Ritter der Konsequenzen

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/editorial-100609-1.html
Mittwoch, 09. Juni 2010

Ritter der Konsequenzen

Verteidigung und Ehrung Kapitän Paul Bethunes und der Grundsätze der Sea Shepherd Conservation Society

Kommentar von Kapitän Paul Watson

Die Komplikationen, die die Sea Shepherd-Kampagnen begleiten, sind immens. Selten sind die Dinge einfach, und die Gründe dafür ist die Komplexität, eine internationale marine Umweltschutzorganisation zu betreiben, die abhängig von Leidenschaft, Hingabe und unglücklicherweise der Unberechenbarkeit von Freiwilligen.

Ich habe immer betont, dass die Art der Leidenschaft, die Freiwillige mitbringen, etwas ist, das nicht angeheuert werden kann. Profis sind einfach nicht vergleichbar. Wie Sir Ernest Shackleton einst bemerkte, als er wegen der Unerfahrenheit und mangelnden Professionalität seiner Crew kritisiert wurde „ich brauche Männer voll Leidenschaft, die mich zum Pol bringen und diese Art von Leidenschaft kann man nicht kaufen, die ist nur im Engagement Freiwilliger zu finden“.

Seit 1977 habe ich das Steuerruder der Sea Shepherd Conservation Society unter meinem Kommando gehabt und während dieser Zeit war es mir Ehre und Sorge zugleich, die Einsatzbereitschaft von 4500 Freiwilligen erlebt zu haben. Einige wenige ließen zu wünschen übrig, aber die meisten von ihnen waren bemerkenswert und Einige ganz außergewöhnlich.

Ausbalanciert innerhalb des fragilen Rahmenwerks organisierter Leidenschaftlichkeit, muss ich praktikable logistische Entscheidungen fällen, nicht nur in Hinblick darauf , dass wir Erfolg mit unseren Kampagnen erzielen, sondern auch im Hinblick darauf, die Integrität und das Fortbestehen Sea Shepherds als Organisation zu schützen.

Und es war diese Strategie der Balance, die zum Erreichen des bemerkenswerten Rekords geführt hat, dessen sich Sea Shepherd erfreut: keine Verletzungen verursacht, keine ernstlichen Verletzungen erlitten, keine zivilen Gerichtsprozesse und keine richterlichen Verurteilungen wegen strafbarer (Kapital-) Vergehen.

Die Anwendung dieser Strategie hat manchmal zu Kritik in der Öffentlichkeit geführt, in den Medien und gelegentlich unter unserer eigenen Crew und Unterstützern. Und diese Kritik ist unabhängig von der Kritik, die wir üblicherweise aus der Öffentlichkeit und den Medien für die Strategien und Taktiken unserer Kampagnen bekommen.

Kürzlich war Sea Shepherd genötigt, eine Entscheidung zu fällen, die uns verständlicherweise bei einigen unserer Unterstützer unbeliebt gemacht hat. Wir hatten zu verkünden, dass Kapitän Pete Bethune nicht zur Sea Shepherd Crew wird zurückkehren können, wenn wir im Dezember 2010 ins Südpolarmeer zurückkehren um die Wale zu verteidigen.

Das war keine leichte Entscheidung, es war eine Entscheidung, die aus Notwendigkeit getroffen wurde, sowohl für Kapitän Bethune als auch für die Sea Shepherd Conservation Society.

Kapitän Bethune ist ein wahrer Held, nicht nur für Sea Shepherd, sondern für die Menschen rund um die ganze Welt, die Wale lieben und die brutale und erbarmungslose Schlächterei dieser Wale beendet sehen wollen. Er hat Opfer gebracht und er hat wiederholt sein Leben riskiert, um die Wale zu verteidigen. In dieser Hinsicht ist Kapitän Bethune kein Einzelfall in meiner Crew, aber in Hinblick auf die Operation Waltzing Matilda war er außerordentlich.

Doch er hat einen elementaren Grundsatz der Einsatzregularien der Sea Shepherd Conservation Society verletzt und so blieb uns keine Alternative, als die Entscheidung zu fällen, dass Kapitän Bethune nicht an zukünftigen Kampagnen teilnehmen wird.

Kapitän Bethune hatte dem japanischen Gerichtshof bereits mitgeteilt, dass er nicht zurückkehren würde und unsere Entscheidung überzeugte die japanischen Richter noch weitergehend davon, dass sie nichts zu befürchten haben, wenn sie Pete nach Hause zurückkehren lassen. Die Richter sind besorgt, dass sie ihr Gesicht verlieren würden, wenn sie ihn bloß freiließen um gleich wieder ein anderes Walfangschiff im Südpolarmeer zu besteigen. Dass Kapitän Bethune aussagte, er werde nicht zurückkehren, war nicht ausreichend um die Richter zu überzeugen, doch seine Aussage, unterstützt durch Sea Shepherds Entscheidung, dass er nicht mehr teilnehmen werde, wird wesentlich dazu beitragen, die Besorgnis der Richter zu mindern.

Was die Verletzung der Grundsätze Sea Shepherds angeht, liegt es nicht in unserem oder Kapitän Bethunes Interesse, in irgendwelche Details zu gehen. Es ist einfach ausreichend für uns zu sagen, dass wir gezwungen waren, diese Entscheidung zu treffen, aus sehr guten Gründen sowohl im Interesse Kapitän Bethunes als auch Sea Shepherds.

Anschuldigungen, dass Sea Shepherd Kapitän Bethune aufgegeben hätte, sind unwahr. Kapitän Bethunes Prozesskosten, die Sea Shepherd abzudecken hilft, sind schnell auf hunderttausende Dollars angelaufen. Wir haben geholfen, das beste verfügbare Anwaltsteam in Japan für ihn zu beschaffen. Wir werden auch weiterhin Rechtshilfe für Kapitän Bethune bereitstellen.

Anschuldigungen, dass Sea Shepherd, und insbesondere ich, Kapitän Bethune angewiesen hätten, die Shonan Maru 2 im Südpolarmeer zu betreten, sind unwahr. Kapitän Bethune hatte zu einem Zeitpunkt während seines Verhörs der japanischen Küstenwache gesagt, er hätte auf meinen Befehl hin gehandelt. Diese Beschuldigung führte dazu, dass die japanische Küstenwache einen Haftbefehl gegen mich erließ. Kapitän Bethune sandte mir einige Wochen später ein Schreiben, in dem er sich dafür entschuldigte und sagte, dass er die Aussage zurückziehen würde und das hat er getan.

Unglücklicherweise hat die japanische Küstenwache den Haftbefehl nicht zurückgezogen. Ich glaube, unter Berücksichtigung der eindringlichen Verhörmethoden der japanischen Vernehmungsbeamten ist es verständlich, warum Kapitän Bethune ihnen die Information gab, die sie wollten und ihnen Dinge sagte, die er ihnen zu hören geben wollte. Ich hege deswegen keinen Groll gegen ihn.

Kapitän Bethune stand im Verlauf seiner Einkerkerung mit stundenlangen, Tag für Tag stattfindenden Verhören unter enormem Druck. Wir wissen, wie heftig das sein kann, weil im November 2003 Kapitän Alex Cornelissen und Crewmitglied Allison Lance ohne Möglichkeit, auf Kaution freizukommen, festgehalten wurden, ohne Rechtsanwalt und mit Verhören über etliche Wochen, bevor sie freigelassen wurden.

Er wurde zudem von seiner eigenen Regierung im Stich gelassen, einer Regierung, die sich feige weigerte, die Neuseeland-Flagge seines Schiffes Ady Gil zu verteidigen und verweigerte, seine Rechte als Staatsbürger Neuseelands zu verteidigen. Der Kapitän der Shonan Maru 2 rammte und zerstörte die Ady Gil mit voller Absicht. Das war ein Schiff, das Bethune selbst gebaut hatte und mit dem er einen Weltrekord der Weltumseglung aufgestellt hatte. Und dennoch weigerte sich die japanische Regierung, den japanischen Kapitän wegen des Rammens zu vernehmen und gab damit grundsätzlich grünes Licht für weitere japanische Gewaltakte gegen Sea Shepherd in der nächsten Saison.

Ich denke dennoch, dass es Licht am Horizont gibt für Kapitän Bethunes Freilassung. Der japanische Gerichtshof wird ihn wahrscheinlich schuldig sprechen.(Schließlich haben sie eine 98%ige Verurteilungsrate, was genug ist um sich zu fragen, warum sie sich überhaupt damit plagen, Anwälte zu haben und verdammt teure noch dazu!)

Sea Shepherd konzentriert sich darauf, Bethune aus der japanischen Gefangenschaft freizubekommen, wo er als Kriegsgefangener behandelt wird und ihn in sein Heim in Neuseeland zurückkehren zu sehen, wo er wieder mit seiner Familie und Freunden vereint ist. Wir glauben, wir haben alles getan, was möglich ist, um dieses Ziel zu erreichen.

Wir glauben, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben um sowohl Kapitän Bethune als auch die Sea Shepherd Conservation Society zu schützen. Wir sind uns darüber im Klaren, dass nicht jeder mit unseren Entscheidungen einverstanden sein wird, aber andererseits müssen alle die, die nicht einverstanden sind, nicht mit den Konsequenzen umgehen. Die Konsequenzen sind unsere, und manchmal können negative Konsequenzen entstehen, egal wie man entscheidet.

Gegenwärtig konzentriert sich Sea Shepherd darauf, Kapitän Bethune freizubekommen, im Mittelmeer gegen Blauflossenthun-Wilderer einzugreifen, Delphinschlachten in Taiji, Japan zu bekämpfen, beim Schutz der Galapagos zu helfen, die Ölteppichkatastrophe im Golf von Mexiko anzugehen, Haie in Lateinamerika zu schützen und mit dem unglaublich schwierigen und aufwendigen Arbeitsaufwand zu beginnen, die Operation Kein Kompromiss zu organisieren – unsere Rückkehr ins Südpolarmeer, um die Wale des antarktischen Südpolarmeer-Walschutzgebietes zu beschützen, zum 7. Mal.

Kapitän Bethunes Aktionen haben das Leben vieler Wale gerettet und die Aktionen der gesamten Sea Shepherd Crew in dieser letzten Saison haben 528 Walen das Leben gerettet. Es war eine enorm erfolgreiche Kampagne und diese Wale schwimmen dank unseres Einsatzes frei und lebendig im Südpolarmeer herum.

Achtzig Männer und Frauen aus achtzehn unterschiedlichen Nationen verbrachten beinahe vier Monate auf drei verschiedenen Schiffen auf See, unter dem Kommando dreier verschiedener Kapitäne, und sie alle nahmen außerordentliche Risiken auf sich und setzten selbstlos ihre Zeit ein. Wir haben ein Schiff verloren, die Ady Gil, wir erlitten Schaden an unserem Schiff Bob Barker und Kapitän Bethune wurde von dem skrupellosen Walfänger gefangengenommen, der sein Schiff zerstörte und beinahe seine Schiffskameraden tötete, ein Walfänger, der der Strafverfolgung für sein Verbrechen entkommen ist während sein Opfer in Japan dafür gepeinigt wird, dass er es wagte, seinen Angreifer zur Rede zu stellen.

Wir erwarten, dass der Konflikt in der Saison 2020/2011 eskalieren wird und wir müssen damit rechnen, dass weitere Crewmitglieder von Sea Shepherd gefangen genommen oder verletzt werden. Aber wenn wir sagen, dass wir bereit sind, unser Leben und unsere Freiheit zu riskieren um die Wale zu beschützen, müssen wir darauf vorbereitet sein, den Weg zu gehen.

Kapitän Bethune wurde, wie viele Sea Shepherd Crewmitglieder vor ihm, gefangengenommen. Es war nicht das erste Mal, dass dies bei Sea Shepherd passierte, noch wird es das letzte Mal sein. Es ist ein gefährliches Spiel, das wir spielen mit denen, die skrupellos aus den Ozeanen des Lebens plündern.

Bethune sagte mir, dass er auf die Konsequenzen vorbereitet war, als er die Entscheidung gefällt hatte, auf den japanischen Walfänger zu gehen und ich glaube, dass er sich bewundernswert verhalten hat und standhaft war in seiner Überzeugung, die Wale im Walschutzgebiet des Südpolarmeers vor den Wilderern aus Japan zu beschützen. Er ist ein Ausnahme-Walkrieger und ein Held und er hat einen Platz in der Geschichte des Umweltschutzes verdient, für seinen Einsatz, seinen Mut und sein Opfer.

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Eine Antwort auf Ritter der Konsequenzen

  1. Jens sagt:

    Ok, ich denke dieser Komentar von Paul war sehr wichtig für uns alle um das ganze besser zu verstehen, und wahrscheinlich hat er recht mit dem was er sagt… …auch wenn ich mich erst dran “gewöhnen” muß.
    Vielen Dank für´s Übersetzen.

    Gruß
    Jens