Eine Begegnung der entfernten Art mit einem Strandmeister

Kommentar von Captain Paul Watson

Kemm Poulsen ist ein großer Mann und richtig großer Schwätzer. Er nennt sich selbst einen Strandmeister und vielleicht ist er auch einer. Er prahlt damit herum, Wale zu töten, bringt auch anderen bei, sie zu töten, und behauptet, sie empfänden keine Schmerzen. Er hat mich einen Feigling genannt und erklärt, ich würde es nicht wagen auf die Färöer-Inseln zu kommen und an Land zu gehen.

Letzte Woche wurde er von Animal Planets Filmcrew während einer Unterhaltung mit Lamya Essemlali, Präsidentin von Sea Shepherd Frankreich, gefilmt. Während des Interviews sagte er zu ihr, er würde mich über das Grind aufklären, wenn ich mich an Land blicken ließe, um mit ihm zu debattieren. Heute wurde sein Wunsch erfüllt. Einige Mannschaftsmitglieder und ich waren in der Lobby des Färöer-Hotels, als Walmörder Kemm zur Tür hereinkam.

Lamya und ein Kameramann gingen sofort auf ihn zu, um ihn zu begrüßen und ihm zu sagen, ich sei in der Lobby und jetzt wäre eine großartige Gelegenheit, um mich wegen des Grinds zur Rede zu stellen. Stattdessen sagte der große Macho-Walmörder: „Ich habe meine Meinung geändert, es ist sinnlos mit Paul zu reden, der ist doch verrückt“. Mehr wollte er nicht sagen und machte sich schnell aus dem Staub, um mit einem Kameramann an seinen Fersen zu seinem Auto zu eilen.

Es scheint, als würden sich die Walfänger nicht richtig mit uns unterhalten wollen. Wir haben versucht, eine öffentliche Veranstaltung zu organisieren, aber niemand wollte uns dafür einen Veranstaltungsraum zur Verfügung stellen. Der Direktor des Nordischen Hauses stand der Idee sehr freundlich und hilfreich gegenüber, aber dann rief jemand an, dessen Namen er uns nicht nennen wollte, und er gab an uns weiter, dass es nicht möglich sei, die Halle zu mieten. Wir haben im Tórshavn Hotel einen Konferenzraum gebucht, aber die Buchung wurde am nächsten Tag storniert.

Kemm, der sich bereits als Feigling erwiesen hatte, untermauerte seinen Ruf weiter mit einem Brief, den er an Mannschaftsmitglieder von Sea Shepherd verteilte und in dem er sie zur Meuterei gegen mich aufrief. Der Brief ist so lustig, dass ich ihn hier mit seiner originalen Rechtschreibung einfügen möchte. [Darunter die deutsche Übersetzung; Anm.d.Ü.]:

Paul Watson leader of terror organization Sea Sheppard is Mentaly ill

Everyone just a little logical sence can see it

Therefore this request to the crew and volunteers on his ship.

Pleas bring his ship in to nearest harbor, and try to talk him in to be treated for his mental illnes.

We have well educated doctors her in the Faroe island who are able to give him good treatment.

If he does not want to bee treated her. People in the faroes are very sympathetic. I am sure they will collect money for a flyticket too Paul Watson. If he in sted of being treated her, wish to be treated in familiar surroundings back home.

It is not safe for the crew and volunteers on his ship to go out on open sea with him as captain on the bridge.

Poul Watson is so mentally ill, that he is mentally disturbed. And can easely bring his ship and crew in danger with his insane acts.

Kemm Poulsen
(Producer of documentary Whale Wars in 1986)
Sinngemäße Übersetzung:

Paul Watson Anführer der Terrororganisation Sea Sheppard ist Psychisch krank

Jeder mit nur bisschen logischen Sinn kann es sehen

Deshalb dieser Aufruf an die Mannschaft und die Freiwilligen auf seinem Schiff.

Bitte bringt sein Schiff in zu nächsten Hafen und versucht reden zu ihm dass er sich für seine psychische Krankheit behandeln lässt.

Wir haben gut ausgebildete Ärzte hier auf den Färöer Inseln, die ihm gute Behandlung geben können.

Wenn er sich nicht hier behandeln lassen will. Die menschen auf den färöer inseln sind sehr wohlwollend. Ich bin sicher, sie werden Geld sammeln für ein Flugticket von Paul Watson. Wenn er statt hier behandelt zu werden möchte behandelt werden im Kreis der Familie zu Hause.

Es ist nicht sicher für die Mannschaft und die Freiwilligen auf seinem Schiff auf die offene See mit ihm als Kapitän auf der Brücke zu fahren.

Poul Watson ist psychisch so krank, dass er psychisch verwirrt ist. Und kann leicht sein Schiff und seine Mannschaft in Gefahr bringen mit seinen kranken Handlungen.

Kemm Poulsen
(Produzent von Whale Wars im Jahr 1986)

Anmerkung: Ich bin nicht sicher, was seine Unterschrift “Produzent von Whale Wars” bedeuten soll, denn er ist es definitiv nicht. Ich habe die Nachricht am schwarzen Brett unseres Schiffes zur Belustigung für die Mannschaft aufgehängt.

Mein Landgang löste heute hasserfüllte Blicke einiger älterer Menschen aus, es kam aber zu keinen Auseinandersetzungen. Ich war sehr darüber erfreut, dass mich einige der vielen jungen Menschen, die wir trafen, anlächelten und mir zuwinkten.

Die Crew von Sea Shepherd hat während des letzten Monats mit hunderten von jungen Menschen gesprochen und die Gespräche waren sehr ermutigend. Es kam deutlich zutage, dass das Massaker keine Tradition ist, die von der Mehrheit der jungen Generation gutgeheißen wird. Es ist kein Ereignis, mit dem viele Färinger in Verbindung gebracht werden wollen.

Was jedoch enttäuschend war, ist die Tatsache, dass ein neuer Dokumentarfilm namens „The Whale“, über Luna, den verwaisten Schwertwal aus Britisch Kolumbien, auf den Färöern im Nordischen Haus am vergangenen Wochenende uraufgeführt wurde. Dass diese Premiere auf den Färöern stattfand, finde ich natürlich nicht schlecht, denn dadurch wird das Thema Walfang in die Öffentlichkeit gerückt. Was ich aber seltsam fand, ist, dass die Premiere von mindestens einem der Sponsoren des Films als öffentliches Forum benutzt wurde, Sea Shepherds Bemühungen um den Walschutz auf den Färöer-Inseln zu verurteilen.

Die Färinger haben ein Buch mit dem Titel 2 Minutes (2 Minuten) veröffentlicht. Im Vorwort schreibt der Fotograf Regin W. Dalsgaard:

“Ich schnappte mir sofort meine Fotoausrüstung, sprang ins Auto und fuhr schnell zum Strand. Zum ersten Mal fiel mir der tranceartige Zustand der Walmörder auf. Sie waren wie weggetreten und lösten in mir Gedanken an einen guten Vampirfilm aus, deren Hauptdarsteller es auf Blut abgesehen hatten. Durch mein Objektiv erkannte ich, dass dieser Trancezustand eine tief verwurzelte Vorbereitung war, ja eine Art Meditation vor dem Beginn eines Krieges.“

Dies ist nicht das gedankliche Bild, mit welchem die meisten Leute ihre nationale Identität verbinden wollen. Die Färöer-Inseln sind ein wunderschönes Märchenland und sehen so aus, als ob sie der Drehort für die Mittelerde aus Herr der Ringe sein könnten. Die grünen Berge mit den kaskadenförmigen Wasserfällen sind schon fast jenseitig. Die Steinformationen und hoch aufragenden Klippen der Nordküste sind unglaublich beeindruckend. Und inmitten dieser prächtigen Naturlandschaft liegt eine Gemeinschaft mit ungefähr 47.000 Menschen, die den höchsten Lebensstandard Europas haben.

Es gibt nur einen Makel an dieser fast perfekten Gesellschaft: die abscheuliche Grausamkeit namens Grindadráp. Es hat in einer zivilisierten Welt des 21. Jahrhunderts einfach nichts mehr zu suchen. Auf der ganzen Welt verursacht diese Jagd Abscheu. Sie ist grausam, unnötig, aus ökologischer Sicht destruktiv und widerwärtig.

Seit 1983 setze ich mich gegen dieses Massaker ein. Es ist nun schon das sechste Mal, dass Sea Shepherd während dieser Jahreszeit mit unseren Schiffen vor Ort ist. Und in dieser Zeit habe ich ein wachsendes Bewusstsein und einen wachsenden Widerstand der Färinger gegen das Grind wahrnehmen können.

Ich bin zuversichtlich, dass diese abscheuliche Praxis beendet werden kann und hoffe, dass dies so bald wie möglich geschieht.

Unsere diesjährigen Bemühungen haben sich ausgezahlt. Diesen Sommer wurde während der Anwesenheit unserer Schiffe kein einziger Wal getötet. Mit etwas Glück wird das TV-Projekt, an dem Animal Planet arbeitet, diesen Massenmord ans Licht der Weltöffentlichkeit bringen, genauso wie „Die Bucht“ die Aufmerksamkeit auf das Abschlachten der Delfine in Taiji gelenkt hat.

Am vergangenen Wochenende lief ich an einem der Todesstrände mit einigen meiner Crewmitglieder entlang. Während man an vielen Stränden Muschelschalen finden kann, sind es auf den Färöern Schädel und Knochen von Grindwalen und Delfinen, die den Strand übersäen. Die Schädel, die aus dem Kiesel und Sand hervorschauen, beschwören Bilder der Schlachtfelder herauf und vor meinem geistigen Auge konnte ich das mit Blut verfärbte Meerwasser sehen und die Schreie der Wale hören, während die Messer ihre hilflosen Körper aufschlitzten.

Als ich an diesem verwunschenen Strand stand, war ich für die Hingabe meiner tapferen Mannschaft dankbar. Wegen ihr herrscht diesen Sommer an diesen Stränden Stille und wegen ihr färben sich die Buchten nicht mit heißem Blut rot und wegen ihnen ist dies bis jetzt ein Sommer der Hoffnung für die Wale und für diejenigen, die gegen den mutwilligen Mord an diesen sanften, intelligenten und großartigen Geschöpfen sind.

Quelle: Sea Shepherd Deutschland

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Sea Shepherd News abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Eine Begegnung der entfernten Art mit einem Strandmeister

  1. Toller Bericht, ließ sich wirklich gut lesen!

    Gruß