Das Imperium schlägt zurück

Kommentar von Captain Paul Watson
The Yushin Maru No. 2 attacks the Delta with its water cannon. Photo: Billy Danger

Die Yushin Maru No. 2 attackiert das SSCS-Delta mit Wasserkanonen. Photo: Billy Danger

Wenn Whale Wars Star Wars wäre, würde diese Staffel Das Imperium Schlägt Zurück heißen.

In der letzten Saison kehrte die japanische Walfangflotte anderthalb Monate früher zurück als geplant, geschlagen, pleite und gedemütigt. Wir hatten die dunkle Seite besiegt.

Sie hatten nur 17% ihrer Fangquote erfüllt und verloren mehrere zehn Millionen Dollar ihres Profits.

Während Sea Shepherd um die halbe Welt segelte, um Blauflossenthun-Wilderer im Mittelmeer, barbarische Robbenschlächter in Namibia und die erbarmungslos bösen Färöer Grindwalkiller im Nordatlantik zu bekämpfen, schmiedeten die Bürokraten der japanischen Fischereibehörde ihre Rachepläne.

Und dank der großzügigen Spenden von Menschen aus aller Welt stand ihnen eine Kriegskasse zur freien Verfügung, und so zweigten sie 30 Millionen Dollar aus den Spendenfonds für die Tsunami- und Erdbebenopfer ab, zur Aufrüstung der Sicherheit ihrer schändlichen Walfangflotte und des schwimmenden Todessterns der Wale – der Nisshin Maru.

Die Sea Shepherd-Schiffe Steve Irwin und Brigitte Bardot verließen Europa durch den Suezkanal, durchbrachen eine Blockade von somalischen Piraten am Horn von Afrika und kehrten nach Australien zurück. Es blieb nur wenig Zeit, bis sie wieder aufbrechen mussten, dieses Mal zur achten Kampagne im antarktischen Walschutzgebiet, um die Wale vor den gnadenlos todbringenden Harpunen des zerstörerischen Todestrios zu beschützen – den drei japanischen Harpunenschiffen der Yushin-Klasse.

Gleich von Anfang an musste Sea Shepherds Operation Divine Wind einen Rückschlag hinnehmen, als unser Aufklärungsschiff, die Brigitte Bardot, von einer Monsterwelle außer Gefecht gesetzt wurde und die Steve Irwin dazu zwang, sie zur Reparatur nach Fremantle, Australien zurück zu begleiten.

Die Bob Barker blieb allein zurück, um die Walfangflotte bis zur Rückkehr der Steve Irwin zu verfolgen.

Ohne unser Aufklärungsschiff war nun die japanische Flotte im Vorteil. Sie opferten zwei ihrer Harpunenschiffe, die Yushin Maru No. 2 und die Yushin Maru No. 3, zusammen mit der Shonan Maru No. 2, um der Steve Irwin und der Bob Barker auf den Fersen zu bleiben.

Auch wenn es Sea Shepherd möglich ist, die Nisshin Maru mit Hilfe von Drohnen ausfindig zu machen, konnten wir bisher nicht dicht zu ihnen aufschließen, da die Verfolgerschiffe schlichtweg unsere Position übermitteln und dem Todesstern der Wale so ermöglichen, vor uns zu flüchten.

Das tun sie jetzt bereits seit 12.000 Seemeilen.

Positiv betrachtet hat ihre ständige Bewegung und die Tatsache, dass sie nur ein Harpunenschiff verwenden, den Walfang erheblich gedrosselt.

Doch ohne ein Aufklärungsschiff zum Auffinden der Nisshin Maru können wir sie nicht komplett blockieren, was bedeutet, dass einige Wale getötet werden.

Währenddessen wurden die Schnellboote der Steve Irwin und der Bob Barker ausgesandt, um die uns verfolgenden Killerschiffe zu bedrängen und abzubremsen. Das ist eine gefährliche, kalte und frustrierende Arbeit.

Die Harpunenschiffe sind uns um ein Vielfaches überlegen, sie sind schneller und besser manövrierbar als die Schiffe von Sea Shepherd. Sie haben scharfe Sporne an ihrem Rumpf, um die Seile, die wir zur Blockade der Schiffsschraube auswerfen, zu zerschneiden und sie sind gespickt mit Wasserwerfern, Schallkanonen, Blendgranaten und Star Wars-Impulse guns.

Außerdem haben sie den Vorteil, dass ihre Regierung ihnen zu 100% den Rücken stärkt und sie wissen, falls sie jemanden von uns verletzen oder töten, wird ihre Regierung das rechtfertigen. Unsere Regierungen hingegen verurteilen so ziemlich alles, was wir tun, um das illegale Abschlachten von Walen in einem Schutzgebiet zu verhindern.

Vor zwei Jahren erst brach die berüchtigte Shonan Maru No. 2 den Tarnkappen-Trimaran Ady Gil in zwei Hälften und tötete dabei beinahe einige Crewmitglieder. Sie mussten sich vor niemandem rechtfertigen.

Sea Shepherd kann nur so effektiv sein, wie es unsere Ressourcen zulassen und obwohl wir jedes Jahr stärker und erfolgreicher werden, ist es schwer, einer Kriegskasse von 30 Millionen Dollar entgegenzutreten, die einzig und allein dazu dient, dass ihre halbe Flotte unsere Schiffe blockieren kann.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir dieses Jahr ihren Betrieb aufhalten. Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir ihnen mehrere zehn Millionen Dollar Verlust bescheren.

The Steve Irwin chases the Yushin Maru 3 around pack ice. Photo: Billy Danger

Die Steve Irwin jagt die Yushin Maru 3 durch Packeis. Photo: Billy Danger

Doch wir müssen zugeben, dass wir in der Unterzahl sind und dass wir gegen einen mächtigen Gegner kämpfen, der zusätzlich zu den ganzen Konfrontationen hier unten im Südpolarmeer auch noch politischen und wirtschaftlichen Einfluss auf Australien, Neuseeland, die Niederlande, Kanada und die Vereinigten Staaten ausübt, um uns davon abzuhalten, die Wale zu verteidigen.

Meine Crew aus internationalen Freiwilligen erfüllt ihre Pflichten mit unglaublichem Mut und Entschlossenheit. Sie greifen an im Angesicht von Wasserwerfern und Wurfgeschossen, die auf sie geschleudert werden. Sie werden von ihren Booten geworfen, fast mit einem Enterhaken umgebracht, der die Sitze und den Heckbalken des Deltabootes zerrissen hat, mit langen Stangen ins Gesicht geschlagen und mit Bambusspeeren beworfen. All das bei Minustemperaturen, im gefrorenen, eisbedeckten Meer.

Das japanische Imperium hat zurückgeschlagen mit ihrem Entschluss, die größten und intelligentesten Kreaturen des Meeres abzuschlachten und auch, wenn sie ihre grässliche Quote nicht erfüllen können, werden sie trotzdem das Leben von ein paar hundert Walen auslöschen.

Für Star Wars-Fans sind die Ähnlichkeiten zwischen dieser epischen Erzählung und dem, was wir tun, interessant. Manchmal fühlen wir uns, als wären wir auf einem Raumschiff, isoliert im gewaltigen Ozean, wenn wir uns den Weg durch Eisberge und Eisschollen bahnen, auf der Suche nach einem riesigen Schiff des Todes, umgeben von schnellen, glänzenden, überlegenen Schiffen, die wir attackieren und von denen wir attackiert werden.

Der Tod kommt genauso schnell, sollten wir in das uns umgebende schwarze Wasser fallen, wie er es sicher täte, wenn wir aus einem Raumschiff aussteigen müßten.

Vor ein paar Jahren war ich wirklich begeistert, als George Lucas verlauten ließ, dass ihm die Folge von Whale Wars gefiele, in der wir das verfolgende Sicherheitsschiff in einem Feld aus Eisbergen und Nebel abhängen konnten, indem wir uns hinter einem großen Eisberg versteckten und das japanische Schiff auf dem Radar an uns vorbeifahren sahen. Er verglich es mit dem Millennium Falken, der die ihn verfolgenden Sternzerstörer in einem Asteroidengürtel abhängt.

In gewisser Weise ist es die gleiche Geschichte, eine Konfrontation zwischen den Mächten des Lebens und den Mächten des Todes, zwischen der Macht und der Dunklen Seite der Macht.

Es gibt jene, die behaupten, die Walfänger seien nicht böse, sie seien nur Männer, die ihren Job machen. Die Gefängniswärter in Auschwitz waren auch nur Männer, die ihren Job erledigten, doch sie waren böse und nur jene mit den schwärzesten Herzen können einem wehrlosen, intelligenten Wal eine explodierende Harpune in den Rücken schießen und nichts dabei empfinden, wenn die qualvollen Schreie eines so gemarterten und sterbenden Wals die Luft erfüllen.

Wie soll es von hier aus weitergehen?

Wir werden sie für den Rest der Saison weiterhin ausbremsen, indem wir den Todesstern der Wale weiter verfolgen und wir bereiten uns darauf vor, in der Walfangsaison 2012-2013 ein weiteres Mal ins Südpolarmeer zurückzukehren.

Das bedeutet harte Arbeit für die nächsten 10 Monate, um genug Spenden für die Instandhaltung der Steve Irwin und der Bob Barker, die Reparatur der Brigitte Bardot und die Bereitstellung eines vierten Schiffes zu sammeln, eines zweiten Aufklärungsschiffs, schneller als die Harpunenschiffe, aber groß genug, um die Nisshin Maru zu blockieren.

Wir müssen mit vier Schiffen zurückkehren und einem Helikopter, Drohnen, Schnellbooten und einer Crew, die bereit ist, alles für die Verteidigung der Wale und der Ozeane zu riskieren.

Die japanische Walfangflotte überlebt nur mit Hilfe von Subventionen und weil sie Spendengelder veruntreuten, die von wohlmeinenden Menschen aus aller Welt geschickt worden waren, um den Opfern der Katastrophe zu helfen, die letzten März in Japan geschah.

Die abscheuliche japanische Walschlachterei überlebt nur, weil die japanische Regierung die Menschen betrogen hat, die Hilfe benötigen und die Menschen, die diesen helfen wollten.

Das Letzte, was die Menschen erwartet haben, als sie einen Scheck für die Hilfe für obdachlose Tsunamiopfer in Japan ausschrieben, war, dass ihr Geld dafür verwendet werden würde, das Abschlachten der Wale im Südpolarmeer zu finanzieren.

Und so geht der schändliche Serienmord an den Walen als verherrlichtes Sozialhilfeprojekt weiter, in völligem Widerspruch zu Japans sogenanntem kapitalistischen Wirtschaftssystem.

Die japanische Walfangindustrie ist jetzt bloß noch ein weiteres, Sozialhilfe schnorrendes, Unternehmen, das auf Kosten des japanischen Volkes lebt.

Sea Shepherd wird niemals aufgeben oder sich von diesem Feldzug zurückziehen, die Sozialschmarotzer und Serienwalmörder aus dem antarktischen Walschutzgebiet zu vertreiben. Wenn sie unsere Schiffe versenken, werden wir sie ersetzen. Wenn sie uns zwingen, unsere Flaggen zu verlieren, werden wir andere Flaggen finden, wenn sie jemanden von unserer Crew festhalten, werden andere sie ersetzen. Wenn es ihnen gelingt, mich auszuschalten, wird mich jemand ersetzen.

Sea Shepherd wird den Walfang im Schutzgebiet irgendwie beenden oder wir werden verdammt nochmal bei dem Versuch sterben.

Die Macht ist mit uns und die Dunkle Macht ist mit den Killern in diesem klassisch-epischen Kampf zwischen Gut und Böse, Leben und Tod, Menschlichkeit gegen Unmenschlichkeit, Güte gegen Grausamkeit und Barmherzigkeit gegen widerwärtige Arroganz.

Ich glaube daran, dass das Leben über den Tod triumphieren wird und das Gute über das Böse.

Hier unten in den abgeschiedenen und lebensfeindlichen dunklen und kalten Gewässern des antarktischen Walschutzgebietes tragen die Guten schwarz.

Original: http://www.seashepherd.org/commentary-and-editorials/2012/02/16/the-empire-strikes-back-516

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Eine Antwort auf Das Imperium schlägt zurück

  1. Dan sagt:

    Ein packender und interessanter Bericht!

    Die 17% Fangquote sind ein großer Erfolg!