Über Unnachgiebigkeit – Update aus dem antarktischen Walschutzgebiet

von Captain Peter Hammarstedt, Bob Barker

Die Kapitäne der Operation Relentless Photo: Eliza Muirhead

Nachdem alle drei Sea Shepherd-Schiffe aufgetankt und die Vorräte wieder aufgefüllt sind, und alle drei ohne Verfolger, wird nun die zweite Etappe der Operation Relentless fortgesetzt, wobei die Sea Shepherd-Flotte auf dem Weg ist, einen Rekord geretteter Leben abzuliefern.

Um die erste Etappe der Kampagne zusammenzufassen, die Walfangflotte wurde das erste Mal am 05. Januar im antarktischen Walschutzgebiet geortet, als der Helikopter der Steve Irwin vier bedrohte und geschützte Zwergwale filmte, die auf dem Flensdeck des schwimmenden Schlachthauses Nisshin Maru geschlachtet worden waren. Nimmt man das Datum, an dem die Walfangflotte Japan verließ, dann blieben nur wenige Tage für den Walfang, bevor sie gefunden wurde.

Über drei Tage hinweg hat die Sea Shepherd-Flotte die Nisshin Maru verfolgt und sie aus ihrem selbsternannten Walfanggebiet verjagt, als sie nördlich des 60° Breitengrades Süd eskortiert wurde. Unglücklicherweise ist die einzige Kehrseite des Auffindens der Walwilderer zu Beginn der Walfangsaison, dass die Menge an Treibstoff, die die Sea Shepherd-Schiffe mit sich führen, und die ihr Durchhaltevermögen auf See sicherstellen, auch ihre Höchstgeschwindigkeit begrenzt. Nach drei Tagen verloren wir den Sichtkontakt zur Nisshin Maru, doch sie brauchten zwei weitere Tage, um wieder ins Eis zurückzukehren, wo sie den Walfang wieder hätten aufnehmen können, hätte das Wetter es erlaubt.

Sowohl die Steve Irwin als auch die Bob Barker blieben zurück, mit sie verfolgenden Walfangschiffen in ihrem Schlepptau, die die Position der Sea Shepherd-Flotte weitergaben, womit sie der Nisshin Maru ermöglichten, außer Reichweite zu bleiben. Die Bob Barker machte sich sofort auf den Weg zur Macquarieinsel und der Grenze des australischen Walschutzgebiets, wo die Wilderer nicht einzudringen wagen und wo sie rechtliche Konsequenzen für die Verletzung der australischen Bundesgerichtshofsverordnung von 2008 riskieren. So stärkt der Zufluchtsort für die Wale auch die Effektivität der einzigen Gesetzeshüter, die ihnen Schutz bieten – Sea Shepherd. An der Grenze der 200-Meilen-Zone der Macquarie Insel, die die ausschließliche Wirtschaftszone Australiens absteckt, ließ die Yushin Maru, das Harpunenschiff, das die Bob Barker belästigte, ab und gab die Bob Barker frei, die Jagd auf die Nisshin Maru wieder aufzunehmen. In der Zwischenzeit hielten die Steve Irwin und die Sam Simon den Rest der Walfangflotte auf der Flucht, und während die Wilderer vor den Sea Shepherd-Schiffen auf der Flucht waren, waren ihre Möglichkeiten, Wale zu töten, eingeschränkt.

Am 24. Januar “stolperten” die Bob Barker und die Sam Simon, in Suchformation, über Walinnereien und folgten einer Spur von Wal-Eingeweiden geradewegs zum Fabrikschiff der Walfangflotte. In der vorangegangenen Woche hatte weiteres schlechtes Wetter den Walfang schwierig, wenn nicht unmöglich, gemacht. Während die Sea Shepherd-Schiffe das Fabrikschiff aus dem Sichtkontakt verloren hatten, trommelte das Südpolarmeer mit einer Serie von Tiefdrucksystemen auf die Walfangflotte ein, eins nach dem anderen, wie ein wahrhaftiger, außer Kontrolle geratener Güterzug aus Wind, der das Meer aufwühlte und das Wasser aufpeitschte und die Wale behütete, bis die Sea Shepherd-Flotte den Job als einziger Beschützer wieder übernehmen konnte.

Nachdem sie die Nisshin Maru zum zweiten Mal gefunden hatten, hielten die Steve Irwin und die Bob Barker sie alle für zehn Tage auf der Flucht. Kein einziger Wal wurde während dieser Zeit getötet, als die Sea Shepherd-Schiffe Wache an der Gleitbahn hielten.

Am 02.Februar, nachdem sie mehr als drei Viertel des Monats Januar an entweder Sea Shepherd oder die göttlichen Winde verloren hatten, die die Tötungen auf ein Mindestmaß beschränkten, griffen die drei zu der Walfangflotte gehörenden Harpunenschiffe an. In einem verzweifelten Manöver kreuzten die drei Harpunenschiffe wiederholt den Bug der Steve Irwinund der ob Barker, jeweils 45 und 41 mal, mit dem Ziel, Propeller und Ruder zu beschädigen, indem sie 300 Meter lange Stahlkabel hinter sich herzogen. Bei einem dieser Manöver kollidierte das Achterschiff der Yushin Maru No. 3 mit dem Bug der Bob Barker und riß beinahe unseren Anker ab. Jedes dieser gefährlichen Manöver erlaubte es der Nisshin Maru, sich weiter zu entfernen. Der Seegang, mit einer Wellenhöhe von drei Metern, war gezielt für die Attacke ausgewählt worden, um die Möglichkeiten der Sea Shepherd-Schlauchboote einzuschränken, den Angriff zu verhindern.

 

Die Steve Irwin und die Bob Barker bewachen die Gleitbahn der Nisshin Maru Photo: Simon Ager

Jedoch war es nicht das Schlimmste, was passieren konnte, die Walfangflotte zu verlieren. Die Sea Shepherd-Flotte mußte auftanken, um die gesamte Walfangsaison durchstehen zu können und glücklicherweise war die Bob Barker nur vier Tage von der Macquarie Insel entfernt und die Steve Irwin nur 5 Tage von Neuseeland. Als die Steve Irwin in neuseeländische Gewässer einfuhr, verfolgte die Shonan Maru No. 2, das Gefahrenabwehrschiff der Waljäger, sie trotz einer offiziellen Aufforderung der neuseeländischen Regierung und löste damit eine diplomatische Krise zwischen Neuseeland und Japan aus. Die Yushin Maru No. 3 drehte erneut an der Grenze zur australischen ausschließlichen Wirtschaftszone ab. Die Sam Simon tankte ebenfalls in Dunedin, Neuseeland, auf und mit der Unterstützung unserer hart arbeitenden Freiwilligen an Land waren sie in weniger als 20 Stunden wieder auf hoher See.

Alle drei Sea Shepherd-Schiffe sind nun bereit und verfolgen wieder die Nisshin Maru. Es ist ein riesiges Suchgebiet, aber ich bin zuversichtlich, dass wir sie ein drittes und letztes Mal finden werden. In der Zwischenzeit, während die Medien von einigen Schiffen berichten, die im Eis stecken bleiben und anderen, die auf Grund laufen, hält sich das Wetter in der Antarktis in einer Rekord-Schlechtwetterlage, die den Walfang noch schwieriger macht als es für uns ist, die Waljäger zu finden.

Sea Shepherds zehnte antarktische Walschutzkampagne wurde aus einem bestimmten Grund Operation Relentless benannt. Dieser war, dass bei dieser Kampagne nur Beharrlichkeit siegen kann. Wegen des Erfolgs der vorangegangenen Kampagnen wäre Operation Relentless nie eine Kampagne geworden, bei der die Walwilderer versucht hätten, direkt vor den Augen Sea Shepherds Walfang zu betreiben. Sie wäre nie eine Kampagne geworden, bei der die Walwilderer versucht hätten, vor den Augen von Sea Shepherd aufzutanken. Inzwischen wissen die Walwilderer sehr genau, dass die drei Sea Shepherd-Kapitäne ihre Schiffen exakt da positionieren werden, wo sie nötig sind, um diese Verbrechen zu verhindern.

Für diese Kampagne war stets abzusehen, dass die Walfänger versuchen würden, die Sea Shepherd-Flotte abzuhängen, selbst wenn sie dafür rücksichtslose und grundlose Attacken fahren müßten.

Als Captain Ogawa, der Kapitän der Nisshin Maru, während einer eidlichen Aussage vor Gericht gefragt wurde, ob er glaube, dass irgendetwas die Sea Shepherd-Kampagnen in der Antarktis stoppen werden, antwortete er bloß „Nein“. Als er aufgefordert wurde, zu erklären, weshalb, äußerte er schroff – „weil sie niemals aufgeben“. Das ist der Grund, aus dem seit dem 03. Februar kein Tag verging, an dem Captain Ogawa nicht über seine Schulter nach hinten schaut. Er weiß, dass wir kommen, und er weiß, dass es nichts macht, wenn wir zurückgeworfen werden; wir holen ihn immer ein.

Niemals zuvor sah sich Sea Shepherd einer solchen Aggression der Walwilderer gegenüber. Wir stehen dieses Jahr einem verzweifelten Gegner in der Walfangindustrie gegenüber, denn er ist ein Widersacher, der im Begriff ist, die Whale Wars zu verlieren.

Im Verlauf der letztjährigen Kampagne bekämpften wir die Waljäger, indem wir ihre Treibstoffzufuhr blockierten, das Tankschiff Sun Laurel.

In diesem Jahr müssen wir kämpfen, indem wir die Gleitbahn der Nisshin Maru blockieren.

Wir haben die Walfangflotte zweimal gefunden. Und wir haben sie zweimal verloren. Ich bin zuversichtlich, dass wir ihnen den entscheidenden Schlag versetzen werden, wenn wir sie das dritte Mal finden und dieser sie in eine der schlechtesten Schlachtsaisons stürzen wird, die sie bisher hatten.

Wir werden an diese Gleitbahn zurückkehren, weil das der Ort ist, an den jedes Sea Shepherd-Schiff im Südpolarmeer gehört. Und wenn wir das tun, werden wir die Waljäger genau daran erinnern, was es heißt, unnachgiebig zu sein.

Die Steve Irwin ist während eines neunstündigen Angriffs auf die Sea Shepherd-Schiffe von den 3 Harpunenschiffen umgeben Photo: Marianna Baldo

Quelle: Sea Shepherd Australia

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Eine Antwort auf Über Unnachgiebigkeit – Update aus dem antarktischen Walschutzgebiet

  1. el Capitan sagt:

    Ich verstehe nicht warum alle drei Schiffe gleichzeitig tanken müssen und dadurch die Walfangflotte aus den Augen verlieren. Warum tanken die nicht nacheinander auf so, dass immer zwei Seashepherd-Schiffe an der Gleitbahn bleiben?

    Noch einen Tip für den Admin dieser Webseite (du kannst diesen Teil meines Kommentars löschen sobald du ihn gelesen hast).
    Wenn man auf deine Anfangsseite geht, kann man ja direkt die kompletten Post lesen. Dadurch muss man nicht mehr auf den Link drücken um zu den “Unterseiten” der Artikel zu kommen. Das ist eigendlich schade, weil man auf der Haubtseite die Komentare nicht sieht und so kaum eine Diskussion entsteht.

    Da du WordPress nutzt, könntest du den “More Tag” bzw. “Alt Shift T” nach dem ersten Absatz benutzen. So würde man auf der Anfangsseite immer nur eine Einführung des Artikels sehen. Um alles zu lesen muss man dann auf die “richtige” Artikel-Seite auf der dann auch die Komentare der anderen User zu sehen sind.
    Ausserdem vermeidest du so den von Google unterwünschten “double content” da sich die Artikel sonnst zwei mal auf deiner Seite befinden (Anfangsseite und Artikelseite).

    An sonnsten finde ich deine Arbeit hier toll. Vielen Dank, dass du uns immer auf dem Laufenden hällst.