Wo ist Captain Paul Watson?

Der Mitbegründer von Greenpeace ist, nachdem er seinem Kautionsverfahren in Deutschland entwischte, verschwunden – doch nicht spurlos

Ein Rechtsflüchtling kämpft für Menschenrechte, der andere für die von Tieren.

Anti-Walfang-Aktivist Captain Paul Watson. Photo: Corbis

Anti-Walfang-Aktivist Captain Paul Watson. Photo: Corbis

Beide haben eine lange Geschichte der Konfrontation von Regierungen und Legionen von passionierten Unterstützern. Und nun sind beide ihren Kautionsverfahren in fremden Ländern entwischt, um die Auslieferung an weit mächtigere Nationen zu verhindern, von denen sie annehmen, sie wollten sie aus politischen Gründen verfolgen. Doch die Ähnlichkeiten zwischen dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange und Paul Watson, dem charismatischen Gründer der radikalen marinen Exekutiv-Organisation Sea Shepherd, enden hier.

Assange verschanzt sich unter den Augen einer breiten Öffentlichkeit in der ecuadorianischen Botschaft in London, um zu verhindern, dass er nach Schweden zurück geschickt wird, wo ihm eine Ermittlung zu den Vorwürfen sexueller Übergriffe bevorsteht. Jedoch befürchtet er, an die Vereinigten Staaten ausgeliefert zu werden.

Watson ist nach seiner Flucht aus dem Kautionsverfahren in Deutschland verschwunden, angesichts von Anschuldigungen aus Costa Rica – die Watson schärfstens zurückweist – er habe im Jahre 2002 das Leben einiger seiner Haifischflossenjäger gefährdet. Der in Kanada geborene Umweltschützer, der Greenpeace mitbegründete und einen bereits 40 Jahre währenden Feldzug gegen illegale Fischerei und die Zerstörung der Meere führt, sah sich Auslieferungsersuchen sowohl Costa Ricas als auch Japans gegenüber, gegen das Sea Shepherd einen langen und erbitterten Krieg um die Wale in der Antarktis geführt hat.

Doch wo ist Captain Watson? Diese Woche habe ich auf der ganzen Welt Nachrichten hinterlassen in dem Versuch, ihn dazu einzuladen, einen Beitrag für den Guardian zu schreiben. Oliver Wallasch, sein Anwalt in Deutschland, nahm keine Anrufe entgegen, die Europa-Direktorin von Sea Shepherd auch nicht. Das US-Headquarter der Organisation verwies mich auf seinen Rechtsstatus auf ihrer Website und Watson selber beantwortete seine Anrufe aus den US oder Europa nicht.

In der Zwischenzeit nahm die Brücke des Sea Shepherd-Flaggschiffs, die Steve Irwin, einen Anruf entgegen, als sie die australische Küste verließ, doch die Botschaft war klar: “Wir haben keine Ahnung, wo sich Captain Watson aufhält.” Nur seine PR-Agentur sagte, sie habe in den vergangenen Wochen mit ihm in Kontakt gestanden, indem sie einige E-mails von ihm erhalten hätte. Aber auch sie gaben an, keine Kenntnis darüber zu haben, wo er sich aufhalte.

Am besten ist Watson auf See – seinem Zuhause. Letztes Jahr sagte er mir, er halte sich nur wenige Tage im Jahr an Land auf, und sein Anwalt sagte letzten Monat, er denke, dass er [Watson] meine, er könne seinen Klienten – den Walen und Fischen – auf einem Schiff von größerem Nutzen sein als er das in einem deutschen oder japanischen Gefängnis könne. Aber wenn er nicht auf der Steve Irwin ist, könnte er dann womöglich auf einem von Sea Shepherds zwei anderen Schiffen, der Brigitte Bardot und der Bob Barker sein? Von beiden nimmt man an, dass sie sich, wie die Steve Irwin, in australischen Gewässern auf eine neue Anti-Walfang-Kampagne gegen die Japaner in der Antarktis vorbereiten, die im Dezember beginnt. Zu keinem der Schiffe konnte Kontakt aufgenommen werden, doch jedenfalls dürfte es unwahrscheinlich sein, dass er Europa hätte verlassen können, ohne dass die Behörden davon Kenntnis erlangen.

Könnte er also noch in Europa sein? Dem Guardian wurde mitgeteilt, dass seine Tochter und die Leiterin des Sea Shepherd-Büros Europa in Amsterdam gesehen worden seien. Doch ebenso wurde behauptet, er könne um politisches Asyl in Chile über den Senator Juan Pablo Letelier angesucht haben, der, wie es scheint, zu einem „Vorantreiben politischen Asyls für Watson“ aufgefordert wurde.

Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass Captain Watson, wie Assange, einen Antrag auf politisches Asyl in Ecuador stellen wird, wo Präsident Correa eine beachtliche Bilanz hinsichtlich der Menschenrechte aufweist und wo Sea Shepherd eine lange Geschichte der Zusammenarbeit mit der nationalen Polizei und den Galápagos im Aufgreifen illegaler Fischer und der Erfassung der Haifischflossenmafia hat. 2005 war der Organisation sogar die Ermächtigung zur Festnahme von Leuten gewährt worden, die der illegalen Fischerei verdächtigt wurden und 2007 spendete Sea Shepherd ihr altes US-Küstenwachboot an den Meeres-Nationalpark. Obwohl Correa einst Sea Shepherds ecuadorianischen Repräsentanten, Sean O’Hearn, auswies, wurden die Beziehungen gekittet und Watson war voll des Lobes für Correa.

The last hint that Ecuador may be the preferred destination of Watson is that he is known to be good friends with Mariana Almeida, head of Ecuador’s vibrant Life Without Frontiers ecological foundation. In a letter to a US website, she recently wrote with apparent knowledge of the legal case Watson’s legal team may be expecting to pursue:

Der letzte Hinweis, dass Ecuador das bevorzugte Ziel Watsons sein könne, ist, dass er als guter Freund von Mariana Almeida, der Leiterin der pulsierenden ecuadorianischen Öko-Stiftung Life Without Frontiers gilt. In einem Brief an eine US-Website schrieb sie kürzlich mit offenkundigem Wissen über die Rechtslage, Watsons Rechtsberaterteam würde folgendes Vorgehen erwarten:

Der Fall Captain Watsons würde auch der zuständigen Menschenrechtskommission und Organisationen vorgelegt werden und soll auf die Agenda des europäischen Parlaments gesetzt werden, die internationalen Abkommen sollen respektiert werden und, das ist klar, Deutschland dürfte dem europäischen Parlament den Grund dafür zu erklären haben, weshalb es einen Auslieferungsantrag eines Karibikstaates annimmt ohne dass es einen Auslieferungsvertrag hat.“

Das ist nicht endgültig, aber Watson braucht im Moment alle Freunde an Land, die er hat. Er hat viele Male bewiesen, dass er ein Meister des Rechts auf See ist, doch ob er jetzt eine Phalanx aus Regierungen, angeführt von den mächtigen Japanern, überlisten kann, das dürfte über den Rest seines Piratendaseins entscheiden.
Quelle: The Guardian

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Eine Antwort auf Wo ist Captain Paul Watson?

  1. Laura sagt:

    Endlich eine aktutelle Meldung über Paul Watsons Verhaftung. Auch wenn es nicht das ist, was ich hören wollte :S Es ist fast, als hätte man ihn wieder vergessen. Die Medien hätten viel mehr Druck ausüben sollen und sollten es jetzt auch tun. Ich hoffe sehr, das nimmt ein gutes Ende! Das Gesetz verhaftet die falschen Leute!
    Aber vielen Dank für die Information.