Japan will das Walfangprogramm in der Antarktis ‘neu erfinden’, um es wissenschaftlicher zu machen

Japans Minister für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei, Yoshimasa Hayashi: “Unser Land wird entschieden an seiner grundsätzlichen Vorgehensweise des Walfangs zu Forschungszwecken festhalten.“ Die Abbildung zeigt ihn als Sprecher bei einer Walfleisch-Probier-Aktion in Tokyo Photo: AP

Tokyo: Japan sagt, es will seine umstrittene Walfangmission in die Antarktis neu auflegen, mit der Absicht, sie wissenschaftlicher zu machen, nachdem ein Gericht der Vereinten Nationen entschieden hatte, es sei eine kommerzielle Jagd, die als Forschung maskiert sei.

Die starrköpfige Antwort, die bedeuten könnte, dass im nächsten Jahr wieder Harpunenschiffe im Südpolarmeer sind, bringt Tokyo erneut auf Kollisionskurs mit Umweltschützern.

Aktivisten hatten die Entscheidung des internationalen Gerichtshofs begrüßt, in der Hoffnung, sie werde das Ende einer Praxis einläuten, die sie für barbarisch halten.

Ein Mann ißt bei der 26. Walfleisch-Probier-Aktion am Dienstag, 15. April 2014 in Tokyo eine Scheibe Walfleisch. Photo: AP

“Wir werden in Zusammenarbeit mit Ministerien umfangreiche Studien durchführen, die darauf ausgerichtet sind, bis diesen Herbst ein neues Programm bei der Internationalen Walfangkommission (IWC) einzureichen, unter Berücksichtigung der in dem Urteil dargelegten Kriterien,“ sagte Yoshimasa Hayashi, Minister für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei.

Japan, ein Mitglied der IWC, hat mithilfe eines Schlupflochs Walfang betrieben, das tödliche Forschung zuließ. Es hat stets die Behauptung aufrechterhalten, es beabsichtige nachzuweisen, dass die Walpopulation groß genug sei, um kommerzieller Waljagd standzuhalten.

Aber es hat nie ein Hehl aus der Tatsache gemacht, dass das Nebenprodukt Walfleisch seinen Weg auf die Speisekarten fand.

Das von Japans Institute of Cetacean Research 2013 aufgenommene Photo zeigt einen Brydewal an Deck eines Walfangschiffes. Photo: AFP

“Das Urteil hat bestätigt, dass das (IWC-Moratorium) teilweise auf nachhaltige Nutzung von Walbeständen hinarbeitet.”

“Demzufolge wird unser Land entschieden an seiner grundsätzlichen Vorgehensweise, Walfang zu Forschungszwecken durchzuführen, festhalten, auf der Grundlage internationalen Rechts und wissenschaftlicher Grundlagen, um wissenschaftliche Daten zu sammeln, die zur Regulierung von Walbeständen nötig sind, und auf die Wiederaufnahme kommerziellen Walfangs abzielen.“

Hayashi, der sich am Freitag mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe getroffen hatte, bestätigte eine frühere Meldung, dass die Jagd 2014-15 im Südpolarmeer nicht stattfinden werde.

Das Gerichtsurteil vom letzten Monat gilt nicht für Japans zwei weitere Walfangprogramme: eine “Forschungs”waljagd in Küstengewässern und im Nordwestpazifik, und ein weitaus kleineres Programm, das entlang der Küste durchgeführt wird und nicht Gegenstand des internationalen Verbots ist.

Hayashi sagte, die Jagd im Nordwestpazifik, die am 26. April von den Küsten Japans aufbrechen wird, werde fortgesetzt, wenn auch in einer leicht reduzierten Form.

Eine Stellungnahme, die von der Fischereibehörde herausgegeben wurde, besagte, dass die Jagd beschränkt werden würde und darauf abziele, rund 100 Zwergwale in Küstengewässern zu fangen, also weniger als 120 im letzten Jahr und weitere 110 andere Wale vor der Küste, also weniger als die zuvor 160. Aus der Tiefsee würden keine Zwergwale gefangen werden.

Ein Bestandteil des Gerichtsurteils lautete, dass die japanische Mission bei weitem zu viele Wale fing, als dass sie als berechtigte wissenschaftliche Forschung gelten könne.

Einige Kommentatoren hatten angedeutet, dass Tokyo den Gerichtsentscheid als Vorwand benutzen könnte, um sich aus einer fest verwurzelten Marktposition zurückzuziehen, mit der sie eine Praxis als unverzichtbares kulturelles Erbe verteidigt haben, die Unmengen Steuergelder kostet und sich keiner breiten öffentlichen Unterstützung erfreut.

Die Bekanntmachung vom Freitag wird die Anti-Walfang-Aktivisten hart treffen, die Tokyo gedrängt hatten, dem Grundgedanken des Gerichtsurteils Folge zu leisten und die weltweite öffentliche Meinung zu beachten, von der sie sagen, sie sei entschieden gegen die Jagd auf Wale.

Die Umweltaktivistengruppe Sea Shepherd, deren bisweilen aggressive Konfrontationen mit japanischen Walfangschiffen auf hoher See ihnen die Bezeichnung “Piraten” durch einen amerikanischen Richter einbrachten, sagten Anfang des Monats, sie erwarteten, dass Tokyo versuchen werde, das Gerichtsurteil zu umgehen.

Hayashi sagte am Freitag, dass Tokyo seine Anstrengungen verdoppeln werde, potentielle Saboteure, die ihre Flotten für etliche Jahre durch das Südpolarmeer verfolgt hätten, auszuschalten.

“Was ungesetzliche Akte der Gewalt angeht, die von Anti-Walfang-Organisationen begangen werden, so werden wir Gegenmaßnahmen für ein neues Forschungsprogramm aus der Perspektive der Gewährleistung der Sicherheit für die Forschungsflotte, die Forscher und Crewmitglieder prüfen“, sagte er.

Quelle: The Sydney Morning Herald

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