60. Tag als Gefangener in Deutschland

Seit dem 13. Mai, dem Tag, an dem ich auf dem Weg zu den Filmfestspielen in Cannes am Frankfurter Flughafen landete, erlebe ich ein höchst befremdliches Abenteuer.

In den vergangenen 60 Tagen ist so viel passiert und es wurde von überall auf der Welt so viel Beistand bekundet.

Bedauerlicherweise hat sich die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger entschlossen, obwohl sie die Macht hat, die politische Entscheidung über meine Freilassung zu fällen, darauf zu beharren, dass sie nicht in das laufende Gerichtsverfahren eingreifen werde. Dies trotz der Tatsache, dass es sich bei diesem Fall in Wirklichkeit viel eher um einen politischen als um einen juristischen handelt.

Deutschland hat keinerlei Auslieferungsvertrag mit Costa Rica.

Interpol hat diesen Auslieferungsbefehl als politisch motiviert verworfen. Daher wäre ich nun nicht in einer solchen Situation, wenn ich in Paris oder London zwischengelandet wäre, doch Deutschland hat aus bisher ungeklärten Gründen entschieden, diesem Auslieferungsersuchen Folge zu leisten.

Die Unterlagen aus Costa Rica sind angekommen und werden vom deutschen Oberlandesgericht  in Hessen geprüft.

Die Anklage ist lächerlich. Die von Costa Rica gelieferten Informationspapiere besagen, dass tatsächlich die Varadero I , das Fischerboot, das  die Beschwerde eingereicht hat, längsseits auf das Sea Shepherd- Schiff Ocean Warrior aufschlug. Die Ocean Warrior hat weder versucht, die Varadero I zu rammen, noch tat sie dies, und das costa-ricanische Auslieferungsersuchen gesteht dies ein. In den Angaben wird eingestanden, dass der Fehler bei der Varadero I lag. Was die Informationsunterlagen feststellen, ist, dass von der Ocean Warrior gesprühtes Wasser das Steuerhaus der Varadero I vernebelte, was dazu führte, dass der Kapitän des Fischerbootes die Kontrolle über sein Boot verlor und dadurch längsseits mit der Ocean Warrior kollidierte.

Die Varadero I streifte die Ocean Warrior an Backbord. Die Ocean Warrior hatte nach den seerechtlichen Bestimmungen die Vorfahrt.

Es entstand kein Schaden und niemand wurde verletzt.

Die Varadero I war 50 Meilen innerhalb guatemaltekischer Gewässer beim Fangen und Abschneiden der Flossen von Haien aufgegriffen worden.

Ein Jahr zuvor war die Varadero I bereits auf den Galapagos-Inseln wegen illegalen Fischens rechtskräftig verurteilt worden und hatte die Höchststrafe erhalten (Strafe von 4.000 US-$).

Die guatemaltekische Regierung hatte ausdrücklich dazu aufgefordert, dass die Ocean Warrior eingreifen solle, um den illegalen Fischereibetrieb  der Varadero I zu stoppen.

Dieser Vorfall ereignete sich in guatemaltekischen Gewässern und nicht in costa-ricanischen oder internationalen Gewässern.

Der Vorfall fand 2002 statt, so dass sich die Frage stellt, warum Costa Rica ein Jahrzehnt später dieses Auslieferungsersuchen ausstellt? Und die weitere Frage ist, warum Deutschland entscheidet, diesen Haftbefehl auszuführen, während alle anderen Nationen dem Hinweis von Interpol Folge leisten, ihn zu verwerfen?

Was ist Japans Rolle dabei? Die Präsidentin Costa Ricas hat sich am 8. Dezember 2011 mit dem Premierminister Japans getroffen und diese Angelegenheit besprochen. Im Juli 2012 hat Japan Costa Rica ein Geschenk von 9 Millionen Dollar für seine Nationalparks gemacht. Schmiergeld? Könnte sein.

Es ist schwer zu sagen, welche politischen Klüngeleien dahinter stehen, aber ich weiß, dass das Versprühen von Wasser auf einige Haiwilderer in guatemaltekischen Gewässern auf Verlangen der guatemaltekischen Regierung, wobei niemand verletzt und kein Eigentum beschädigt wurde, und ich noch nicht einmal den Wasserschlauch gehalten habe, kaum den Aufwand dieses Auslieferungsverfahrens rechtfertigt.

Nun hat andererseits  all dies auch eine gute Seite. Es ist uns gelungen, erneut die Aufmerksamkeit auf das shark finning  und auf Costa Ricas zwielichtige Verwicklung in das shark finning zu lenken.

Da liegt das wahre Verbrechen. In dem gewaltigen Schmuggelbetrieb mit Haien und Drogen nach, durch und aus Costa Rica heraus.

Seit meiner Verhaftung wurde so viel mehr Öffentlichkeit für das shark finning und Costa Rica hergestellt. In den letzten 58 Tagen wurden von der costa-ricanischen Küstenwache mehr illegal gewonnene Haifischflossen beschlagnahmt als in den letzten zwei Jahren.

Wird Deutschland wirklich meine Auslieferung nach Costa Rica verfügen?

Ich vertraue darauf, dass sie das nicht tun werden.

Die Deutschen können die in Frage stehenden Tatsachen, die vorgelegt wurden, erkennen. Sie kennen auch die Lage, wenn ich nach Costa Rica zurückgeschickt werde und mir dort vor dem Gerichtsverfahren irgendetwas passiert, wie etwa, dass irgendjemand gern das von der Haifischflossenmafia von Puntarenas auf mich ausgesetzte Kopfgeld von 25.000 US-$ einsammeln möchte.

Deutschland ist ein umweltbewußtes Land. Costa Rica ist nicht so umweltbewußt, auch wenn ihre Touristenbroschüren etwas anderes behaupten. Man kann sich nicht als grüne Nation bezeichnen, wenn man jedes Jahr Tausende von Tonnen Haifischflossen nach Asien, Zehntausende Schildkröteneier nach China verschifft und den Taiwanesen und Festlandchinesen gestattet, den Fischbestand aus seinen Gewässern zu plündern.

Der Schwund der Biodiversität in den Gewässern rund um die Cocos-Inseln legt Zeugnis über die Tatsache ab, dass Costa Rica nicht das grüne Paradies ist, das sein Amt für Tourismus zu sein vorgibt.

Meine Zeit in Deutschland dient dazu, bei der Aufdeckung der zwielichtigen Händel zwischen Politikern und denen, die von der illegalen Ausbeutung unserer Meere profitieren, zu helfen.

Quelle: Facebook

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