Die Färöer und das Quecksilber in unseren Meeresfrüchten

Original: http://www.seashepherd.org/news-and-media/editorial-100722-1.html
Donnerstag, 22.Juli 2010

Die Färöer und das Quecksilber in unseren Meeresfrüchten

von Steve Roest, Hauptgeschäftsführer Sea Shepherd

Sea Shepherd hatte kürzlich einen Undercover-Agenten auf den Färöer Inseln und erst vor einigen Tagen erhielten wir schockierende Bilder abgeschlachteter Pilotwale mit ungeborenen Kälbern, die aus den Leibern ihrer Mütter herausgeschnitten worden waren. Diese Meeressäuger werden während der von den Einheimischen so genannten „Grind“ getötet, aber genauer sollte sie als das bezeichnet werden, was sie ist – ein Gemetzel.

Die Färöer machen geltend, dass die Grind ein traditionelles und kulturelles Recht und eine Nahrungsquelle sei, doch die Angelegenheit der Quecksilberkontamination steht erneut im Vordergrund, weil die Färöer Oberamtsärzte Pál Weihe und Høgni Debes Joensen Ende 2008 bekanntgaben, dass Fleisch und Blubber von Pilotwalen zu viel Quecksilber, PCB und DDT-Derivate enthielten um unbedenklich für den menschlichen Verzehr zu sein.

Die hohen Level der Quecksilberkontamination in bestimmten Fischen und großen Meerestieren sind unter Umweltschützern stark im Gespräch. Die Fischfangindustrie und Pro-Fischfang-Lobby teilen uns mit, das sei lediglich vegetarische Hippie – Panikmache und wir sollten so viel Fisch essen wie wir könnten, weil das sei gut für uns.

Weil die Direktoren bei Sea Shepherd so häufig zu dem Thema gefragt werden, habe ich gedacht, es sei eine gute Idee, einige Informationsquellen genauer zu erläutern und Euch selbst entscheiden zu lassen.

In den Vereinigten Staaten hat die Arzneimittelzulassungsbehörde (FDA) 2006 diese Verlautbarung herausgegeben : „Der in Dosen importierte ’helle Thunfisch in Stücken’ (meistens Echter Bonito) enthielt fast den zehnfachen Quecksilberwert, der als Grenzwert für ’gering quecksilberlasteten’ Fisch erachtet wird. Der erste Bericht der FDA über Methylquecksilber in Fischer erschien 1994 und warnte Konsumenten, dass Haie, Schwertfisch und Langflossenthun bedenkliche Mengen an Quecksilber enthielten; dennoch wurde auf Druck der Thunfischindustrie, eines milliardenschweren Unternehmens in den U.S.A., der Langflossenthun wieder aus der Warnung herausgenommen.

Marion Nestle, Vorsitzende des Departments für Ernährung, Lebensmittelstudien und Öffentliche Gesundheit der Universität New York, sagte “Jedermann sollte vermeiden, viel von den am höchsten mit Methylquecksilber verseuchten Fischen zu sich zu nehmen – besonders Hai, Schwertfisch und Thunfisch…Schwangere und jüngere Kinder sollten diesen Fisch überhaupt nicht essen.“

Lasst uns zu Japan übergehen.

Tests an in Japan zum Verkauf stehendem Walfleisch haben Andy Coghlan, in: New Scientist, 2002, zufolge, frappierende Quecksilberwerte gezeigt. „Während es schon lange bekannt ist, dass die Tiere Schwermetalle wie Quecksilber in ihrem Gewebe anreichern, haben die gefundenen Werte selbst Experten erstaunt. Zwei von 26 Leberproben enthielten über 1970 Mikrogramm Quecksilber pro ein Gramm Leber. Das ist fast das 5000-fache des von der japanischen Regierung festgelegten Grenzwerts für Quecksilberkontamination.“

Angesichts dieser Kontaminationsmenge würde ein 77,3 kg schwerer Mann mit der Aufnahme von nur 0.15 Gramm Walleber die von der Weltgesundheitsorganisation für unbedenklich erachtete Quecksilberaufnahme für eine Woche überschreiten, sagen Tetsuya Endo, Koichi Haraguchi und Masakatsu Sakata von der Universität Hokkaido. Sie führten Forschungen durch und fanden, dass „eine akute Vergiftung durch eine einzige Nahrungsaufnahme ausgelöst werden könne“.

Die oben genannte Information wird in mehren Quellen aufgeführt, aber ich entnahm sie dem Buch von Richard Ellis: Tuna – Liebe, Tod und Quecksilber.

Haie, Schwertfische, Thunfische, Wale, Delfine und andere große Meerestiere tendieren zu Langlebigkeit und nehmen mehr Quecksilber auf als kleine Fische, da sie mehr Quecksilber anreichern indem sie große Mengen kleinerer Fische und Meeresgetier aufnehmen.

Natürlich gibt es Experten aus der Fischfangindustrie und Lobbyisten, die uns erzählen, es gebe keinerlei Risiko. Ich frage mich, wie viele dieser Lobbyisten zulassen, dass schwangere Frauen und Kinder in ihren eigenen Familien diese Spezies zu essen…

Also, wenn das Problem wirklich existiert, so werde ich oft gefragt, warum lassen dann die Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Japans und so ziemlich aller anderen Nationen zu, dass wir quecksilberverseuchten Fisch essen? Weil der kommerzielle Fischfang eine milliardenschwere Weltindustrie ist und die interessieren sich für Euer Geld – nicht zwangsläufig für Eure Gesundheit.

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2 Antworten auf Die Färöer und das Quecksilber in unseren Meeresfrüchten

  1. Eine Nestlé sitzt in der Position? Uiii…War das nicht der Konzern, der den Anspruch erhebt, als alleiniger Verteiler Trinkwasser privatwirtschaftlich zu vermarkten? Sodass die 3 Mio. unter Armut leidender Kinder im Land nicht einmal mehr da dran kommen? Jedenfalls waren es m.E. diejenigen, die nach Tschernobyl die hier aus dem Verkehr gezogenen Waggons voller radioaktiv verseuchten Milchpulvers nach Afrika verbrachten, dort eine Kampagne gegen das Stillen führten und stattdessen die afrikanischen Babies mit der Milch fütterten, die für deutsche Kinder zu giftig war. Wobei es noch mehr Babies gab als vorher, weil das Stillen eine mild (!) kontrazeptive Wirkung hat. Komisch, wie LaRoche, die sitzen doch auch überall drin, wo’s was zu sagen gibt? Und wie die deutschen Energiekonzerne, die sich ihre eigenen Gesetze machen (z.B. wie viel die Bevölkerung für eine warme Stube im Winter zahlen muss), weil ihre Leute in der Politik und am konzernheimischen Schreibtisch gleichzeitig sitzen und ganz nach Bedarf hin und her wechseln. Wie merkwürdig ist doch die Welt…

    jaja…: http://www.foodpolitics.com/?s=the+corporation+not+me ,
    tsss…: http://de.wikipedia.org/wiki/Nestl%C3%A9

  2. Walgesang sagt:

    Es ist schon traurig, wenn der ach so “angeblich intelligente” Menschen solch intelligente Meeressäuger abschlachtet, und das mit dem fadenscheinigen Argument, dass es sich um ein traditionelles und kulturelles Recht handelt.
    Wenn alte Traditionen schlecht sind sollte man als intelligenter Menschen eben damit brechen.

    Hier üben die Lobbyisten den gleichen Einfluss aus, wie die Lobbyisten der Amalgambefürworter, die das Quecksilber (über 50 %) in den Amalgamfüllungen völlig verharmlosen. Dieses Quecksilber aus den Amalgamfüllungen gelangt ebenfalls wieder in unsere Umwelt (z. B. Krematorien) und verseucht genauso die Meere wie das Quecksilber aus der Industrie.
    http://quecksilber.wordpress.com/amalgam/

    Da Quecksilber besonders gut lipidlöslich ist, reicht es sich bevorzugt in fettreichen Meeresbewohnern an.