Die Waljäger kehren heim

Report von Kapitän Paul Watson

Die Rückkehr der japanischen Walfangflotte am 21. März 2011 in die Tokioter Bucht war eine eher gedämpfte Angelegenheit und ganz sicher eine Erleichterung für die Kapitäne und Crew dieser berüchtigten Killerflotte. Sea Shepherd zwang die Waljäger Mitte Februar zu einem unehrenhaften Rückzug aus dem Südpolarmeer, was zu erheblicher Kritik aus den Reihen der Politiker und Medien führte, die den Rückzug der Waljäger als eine feige Entscheidung rügten.

Vor dem Hintergrund der zurückliegenden Tragödie Japans hat die Blamage der japanischen Walfangflotte keine große Bedeutung. Das Fabrikschiff Nisshin Maru, das Schiff, das wir als den Todesstern der Meeressäuger bezeichnen, und der Rest der Walfangflotte waren noch auf hoher See, als das Erdbeben und der Tsunami zuschlugen. In dem Bemühen, in den Augen ihrer Landsleute ihre Reputation wieder ein wenig herzustellen, wird die Nisshin Maru demnächst etwas sehr Sinnvolles tun – Hilfsgüter nach Norden transportieren um den Opfern des Tsunami und des Erdbebens zu helfen.

Unsere Herzen und unser Mitgefühl sind bei den Männern und Frauen der Walfangflotte, die womöglich in der Katastrophe Familie und Freunde verloren haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie deprimierend es ist, auf hoher See zu sein, wenn man einen Verlust in der Familie zu beklagen hat. Während des zurückliegenden Erdbebens in Neuseeland haben die Offiziere an Bord der HMNZ Wellington ihre Crew nicht gleich informiert, solange sie noch im Rossmeer waren, um sie nicht unnötig zu ängstigen. Wir wissen nicht, was die japanischen Waljäger von der Katastrophe wußten oder auch, wann sie es erfuhren, sondern können nur ahnen, welche Qualen sie durchlitten haben.

Wir haben von unseren Förderern Vorschläge erhalten, dass Sea Shepherd den japanischen Erdbebenopfern Hilfe leisten solle. Da wir eine Non-Profit-Organisation sind, können wir dies aus rechtlicher Sicht nicht tun. Wir sind keine Hilfsorganisation und können nicht legal mit Spenden an einer Hilfsmaßnahme teilnehmen, die für den Meeresschutz bestimmt sind. Es würde zudem als opportunistisch gesehen werden im Hinblick darauf, dass wir nicht an Hilfsmaßnahmen in Indien nach dem Tsunami oder in Haiti oder Neuseeland nach deren Erdbeben einbezogen waren. Des Weiteren würden unsere Schiffe in japanischen Gewässern keine Zulassung erhalten.

Anscheinend erwarten einige Menschen von uns, dass wir uns schuldig fühlen für unsere Anstrengungen gegen den japanischen Walfang, die Überfischung und das Abschlachten der Delphine…aber wir tun es nicht. Das Erdbeben, der Tsunami und die Kernkraftwerkskatastrophe stehen in keiner Beziehung zu der Tatsache, dass die Japaner illegal Wale jagen, Überfischung betreiben und brutal Delphine abschlachten.

Der “Unfall“ in den Kernkraftwerken war kaum ein Unfall, sondern Fahrlässigkeit. Die Vereinigten Staaten haben Japan und andere Nationen über Jahrzehnte hinweg immer wieder vor der Gefahr gewarnt, an den Küsten und auf oder in die Nähe von tektonischen Verwerfungslinien Kernkraftwerke zu bauen. Uns wurde immer wieder das Gleiche erzählt und dass die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls gleich Null sei. Die japanische Regierung ist alleinverantwortlich für die Fahrlässigkeit in der Vertuschung von Sicherheitsrisiken und der Nichtbeachtung von Sicherheitsmängeln in ihren Reaktoren. Sie haben auch ihre eigene Bevölkerung belogen und machen damit weiter, auf die gleiche Weise, wie sie immer über die Walfangindustrie gelogen haben.

Was für Sea Shepherd von Bedeutung ist, sind die möglichen Folgen der zurückliegenden Tragödie in Hinblick auf den Schutz der Meere. Viele Boote der Delphinschlachter im Norden sind zerstört oder beschädigt worden, was ihre Fähigkeit, Schweinswale zu schlachten, beeinträchtigen könnte.  In Taiji wurde die Grausamkeit der Fischer durch den Tsunami noch dramatisch gesteigert, als sie es nicht für nötig hielten, die gefangengehaltenen Delphine zu befreien und zuließen, dass die Welle die Körper der hilflosen Delphine auf den Felsen zerschmetterte. Wir rechnen damit, dass diese eingefleischt sadistischen Delphinschlächter ihre entsetzlichen Abschlachtungen fortführen werden und wir werden uns ihnen weiterhin entgegenstelllen.

Was die Walfangflotte angeht, könnte die Perspektive auf zweierlei Weise beeinflußt werden. Als sie den Rückzug aus dem Südpolarmeer antraten, war ich zu 75 Prozent sicher, dass sie in der nächsten Saison nicht zurückkehren würden, weil
(1) sie wissen, dass wir sie stoppen können,
(2) sie bei der japanischen Regierung hoch verschuldet sind und
(3) der Walfang zunehmend zu einer Beschämung für die japanische Regierung wird. Die zurückliegende Katastrophe wird höchstwahrscheinlich das endgültige Ende für den japanischen Walfang im Südpolarmeer bedeuten und es zu 100 Prozent sicher machen, dass sie nicht dorthin zurückkehren. Der wirtschaftliche Rückschlag, den Japan gerade einstecken musste, wird weitere staatliche Unterstützungen sehr unbeliebt machen.

Tatsächlich gibt es noch die Möglichkeit, dass Japan durch die Krise das Walfleisch wieder als günstiges Nahrungsmittel entdeckt, genau wie im Jahre 1946, als die Walfangflotte von US-General Douglas MacArthur organisiert wurde, um der Zivilbevölkerung der Nachkriegszeit billig Eiweiß zur Verfügung zu stellen. Ein solcher Schachzug wäre allerdings unverhohlen kommerziell und damit illegal. Es könnte sein, dass Japan an die Sympathien der Weltöffentlichkeit appelliert, um das zu rechtfertigen, doch höchstwahrscheinlich werden sie die nicht bekommen.

Wir werden die japanische Walfangflotte genau im Auge behalten. Sollte es danach aussehen, als kehrten sie zurück, wird Sea Shepherd ebenfalls zurückkehren.

Whalers return home Whalers return home
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