Wache an den blutigen Toren der Hölle

Die Buchtwächter-Kampagne

Kommentar von Kaptän Paul Watson

http://www.seashepherd.org/news-and-medi…l-101106-1.html

Seit dem 1. September 2010 ist die Sea Shepherd Conservation Society täglich vor Ort in der japanischen Stadt Taiji, die im Verwaltungsbezirk Wakayama liegt. Michael Dalton, der Koordinator von Sea Shepherd Brisbane, hat die erste Woche der Buchtwächter-Kampagne initiiert und übergab dann die Verantwortung Scott West, dem Ermittlungsleiter von Sea Shepherd. Seit zwei Monaten weichen er und seine 17 Jahre alte Tochter Elora West nicht von der Stelle und begrüßen freiwillige Buchtwächter aus aller Welt. Trotz Morddrohungen von wütenden rechtsextremen Demonstranten und einschüchternden Polizeieinsätzen sind sie nicht von der Stelle gewichen. Das Schlimmste ist jedoch, dass sie dazu gezwungen sind, das grauenhafte Abschlachten Duzender wunderschöner, intelligenter und sozial komplexer Delfine mit anzusehen.

Die Buchtwächter stehen täglich an der Schwelle der Höllentore, während sie die Schreie der abgeschlachteten Delfine anhören müssen und sich die Bucht auf tragische Weise mit heißem Blut tiefrot färbt. Die Wächter sind dort, weil die massenmordenden Verbrecher von Taiji nie mehr nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ töten werden.

Wenn die Visas von Scott und Elora Anfang Dezember auslaufen, wird Michael Dalton mit einer kleinen Mannschaft zurückkehren und sie ablösen. Noch nie wurden die Delfinmörder von Taiji täglich überwacht und beobachtet.

Und es gibt nichts, was die verbrecherischen Fischer von Taiji dagegen machen können, da Sea Shepherd, sehr zum Ärgernis des Bürgermeisters und der Polizei, kein einziges Gesetz gebrochen hat. Scott ist ein ausgebildeter, ehemaliger U.S. Bundesbeamter (Zoll und Umweltbehörde) und er weiß, welche Regeln und Gesetze er einhalten muss.

Sea Shepherd hat, was ausgedehnte Kampagnen anbelangt, eine Erfolgsbilanz. Die Buchtwächter-Kampagne dauert vom 1. September 2010 bis zum 1. März 2011, also sechs Monate.

Taiji war von Anfang an eine Kampagne von Sea Shepherd. Obwohl der Filmemacher Hardy Jones derjenige war, der Taiji zuerst bloßgestellt hat, hat Sea Shepherd 2003 eine Kampagne daraus gemacht und das Abschlachten dokumentiert. Im Oktober 2003 wurde unser Foto- und Filmmaterial von Associated Press und CNN auf der ganzen Welt verbreitet. Im November 2003 tauchten zwei Sea Shepherd Agenten (der Amerikaner Allison Lance und der Holländer Alex Cornelissen) in die Bucht, zerschnitten die Netze und befreiten und retten 15 Delfine. Sie wurden festgenommen und vier Monate festgehalten, bevor sie freigelassen wurden. Während ihres vierwöchigen Verhörs sagten sie kein einziges Wort, welches sie oder andere hätte belasten können. Sie wurden des „Verbrechens“ Geschäfte behindert zu haben schuldig gesprochen, mussten 8000 US-Dollar Strafe zahlen und wurden freigelassen. Es war kein schlechter Preis für 15 gerettete Leben: 533 Dollar pro befreitem Delfin.

Einer der ursprünglichen Sea Shepherd Mitglieder in Taiji im November 2003 war Ric O’Barry, damals ein Mitglied des Sea Shepherd Beratungsausschusses.

Ric entschloss sich im Jahre 2004 zurückzukehren (und tut dies seitdem jedes Jahr) und verließ den Beratungsausschuss, weil er nicht mit Sea Shepherd in Verbindung gebracht werden und gleichzeitig das Morden der Delfine in Taiji überwachen konnte. Wir stimmten ihm zu und er berichtete, dass das bloße Tragen eines Sea Shepherd Hemds ein Grund war, verhaftet zu werden.

Doch aufgrund der Fotos und Filme, die von Sea Shepherd Mitglied Brooke MacDonald gemacht und im Oktober 2003 in den internationalen Medien veröffentlicht wurden, entschlossen sich die Verbrecher von Taiji ihre Gräueltaten zu verbergen, indem sie den Zugang zur Bucht blockierten und das Abschlachten hinter blauen Abdeckplanen aus Plastik versteckten.

Daraufhin kam Louie Psihoyos und seine Filmcrew der Ocean Protection Society (OPS) auf die Idee einen Film über das Abschlachten in Taiji zu machen. Sie schlossen sich mit Ric O’Barry zusammen und produzierten einen Film, der die Welt wach rüttelte und auf die Tragödie in Taiji aufmerksam machte. Als beste Dokumentation erhielt der unglaubliche Film „Die Bucht“ 2009 den Academy Award.

Der Film enthält Aufnahmen über die Delfinbefreiung durch Sea Shepherd im Jahre 2003 und Interviews mit mir und Ian Campbell, dem früherem Umweltminister Australiens, der außerdem Mitglied des Sea Shepherd Beratungsausschusses ist.

Seit den Academy Awards ist die Stadt Taiji auf internationaler Ebene berüchtigt und ein Magnet für die Schande der japanischen Nation. Millionen von Menschen denken Taiji, wenn sie an Japan denken und stellen sich dabei die Bilder der abgeschlachteten Delfine vor. Dieser Film hat ein starkes Mem in das Gehirn von Millionen von Menschen eingepflanzt und aufgrund meiner Erfahrungen in der Kommunikationsstrategie weiß ich, dass ein Gedanke, der einmal eingepflanzt und fest verwurzelt ist, nicht sterben wird. Und Taiji ist jetzt fest in der Psyche des kollektiven Bewusstseins der modernen Medien verwurzelt. Dieser Gedanke wird nicht weg gehen.

Und deshalb müssen wir einfach den Gedanken am Leben erhalten, indem wir beobachten, berichten und den Horror von Taiji bloßstellen. Wenn es sein muss, werden wir den Namen Taiji zu einem Symbol für Umweltverbrechen machen, genauso wie die Stadt Minamata zu einem Symbol für Quecksilbervergiftung geworden ist.

Michael Dalton und seine Mannschaft trugen Sea Shepherd Hemden als sie am 1. September in Taiji ankamen. Sie fanden heraus, dass es kein Verbrechen war, ein Sea Shepherd Mitglied in Taiji zu sein. Seitdem haben Scott und Elora West und jeder Buchtwächter von Sea Shepherd kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie Sea Shepherd repräsentieren.

Und die Anwesenheit von Sea Shepherd veranlasste den Bürgermeister von Taiji dazu am 2. November eine Gemeindeversammlung einzuberufen, um das Thema zu diskutieren. Ric O’Barry und andere Aktivisten kamen zu diesem Zweck nach Taiji. Ric entschied sich, das Treffen im letzten Moment zu boykottieren, doch Scott besuchte das Treffen und sagte, dass Sea Shepherd nicht über das Leben der Delfine verhandeln wird und nur einen absoluten Tötungsstopp akzeptiert. Die Forderung des Bürgermeisters ihre „Esskultur“ zu respektieren, stieß auf taube Ohren. Wenn Katalonien den Stierkampf verbieten und England die Fuchsjagd abschaffen kann, dann kann Japan auch den Delfinmord stoppen.

Normalerweise bin ich gegen das Protestieren, doch im Fall Taiji kann Protest ein sehr wirksames Mittel sein, um etwas zu verändern. Japanische Konsulate und Botschaften müssen weltweit ständig daran erinnert werden, dass die Welt zuschaut und nicht vergisst. Proteste müssen regelmäßig durchgeführt und Anrufe, Faxe und Emails müssen täglich aus aller Welt kommen. Der Ruf, den Terrorismus in Taiji zu beenden muss laut, endlos und stark sein und wenn er dies ist, wird der Kampf um das Leben dieser intelligenten, schönen und fühlenden Lebewesen auch gewonnen werden. Die Schreie der Delfine in der Bucht von Taiji müssen aufhören. Wir können nicht eher ruhen, bis wir diesen Horror zum Schweigen gebracht und diese Unmenschlichkeit ausgelöscht haben.

Was Sie tun können: Wenn Sie vorhaben in Japan Urlaub zu machen, besuchen Sie die Buchtwächter in Taiji. Sie können das Sea Shepherd Team dort einen Tag, eine Woche oder länger unterstützen. Je mehr Menschen zur Bucht reisen, desto größer wird die Wirkung der Buchtwächter sein.

Rufen Sie die japanischen Konsulate und Botschaften in Ihrer Stadt und Ihrem Land an, schicken Sie Faxe und Emails. Die Botschaft ist einfach. Japan muss mit dem grausamen Abschlachten in Taiji aufhören. Das Töten von Delfinen hat in der zivilisierten Welt des 21. Jahrhunderts keinen Platz.

Kaufen Sie keine japanischen Autos, Biersorten, Elektroartikel und andere Produkte und machen Sie die Firmen darauf aufmerksam, warum Sie das tun. Wir wissen, dass es nicht immer möglich ist alle japanischen Produkte zu boykottieren, doch es ist hilfreich, wo Sie es praktizieren können.

Reden Sie mit Freuden, Ihrer Familie und sagen es auf sozialen Netzwerkseiten weiter.

Unterstützen Sie die Buchtwächter in Taiji. Es kostet nur 200 Dollar pro Tag, um weiterhin unsere Stellung in Taiji zu halten. Eine tägliche oder wöchentliche Spende, egal welcher Höhe, wird dies möglich machen.

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2 Antworten auf Wache an den blutigen Toren der Hölle

  1. Kay sagt:

    Alleine das Lesen schnürt einen den Hals zu, das Grauen vor Ort zu erleben, prägt einen sicherlich fürs Leben. Das muss alles endlich ein Ende haben!

  2. I.L. sagt:

    Manchmal habe Zeit und ich hatte mir kürzlich überlegt, auch spontan nach Taiji zu fahren. Leider war ich noch nie in Japan und habe keine Ahnung, welche Kosten auf mich zukämen wie für Übernachtung usw. Ob man am besten nach Osaka fliegt und wie man dann mit dem Zug oder Bus weiterfährt. Da ist ja auch noch die Schrift das Problem.
    Wäre toll, wenn mal ein paar Tipps dazu veröffentlicht werden.

    Grüsse