Der Untergang der Ady Gil

Quelle: http://de.seashepherd.org/news-and-media/news-101006-2.html

Mittwoch, den 06. Oktober 2010

Der Untergang der Ady Gil

Der offizielle Report, gemeinschaftlich verfasst und verifiziert von der Crew und den Mitarbeitern von Sea Shepherd

Ady Gil rammed

Das Rammen der Ady Gil

Der Untergang der Ady Gil: Am 6. Januar 2010 wurde das Sea Shepherd Schiff Ady Gil vom japanischen Schiff Shonan Maru #2 absichtlich gerammt. Die Kollision riss die Ady Gil in zwei Teile und trennte 5 Meter Bug vom Vorderende ab, so dass Seewasser ans Innere drang. Das Rammen ereignete sich auf 64° 02’ Süd und 148° 52’ Ost. Die Crew des Sea Shepherd Schiffs Bob Barker wurde Zeuge des Zusammenstoßes. Die Steve Irwin befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 250 Meilen weiter nördlich. Die Crew der Ady Gil wurde von der Bob Barker gerettet und die Australian Maritime Safety Authority benachrichtigt. Sie empfahlen uns, das Schiff aufzugeben und aus Sicherheitsgründen nicht wieder zu betreten. Sie betonten ebenfalls, es bestünde für uns keine Verpflichtung, einen Bergungsversuch zu unternehmen und rieten aus Sicherheitsgründen davon ab.  Dennoch schickte Kapitän Chuck Swift von der Bob Barker mit Erlaubnis von Kapitän Pete Bethune ein Team an Bord der Ady Gil (zu dem auch die beiden Kapitäne zählten), um soviele Ausrüstungsgegenstände wie möglich zu retten.

Kurz danach begann der erste Abschleppversuch. Die Ady Gil konnte nur vom Heck aus in Schlepptau genommen werden und die gesamte Situation erinnerte daran, einen leeren Eimer rückwärts durchs Wasser zu ziehen. Als Stunden später die ersten Schleppleinen rissen, lag das Fahrzeug deutlich niedriger im Wasser und die Ady Gil wurde längsseits gebracht und an der Bob Barker befestigt. Danach wurden zahlreiche Stunden darauf verwand, so viel Treibstoff und Öl wie möglich vom Schiff zu bergen, um möglicher Umweltverschmutzung vorzubeugen und das Gewicht zu reduzieren, um die Chancen auf ein erfolgreiches Abschleppen zu erhöhen. Nachdem die Schadstoffe entfernt waren, wurde die Ady Gil zum zweiten Mal in Schlepptau genommen mit dem Ziel, die französische Forschungsstation an der Antarktisküste in ca. 300 Meilen Entfernung zu erreichen. Aufgrund der Wetterverhältnisse und der durch den Zusammenstoß entstandenen Beschädigung der Ady Gil – mehrere Risse im Treibstofftank – bestand keine Möglichkeit, das Fahrzeug zurück nach Australien zu schleppen.

Ady Gil taking on water

Wasser im Inneren der Ady Gil

Während des zweiten Abschleppversuchs wurde deutlich, dass das Schiff sinken würde, egal was wir unternahmen, und dass das Erreichen der Antarktisküste aufgrund des sich verschlechternden Wetters und der Eisbarrieren unmöglich war. Das Schiff sank langsam, aber immernoch zu schnell, als dass wir die Forschungsstation hätten erreichen können. Da das Schiff nicht zu retten war, wurde die Fortsetzung unserer Mission, den illegalen Walfang zu stoppen, zur größeren Priorität. Dies bedeutete, das Schiff aufzugeben. Allerdings wäre die verlassene Ady Gil zu einer Gefahr für die übrigen Schiffe in der Antarktis geworden, weswegen die verantwortungsvolle Entscheidung getroffen wurde, d as Schiff selbst kontrolliert zu versenken, um sicherzustellen, dass es unterging, bevor wir es verließen — in der Zwischenzeit würden wir außerdem versuchen, die Ady Gil so weit wie möglich von den befahrenen Schifffahrtsstraßen weg zu bewegen.

Um keine Aufregung unter den Crews und der Presse zu verursachen, wurde die Entscheidung getroffen (von den Kapitänen Watson und Swift), die Aktion so vertraulich wie möglich zu halten, aber Kapitän Bethune das letzte Wort bezüglich des Versenkens zu überlassen, aus Respekt gegenüber ihm und dem Schiff.

Kapitän Bethune stimmte dem Plan sofort zu, ohne Zögern oder Bedenken an den Tag zu legen. Als Kapitän Swift seine Besorgnis äußerte, das Schiff würde aufgrund seiner Konstruktionsweise und seines Auftriebs nicht untergehen, schlug Pete sogar vor, die Ingenieure anzurufen, die ihm beim Design der AG geholfen hatten. Das tat er dann auch und versicherte Kapitän Swift, die Ingenieure hätten “ihm garantiert”, dass das Schiff sinken würde, sofern der Treibstofftank und der Maschinenraum beschädigt wären – und das waren sie.

Im späteren Verlauf des Tages, als sich die Ady Gil immernoch im Schlepptau befand, ging eine Crew bestehend aus Kapitän Pete Bethune, Kapitän Chuck Swift und Communications Officer Luke VanHorn an Bord der Ady Gil um das Versenken vorzunehmen. Kapitän Bethune öffnete die Wasserventile im Maschinenraum, während Swift and VanHorn das Schiff noch einmal nach nützlichen oder wertvollen Gegenständen absuchten. Als die Mission ausgeführt war, gingen sie von Bord in dem Wissen, dass es aufgrund des schwimmenden Schaumstoffes im Schiffsrumpf einige Stunden dauern würde, bis das Fahrzeug langsam versank.

Ady Gil sinking

Die Ady Gil beim Sinken

Am 8. Januar informierte Chuck Swift Paul Watson auf der Steve Irwin über Funk, dass die Ady Gil (wie geplant) langsam unterging und empfahl offiziell, das Schiff zu verlassen. Kapitän Watson antwortete, die Entscheidung liege allein bei Pete Bethune aufgrund seiner langen Geschichte und dem Umstand, dass ihm das Boot so lange gehört hatte. Einige Minuten später gab Pete Bethune auf der Brücke der Bob Barker vor laufenden Kameras bekannt, dass das Boot aufgegeben worden sei. Die Entscheidung lag ganz allein bei ihm, zwei Mal, und kein einziges Mal zögerte er oder äußerte irgendwelche Vorbehalte.

Das Fahrzeug schwamm noch, als die Bob Barker aufbrach, aber es wurde geschätzt, dass es binnen weniger Stunden unter der Wasseroberfläche liegen würde. Kapitän Swift setzte die Australian Maritime Safety über die genaue Position des Schiffes auf 64°49” Süd und 137°27”Ost in Kenntnis. Die Shonan Maru #2 berichtete wenige Stunden später, das Fahrzeug schwimme immer noch an der Oberfläche.

Die Ady Gil war nicht zu retten. Wir hatten keine andere Wahl, als sie aufzugeben. Sie konnte nicht bis an die Küste der Antarktis gezogen werden und mit Sicherheit nicht an die Küste von Tasmanien.

Es war das absichtliche Rammen durch die Shonan Maru #2, das die Ady Gil zerstörte.

Bericht erstellt und verifiziert durch:

Captain Chuck Swift (USA)
Kapitän der Bob Barker

Peter Hammarstedt (Schweden)
Erster Offizier der Bob Barker

Dr. Bonny Schumacher (USA)
Zweiter Offizier der Bob Barker

Laurens De Groot (Niederlande)
Erster Offizier der Ady Gil

Captain Paul Watson
Kapitän der Steve Irwin

Locky McLean
Erster Offizier der Steve Irwin

Jede Behauptung, Kapitän Paul Watson habe Kapitän Peter Bethune befohlen, die Ady Gil zu versenken, ist unwahr. Es existieren Filmaufnahmen der gesamten Konversation zwischen den beiden, auf denen Kapitän Watson von der Steve Irwin aus eine Nachricht an Pete Bethune schickt, um ihn um Vorschläge zu bitten, was jetzt zu tun sei, weil sich die Ady Gil unter Pete Bethunes Kommando befinde. Es war Kapitän Pete Bethunes Entscheidung, das Schiff aufzugeben und er gab dies auch vor laufender Kamera bekannt.

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Bericht von Kapitän Chuck Swift auf der Bob Barker an Kapitän Paul Watson auf der Steve Irwin:

Ich habe Pete Bethune niemals befohlen, irgendetwas zu tun. Ich teilte ihm mit, dass du und ich darüber gesprochen hatten, das Schiff zu versenken und dass du darum gebeten hättest, gesetzt den Fall, dass er/Pete damit einverstanden wäre.  Pete brachte keinerlei Zögern oder Einwände zum Ausdruck. Als ich meine Besorgnis äußerte, das Schiff würde eventuell nicht untergehen, schlug Pete sogar vor, die Ingenieure anzurufen, die ihm beim Design der AG geholfen hatten; dies tat er dann auch und versicherte mir, die Ingenieure hätten ihm versichert, dass Schiff würde untergehen, sofern der Treibstofftank und der Maschinenraum beschädigt seien (und das waren sie). Der Treibstofftank war deutlich aufgerissen und die Maschinenkammer war dabei vollzulaufen, da die Trennwand zwischen den zwei Sektionen eingerissen war. Unsere Bemühungen, die Ady Gil abzuschleppen, dauerten fast 36 Stunden.  Zwei Zugsysteme, die unterschiedliche Schiffstaue und Befestigungssysteme benutzten, scheiterten, da das Fahrzeug tiefer ins Wasser fiel und sich der Widerstand vergrößerte. Am Ende betrug die Geschwindigkeit der Bob Barker zwischen 1 und 1.5 Knoten, da rissen die Taue zum zweiten Mal. 
Communications Officer Luke VanHorn (Bob Barker); Kapitän Chuck Swift (Bob Barker) und Kapitän Pete Bethune (Ady Gil) gingen an Bord. Wie zuvor besprochen, stieg Pete in den Maschinenraum und öffnete die Wasserventile, während Chuck und Luke die Ady Gil nach letzten nützlichen oder wertvollen Ausrüstungsgegenständen absuchten. Pete verließ den Maschinenraum mit einem aufgeregten Lächeln und sagte so etwas wie “Gute Arbeit!”.  Wir verließen das Schiff. Als wir die Ady Gil zum letzten Mal sahen, lag sie schon tiefer im Wasser, als jemals zuvor (ungefähr 40% ihres vertikalen Profils), der Steg, Maschinenraum und Treibstofftank deutlich unter Wasser. Nach Meinung von Pete Bethune und den Ingenieuren, mit denen er nach eigenen Angaben gesprochen hatte, würde das Schiff in wenigen Stunden auf den Grund gesunken sein.

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Bonny Schumacher, Zweiter Offizier an Bord der Bob Barker, schickte am 6. Oktober 2010 folgende Benachrichtigung an Kapitän Pete Bethune:

Ich war in deine Gespräche mit Chuck oder Paul nicht eingeweiht, konnte das meiste jedoch mit eigenen Augen mitansehen. Wir mussten die Ady rückwärts ziehen, obwohl sie darauf ausgelegt war, vorne mit dem Bug durch das Wasser zu stoßen. So geriet ihr Heck unter die Wasseroberfläche. Wir unternahmen mehr als einen Versuch, sie abzuschleppen; sie zerris die stärksten Leinen, die wir hatten und wir konnten nichts weiteres unternehmen, um sie zu ziehen. Ich wurde nicht nach meiner Meinung gefragt, ob sie sinken würde oder zum Sinken gebracht werden könne – hätte man dies getan, so hätte ich auf deine Kenntnis von ihrer Ausdehnung, Eigengewicht und die Dichte der Kohlenstoffmatrix verwiesen. In jedem Fall waren die einzigen Autoritäten, um diese unvorhergesehene und dringende Situation einzuschätzen du, Chuck und Paul.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich niemals Schwierigkeiten hatte, nötigenfalls Widerspruch gegen die Entscheidungen von Chuck oder Paul einzulegen, bin ich schockiert, dass du erst jetzt bekannt gibst, mit der Option, die Ady zu verlassen um die Nisshin Maru nicht zu verlieren, nicht einverstanden gewesen zu sein – und das öffentlich. Deine Botschaft an die Crew der Bob und die Leute von Animal Planet mit ihren Kameras war, dass wir es uns nicht leisten könnten, die Nisshin zu verlieren, da unser primäres Ziel darin bestünde, sie davon abzuhalten, die harpunierten Wale zu verarbeiten, um alle ihre Tötungsschiffe zu zwingen, weiteres Harpunieren auszusetzen. Wie kannst du nun behaupten, du wärest damit nicht einverstanden gewesen?

Außerdem hättest du als der Kapitän der Ady nicht nur eine andere Meinung vertreten, sondern dich schlichtweg weigern können, sie zu versenken – doch meines Wissens hast du keins von beidem getan. Du entschiedst dich, zu Recht wie ich meine, alles Notwendige zu unternehmen, um die Nisshin nicht zu verlieren.

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Erklärung von Laurens de Groot, Navigator / Erster Offizier auf der Ady Gil während der Operation Waltzing Matilda, zum Untergang der Ady Gil

Nach dem Rammen durch die Shonun Maru 2 wurde unsere Crew von der Bob Barker gerettet. Als die Trümmer der Ady Gil untersucht wurden, kam ans Licht, dass der Treibstofftank gebrochen war. Kurz danach entfernte die Crew der Bob Barker und der Ady Gil alle umweltschädlichen Stoffe vom Schiff. Als dies erledigt war, berieten wir (Chuck, Peter H., Pete, die übrigen Offiziere, Paul Watson, unterstützendes Personal an Land und ich (auf der BB) über die besten Schritte zur Rettung des Fahrzeugs. Aufgrund der schweren Schäden war es unmöglich, das Schiff durch das Südpolarmeer zurück nach Hobart/Tasmanien zu bringen. Unsere einzige Chance bestand darin, es an den Strand der Antarktis zu bringen und wir beschlossen, diese Möglichkeit zu versuchen. Die Bob Barker nahm die Ady Gil in Schlepptau. Ich erinnere mich, dass nach einer Weile, als sich zeigte, dass immer noch Wasser ins Schiffsinnere drang, die Schleppleine riss.  Das Fahrzeug lag tiefer im Wasser. Aufgrund des zusätzlichen (Wasser-) Gewichts des Schiffs schien es unmöglich, das Schiff weiter zu schleppen. Jedem auf der Bob Barker (Crew, Offizieren und Pete Bethune) wurde klar, dass das Schiff nicht zu retten war. Bei einem weiteren Abschleppversuch waren die Leinen erneut gerissen. Dies geschah in der Nacht während ich schlief. Am nächsten Morgen erfuhr ich, dass die Bob Barker die Ady Gil aufgegeben hatte, da sie im Sinken begriffen war und man sie nicht weiterschleppen konnte. Pete erzählte mir, er hätte frühmorgens dabei geholfen, das Schiff zu versenken, um den Untergang zu beschleunigen, damit es nicht zu einer Gefahr für den Schiffsverkehr im antarktischen Ozean würde. An dieser Stelle erklärte mir Pete, dies sei die einzig richtige Entscheidung gewesen, da die Ady Gil nicht zu retten gewesen sei. Dies leuchtete mir ein und erschien mir als die einzig logische – wenn auch tragische – Lösung. Daraufhin setzten wir unsere Reise fort, um uns mit dem Schiff Steve Irwin zu treffen.

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Aussage von Captain Paul Watson auf der Steve Irwin.

Die Steve Irwin befand sich ca. 300 Meilen von der Bob Barker und der Ady Gil entfernt, als sich das Rammen durch die Shonan Maru ereignete. Am 8. Januar erhielt ich einen Anruf von Kapitän Chuck Swift, der mich informierte, dass es unmöglich sei, das Abschleppen der Ady Gil fortzusetzen. Kapitän Swift fragte mich, was wir tun sollten. Ich sagte: “Es ist Petes Boot, es ist seine Entscheidung.”

Chuck traf sich daraufhin mit Pete und Pete entschied, dass das Schiff nicht gerettet werden konnte. Er traf die Entscheidung, es aufzugeben und selbst zu versenken, um eine Gefährdung für den übrigen Schiffsverkehr auszuschließen. Es war sein Kommando und Sea Shepherd Kapitäne besitzen die komplette Entscheidungsgewalt auf ihren Schiffen. Ich gab Kapitän Bethune weder den Befehl, das Schiff aufzugeben, noch, es zu versenken. Es war seine  Verantwortung und seine Entscheidung.

Aus den Logbüchern der Bob Barker/Ady Gil/Steve Irwin

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Eine Antwort auf Der Untergang der Ady Gil

  1. Jabba sagt:

    Die neuseeländische Untersuchungskommission kommt zu dem Ergebnis, dass beide Seiten Fehler gemacht haben.

    http://bit.ly/cJkDFA