fördern. Der Grund liegt in der Menge der and diesen Stellen vor Urzeiten abgestorbener Biomasse, kleinere Süßwasserseen haben nur so wenig Mikroalgen oder Bakterien produziert, dass zwar Kohlenwasserstoffverbindungen entehen konnten, aber eben zu wenig für eine Öllagerstätte. Oder wie im Falle Kanada, förderten geologische Prozesse die teer/ölhaltigen Sedimente zu früh aus dem heißen Tiefen der Erde nach oben.
    Nun, es gäbe hier noch viel zu ergänzen – dafür ist hier aber nicht der Platz.

    @ Mausewix
    ja, das Abwasser mit der Sch… und den anderen Nährstoffen in ihm ist die Nahrungsgrundlage zur Produktion von Mikroalgen und Bakterien…..und damit eben auch für die Herstellung von Rohöl.

    @ Patrick
    ich hoffe mit Dir und werde alles dafür tun.
    Neben Verbrennung, wäre aber so auch die Rohstoffversorgung der chemischen und pharmazeutischen Industrie gedeckt.