Captain Peter Hammarstedt – offener Brief an Greg Hunt

„24. Februar 2014

An den ehrenwerten Greg Hunt
Umweltminister

Sehr geehrter Herr Minister,

mit jedem Jahr, in dem es auf die Walfangsaison in der Antarktis zugeht, fordern die Regierungen Australiens, Neuseelands, der Niederlande und der Vereinigten Staaten beide Parteien in dem Kampf um die Unverletzlichkeit des antarktischen Walschutzgebietes dazu auf, Zurückhaltung zu zeigen. Das ist ein einfacher Weg, die Übernahme jeder wirklichen Verantwortung für die Zusammenstöße, zu denen es in der Antarktis kommt, zu umgehen – warum den Gesetzen gegen Wilderer Geltung verschaffen, wenn es so viel bequemer ist, sie einfach zu bitten, nett miteinander umzugehen?

Ich gestehe, dass ich einen Funken Hoffnung hatte, als Sie ein Wahlversprechen gaben, dass in dieser Saison ein australisches Zollschiff in das Südpolarmeer entsandt werden solle. Das war ein begrüßenswerter Schritt, der für mich sehr tröstlich war, insbesondere nachdem mein Schiff, die Bob Barker, im vergangenen Jahr wiederholt von dem sehr viel größeren Fabrik-Walfangschiff Nisshin Maru gerammt worden war. Doch dieses Versprechen wurde von der Abbott-Regierung ausgehöhlt, indem das Versprechen für ein Schiff zu dem für ein Flugzeug schrumpfte, das zu einem Flugzeug verwandelt wurde, das nur einmal  im Verlauf der gesamten Saison einen Überflug durchführte.

Nun, Herr Minister, ich glaube, dass ich in dieser Saison Zurückhaltung gezeigt habe, in dem guten Glauben, wir stünden unter dem Schutz der australischen Regierung. Doch nachdem ich zwei aufeinanderfolgende und komplett grundlose Attacken hinnehmen mußte, einige der skrupellosesten Angriffe in der Geschichte von Sea Shepherds Walschutzkampagnen in der Antarktis, verliere ich die Hoffnung.

Wenn die Waljäger schwere Metallgegenstände nach meiner Crew werfen, weise ich sie an, nichts zurückzuwerfen – nicht einmal in Selbstverteidigung. Als die Harpunenschiffe mein Schiff das erste Mal in dieser Saison angriffen, suchte ich im Bestreben, sie abzuschütteln, den Schutzbereich der Macquarie Insel auf, statt eine Schlauchbootaktion nach der anderen zu starten, in der Bemühung, diese Verbrecher loszuwerden, die mir nachstellten. Und doch kann ich jetzt nicht einmal in Sichtweite des Fabrik-Walfangschiffs gelangen, bevor die Harpunenschiffe wiederholte Versuche unternehmen, mein Ruder und meine Propeller zu lädieren.

Am 23. Februar 2014, als die japanischen Harpunenschiffe Yushin Maru und Yushin Maru No.3 Hunderte Meter Stahlkabel quer vor meinen Bug schleppten, informierte ich sie über Funk, dass ihre Aktionen illegal seien. Ich teilte ihnen mit, dass ich neun australische Staatsbürger an Bord habe und hißte sogar die australische Flagge an meinem Fockmast, um das Wesentliche herauszustellen. Ich habe eindeutig klargestellt, dass die australische Regierung informiert worden ist. Und dennoch hat sie das nicht von ihren Attacken abgehalten. Jedes knappe Verfehlen meines Propellers erinnerte mich daran, dass dieses australische Zollschiff den Angriff hätte verhindern können.

Mir blieb keine andere Wahl als meine Festrumpfschlauchboote (RHIBs) zur Verteidigung meines Schiffs zu Wasser zu lassen. Am Tag darauf gaben Sie eine weitere Stellungnahme ab, in der Sie alle Beteiligten aufriefen, internationales Seerecht zu beachten und behaupteten, dass die Fakten, was sich ereignet habe, weiterhin unklar seien.

Nun, dieses trügerische australische Zollschiff hätte jede entsetzliche Minute dieser Tortur, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließ, dokumentieren können und wenn es das getan hätte, bin ich sicher, dass ihnen ebenso klar geworden wäre, welch großer Unterschied besteht zwischen zwei Wildererschiffen, die 250 Meter Stahlkabel hinter sich herziehen, mit dem Ziel, absichtlich Ruder und Propeller eines Umweltschutzschiffes zu beschädigen; und einem Umweltschutzschiff, das kleine Schlauchboote in dem Bemühen einsetzt, sich selbst vor einer Attacke zu schützen, die ihm widerfährt. Das Ziel der Walwilderer ist es, das Gesetz zu unterwandern, während unseres ist, das Gesetz aufrechtzuerhalten. Ich habe meine RHIBs nicht abgesetzt, bevor ich nicht die australische Regierung und den neuseeländischen Such- und Rettungsdienst alarmiert hatte, dass ich unter Angriff stünde.

Herr Minister, ich habe keine Zweifel, dass Sie ein engagierter Fürsprecher der Wale sind und ich gratuliere Ihnen zu Ihren starken Stellungnahmen zu deren Schutz. Ich erkenne sogar an, dass, wenn die Entscheidung bei Ihnen, und bei Ihnen allein gelegen hätte, dann wahrscheinlich sogar ein australisches Zollschiff entsandt worden wäre. Aber abgesehen davon, unter der Abwesenheit jeder Art von Gesetzesvollstreckung hier unten und während Versprechen gebrochen wurden, wird mein Schiff ramponiert und bezieht meine Mannschaft Prügel. Im Interesse meiner australischen Crewmitglieder muss ich mich fragen, wie viele Übergriffe werden von uns hinzunehmen erwartet, bevor Tokyo deutlich gemacht wird, dass die australische Regierung keine grundlosen Attacken gegen ihre Staatsbürger hinnehmen wird?

Ich bin mir darüber im Klaren, dass sich der Angriff auf mein Schiff außerhalb des australischen Antarktis-Territoriums ereignete, aber die Sicherheit australischer Staatsbürger, selbst außerhalb australischer Gewässer, liegt in der Verantwortlichkeit der australischen Regierung.

Ich möchte Sie dringend bitten, der japanischen Regierung unmissverständlich deutlich zu machen, dass grundlose Attacken gegen australische Staatsbürger und gegen Schiffe, die diese an Bord haben, von der australischen Regierung nicht länger hingenommen werden.

Die Sea Shepherd-Flotte hat das Fabrik-Walfangschiff in dieser Saison drei Mal gefunden. Wir werden sie wieder finden. Und wenn das geschieht, wird das Wetter rauer und werden die Nächte länger sein. Wenn die australische Regierung einen dritten Angriff nicht verhindert, werde ich keine andere Wahl haben, als mich mit der Realität abzufinden, dass die australische Regierung das antarktische Walschutzgebiet japanischen Walwilderern anstandslos überlassen hat.

Ich kann nicht mit gutem Gewissen nicht eingreifen, wenn vor meinen Augen ein Verbrechen begangen wird, in diesem Fall die Abschlachtung bedrohter, gefährdeter und geschützter Wale.

 

In Abwesenheit von Gesetzesvollstreckern habe ich keine andere Wahl, als diese Lücke im Gesetzesvollzug zu füllen.

Mit hoffnungsvollen Grüßen,

Peter Hammarstedt
Kapitän M/Y Bob Barker

Walschutzgebiet Südpolarmeer
Antarktis“

Quelle: Sea Shepherd Australia Original-Brief

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